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Schiffsfonds tricksen bei Insolvenzen

, Jens Brambusch

Kurz vor der Pleite verlegen viele Schiffsfonds den Sitz ihrer Geschäftsführung nach Sylt. Juristen sprechen von einer „Manipulation des Gerichtsstandorts“.

Briefkastenfirma © Nicole Mai
Ein Briefkasten auf Sylt dient als Adresse für etliche Schiffsfonds

Die Pleiten bei Schiffsfonds steuern ihrem Höhepunkt entgegen. Nach Capital-Recherchen tricksen etliche der Schiffsfonds bei der Insolvenz-Anmeldung. Allein seit Januar 2013 verlagerten Dutzende Fonds kurz vor der Insolvenz ihre Geschäftsführung nach Sylt. Als Adresse im Insolvenz-Register dient immer das gleiche Haus in Westerland. Von dort wird aber lediglich die Post an die Geschäftsführer der Fondsgesellschaften weitergeleitet.

Die neue Capital
Die neue Capital, ab 20. März im Handel

„Das stinkt gewaltig“, sagt Insolvenz-Experte Hans Haarmeyer gegenüber Capital. Es liege nahe, dass es bei diesem Manöver um die Manipulation des Gerichtsstandorts gehe. Durch die Verlagerung des Sitzes könne Einfluss auf die Wahl des Insolvenzverwalters genommen werden. Denn nach dem Geschäftssitz richte sich die Zuständigkeit des Gerichts. An kleinen Gerichten gebe es meist nur einen Insolvenz-Richter, der wiederum den Verwalter bestelle.

Für Sylt ist das Amtsgericht Niebüll zuständig. Seit Januar 2013 wurden dort 38 Verfahren zu Schiffsinsolvenzen angemeldet, immer wurden erst zuvor die Gesellschaften nach Westerland verlegt. Und: In allen Fällen bestellte das Gericht denselben Verwalter: einen Hamburger Anwalt. Selbst das Landgericht Flensburg, zuständig für Niebüll, bestätigte eine „sonderbare Häufung“.

Als möglichen Grund für die Einflussnahme auf den Gerichtsstandort vermutet Haarmeyer Deals im Vorfeld der Insolvenz. Ein Verwalter einige sich beispielsweise mit den Banken auf eine geringe Vergütung, dafür könne er mit weiteren Aufträgen rechnen. Denn je weniger er verlange, umso mehr bleibe für die Banken. Oder: „Die Bank erkauft sich das Wohlverhalten und sichert sich so eine störungsfreie Abwicklung, ohne eine intensive Prüfung der Bücher“, erläuterte Haarmeyer.

340 Schiffe sind pleite

Auch Frank Frind, Insolvenz-Richter in Hamburg und Vorstandsmitglied des Bundesarbeitskreises Insolvenzgerichte, hat von den Deals gehört. Den Zuständigkeitsverlegungen der Fonds hafte mindestens „ein Geschmäckle“ an, sagte er.

Schiffsfonds durchleben zurzeit dramatische Zeiten. Mehr als 2500 dieser „geschlossenen Fonds“ wurden in Deutschland aufgelegt. Mittlerweile sind etwa 340 Schiffe pleite. Für die Anleger bedeutet das meist den Totalverlust. Mehr als 1 Mrd. Euro sind bereits verloren. 17 Mrd. Euro investierten deutsche Anleger allein in den Boomjahren von 2003 bis 2008 in Tanker und Containerschiffe. Viele blendeten die Risiken aus und verzockten so ihre Altersvorsorge.

Capital berichtete im vergangenen Jahr über die drohende Pleite der Margara und das Beteiligungsgeflecht der Bank. Im Februar meldete der Fonds Insolvenz an.

„Schiffe versenken“ erscheint in der Capital-April-Ausgabe. Hier können Sie sich ab dem 20. März die iPad-Ausgabe herunterladen. Hier geht es zum Abo-Shop, wenn Sie die Print-Ausgabe bestellen möchten. 


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