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Schützen Sie Ihre Talente!

, Anne Weitzdörfer

Es sind oft die besten Mitarbeiter, die man durch Intrigen verliert. Von Anne Weitzdörfer

Ein Mann sitzt im Halbdunkel und hält sich eine Hand vors Gesicht
Eine hoffnungsvolle Karriere kann ganz schnell in Frustration enden - Foto: Johannes Mink

Anne Weitzdörfer begleitet als Beraterin und Coach seit vielen Jahren Unternehmen und Führungskräfte. Hier schreibt sie jeden Monat über Themen aus der BerufsweltAnne Weitzdörfer begleitet als Beraterin und Coach seit vielen Jahren Unternehmen und Führungskräfte. Hier schreibt sie jeden Monat über Themen aus der Berufswelt

 


Es war einmal ein sehr ambitionierter und selbstbewusster Mitarbeiter, nennen wir ihn Nils. Anfang 30 und von der Sorte „,Geht nicht‘ gibt’s nicht.“ Der wurde von seinem Chef auf ein ziemlich anspruchsvolles Innovationsprojekt im Konzern gesetzt. Das aller Wahrscheinlichkeit nach im politischen Sumpf des Unternehmens untergehen würde. Nils hingegen hörte vom Chef, hier könne er sich beweisen und für das Management empfehlen.

Mit einem Vorstandsauftrag ausgestattet machte Nils sich ans Werk. Baute ein Team auf, schrieb Projektpläne und begeisterte in den Folgemonaten in jeder noch so langweiligen Runde Fachbereiche und Entscheidungsträger. So weit alles super. Eigentlich. Was Nils zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste, war, dass er seinem Chef ein immer größerer Dorn im Auge wurde.

„Womit hast du den denn bestochen?“

Es begann mit einem ungewöhnlich positiven Satz des Betriebsrats zum Vorstand: „Da habt ihr aber einen guten Mann auf dem Projekt.“ Und dem anschließenden bissigen Kommentar seines Chefs: „Womit hast du den denn bestochen?“ Ab da ging es bergab – ohne erkennbaren Grund. Als Nils in den Urlaub ging, wurde von seinem Chef zunächst subtil, später offen Stimmung gemacht. Hier ein spitzer Kommentar („Wie kann man denn daran nicht denken?“), da ein hässlicher Halbsatz vor Dritten („Ist nicht alles Gold, was glänzt“). Fein choreografiert. Ab der zweiten Urlaubswoche wurden Kollegen in Gespräche verwickelt, in denen offen über Nils hergezogen wurde. Dem Chef widersprachen nur wenige. Und wenn, dann nicht lange.

Capital 08/2015
Die aktuelle Capital

Der Rest ist schnell erzählt. Als Nils zurückkam, war spürbar, dass in seiner Abwesenheit irgendetwas passiert war, obwohl projektseitig alles bestens stand. Kollegen, die Nils aus dem Weg gingen. Der Chef, der für ihn tagelang nicht zu sprechen war. Und als Nils’ Verunsicherung nach einigen Tagen ihren Höhepunkt erreichte, gab es das „erlösende“ Gespräch mit seinem Chef: in dem dieser Nils schnörkellos und anhand von Spitzfindigkeiten die Projektleitung entzog. Und sich dann kurzerhand kommissarisch selbst einsetzte.

Nils kündigte wenige Tage später – noch immer sprachlos – und verließ Projekt und Unternehmen. Sein Chef hingegen brachte den Projektinhalt mithilfe des verbleibenden Teams wenige Wochen später erfolgreich auf den Markt. Und erntete dafür viel Anerkennung. Aber das will ich gar nicht kommentieren.

Denn die Moral von der Geschicht: Wenn Unternehmen durch Intrigen Leute verlieren – dann oft die besten. Die, die nicht Machtspiele gewinnen, sondern ihren Job gut machen wollen. Halten Sie darum im Schlingpflanzenteich der Firma die Augen offen und helfen in Not geratenen Kollegen – bevor es zu spät ist.

Das Unternehmen, das Nils anschließend gegründet hat, ist heute übrigens Marktführer und hat 250 Mitarbeiter.

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