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Schlacht um Adidas

, Capital-Redaktion

Die Wirtschaft ist voller­ Fehden, Pleiten und Skandale. Capital erinnert an die besten. Diesmal: Die Schlacht um Adidas

Tapie Adidas © Novotny/Corbis

Am Ende ist Bernard Tapie mit Adidas doch noch reich geworden. Aber nicht weil der französische Unternehmer mit seiner deutschen Sportmarke Anfang der 90er-Jahre viel Fortune gehabt hätte. Sondern weil ihn die Regierung in Paris viele Jahre später üppig entschädigte, um damit ein vermeintliches Komplott der einstigen Staatsbank Crédit Lyonnais auszubügeln.

Die ungeheuerliche Staatsaffäre nahm Ende 1992 ihren Anfang, als Tapie vom damaligen Premierminister Pierre Bérégovoy zum Minister ernannt wurde. Für den hoch verschuldeten Unternehmer war der Wechsel in die Politik ein willkommener Vorwand, sich von der verlustreichen Marke zu trennen: Schon wenige Monate später, im Februar 1993, verkaufte Crédit Lyonnais in Tapies Auftrag Adidas an ein Konsortium um den Geschäftsmann Robert ­Louis-Dreyfus und zwei Offshore-Fonds – zum von Tapie verlangten Preis von gut 2 Mrd. Francs (315 Mio. Euro). Doch zugleich räumte das Geldhaus Louis-Dreyfus eine Option ein, die ihm Ende 1994 die Komplettübernahme von Adidas ermöglichte. Für weitere 2,6 Mrd. Francs.

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Um dieses Geld fühlte sich Tapie betrogen – und sah sich als Opfer einer Verschwörung seiner sozialistischen Parteifreunde mit der Staatsbank. Zu allem Überfluss war er jetzt nicht mehr Minister, sondern pleite. Vor laufenden Kameras ließ Crédit Lyonnais seine Möbel pfänden.

Es beginnt ein langer Kampf zwischen dem Pleitier und dem Institut, das wegen anderer Skandale selbst bankrott ist. Faule Immobilienkredite und dubiose Beteiligungen haben es in den Ruin getrieben. Zwei Großbrände, deren Ursachen bis heute ungeklärt sind, vernichteten die Zentrale der Bank in Paris und ein Archiv in Le Havre.

15 Jahre später wollte die damalige Finanzministerin Christine Lagarde den Streit zwischen Tapie und der Bad Bank von Crédit Lyonnais beenden. 2008 stimmte sie der Schlichtung durch ein privates Schiedsgericht zu – und segnete eine großzügige Zahlung von 403 Mio. Euro aus der Staatskasse ab, als Ausgleich für Tapies Adidas-Malheur.

Doch noch immer ist der Fall nicht abgeschlossen: Die französische Justiz geht heute dem Verdacht nach, das Schiedsgericht und Lagarde, nun Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), hätten Tapie das Geld aus Gefälligkeit zugeschanzt. Als Dank dafür, dass der populäre Mann 2007 die Wahl Nicolas Sarkozys zum Staatschef unterstützt hatte.

Hauptperson

Bernard Tapie wurde 1943 in Paris geboren und versuchte sich erst als Sänger und Rennfahrer. Ab den 70er-Jahren sanierte er Pleitefirmen und verkaufte sie mit Gewinn. 1990 stieg er in die Politik ein. Doch auf den Adidas-Verkauf folgte der Absturz: 1997 musste Tapie für mehrere Monate hinter Gitter. Als Chef von Olympique Marseille hatte er gegnerische Spieler bestochen. Nach der Haft arbeitete er als Schauspieler. 2012 kaufte er, dank der Adidas-Entschädigung, das Regionalblatt „La Provence“.

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