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Soll der Staat gegen Monopole vorgehen?

, Hayek/Keynes

Jahrzehntelang stritten Friedrich August von Hayek und John Maynard Keynes über den Konflikt zwischen Staat und Markt. Diesmal streiten die beiden über Monopole

Hayek und Keynes © Jindrich Novotny
Streithähne: Friedrich August von Hayek (l.) und John Maynard Keynes

Sehr geehrter Herr Keynes,
ich dachte ja, zu den befremdlichen Einfällen der Europäischen Union sei alles gesagt. Aber nun nimmt sich deren regulierungswütiges Parlament ein höchst erfolgreiches Unternehmen einzeln vor: Google, ein Konzern, mit dessen Hilfe sich mannigfaltige Informationen finden lassen, soll in seine Geschäftsbereiche aufgespalten werden. Ein typischer Fall von Eingriff der Politik in ein Gebiet, das sie nicht überschauen kann.
Ihr F.A. Hayek

PS: Mein Name wird übrigens bei einer solchen Google-Suche 458 000-mal gefunden.

Aber mein lieber Hayek,
auch Sie müssten doch ein Interesse daran haben, dass Monopole eingehegt werden. Schließlich verhindern sie mit ihrer Macht den Zugang von Konkurrenten und beschädigen auf diese Weise den Markt. Und bei Google wie auch bei anderen dieser amerikanischen Technologiekonzerne handelt es sich ja nun einmal zweifelsfrei um Monopole.
Argumentieren Sie jetzt auf einmal gegen den Markt?
Ihr John Maynard

PS: Auch ich habe mich bei Google gesucht – und bin auf über eine Million Treffer gekommen. Ich denke, mehr muss ich dazu gar nicht sagen. 

Capital 01/2015
Die neue Capital

Sehr geehrter Herr Keynes,
natürlich ist ein Monopol kein erfreulicher Zustand. Aber wie bei vielen unerfreulichen Dingen wird es keineswegs besser, wenn der Staat daran herumfuchtelt. Das habe ich schon vor über 50 Jahren so gesehen: „Sicher ist ein Monopol nicht wünschenswert, aber nur insofern wie auch Knappheit nicht wünschenswert ist: Keines von beidem können wir vermeiden“ (Hayek, 1960). Jedes Monopol wird irgendwann seinen erfolgreichen Herausforderer finden.
Ihr F. A. Hayek

Hayek,
aha, Sie werden doch für gewöhnlich nicht müde, öffentliche Monopole wie im Bahnverkehr, der Wasserversorgung oder der Telekommunikation zu geißeln. All diese wollen Sie nun also doch gewähren lassen?
John

Sehr geehrter Herr Keynes,
da reden wir von etwas völlig anderem. Ein staatliches Monopol bedeutet ja nichts anderes, als dass der Markt für private Wettbewerber gesperrt oder mit sehr hohen Zugangsbeschränkungen versehen wird. Und das ist die Ursünde jeder falschen Wirtschaftspolitik: unterschiedliche Voraussetzungen für Marktteilnehmer. Nur wenn gleiche Regeln für alle gelten, funktioniert das Spiel. Wenn dabei ein vorübergehendes Monopol herauskommt, dann ist das eben so.
Ihr F. A. Hayek

Na ja, Hayek,
in Ihrer Traumwelt mag das alles so wirken. In der Realität aber werden wir um Kartellbehörden wohl nicht herumkommen. Ich habe übrigens mal uns beide zusammen bei Google eingegeben: Da kommen schon fast monopolistische Zahlen heraus.
Ihr Keynes

 

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