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Schaden Erbschaften dem Kapitalismus?

, Hayek/Keynes

Jahrzehntelang stritten Friedrich August von Hayek und John Maynard Keynes über den Konflikt zwischen Staat und Markt. Diesmal: Sind Erbschaften schädlich für den Kapitalismus?

Hayek und Keynes © Jindrich Novotny
Streithähne: Friedrich August von Hayek (l.) und John Maynard Keynes

Mein lieber Hayek,
haben Sie in Ihrem Leben eigentlich von einer nennenswerten Erbschaft profitiert? Ich kann mich nicht erinnern, dass Sie jemals auf besonders großem Fuß gelebt haben.
Ihr John Maynard

Sehr geehrter Herr Keynes,
ach, Sie wissen doch, dass ich mich in meinem Leben zwar viel mit Geld beschäftigt habe – allerdings nie in dem Sinn, dass ich selbst sonderlich viel davon besessen hätte. Ganz im Gegensatz zu Ihnen übrigens, dem großen Freund des Ausgebens. Aber ich nehme an, dass Ihre Frage ein bestimmtes Ziel verfolgt, oder?
Ihr F. A. Hayek

Capital 06/2015
Die neue Capital

Lieber Hayek,
das stimmt schon, Sie alte Spürnase. Mich treibt der Gedanke an die Milliarden um, die in den kommenden Jahren in den Industrieländern vererbt werden. Unfassbare Vermögen! Die ohnehin infrage stehende Gerechtigkeit in diesen Gesellschaften wird dadurch noch mehr beeinträchtigt. Zudem wird ohne alle Verdienste Reichtum übertragen. Das müsste Ihnen als eisernem Vertreter des kapitalistischen Leistungsprinzips doch auch gegen den Strich gehen.
Ihr John Maynard

Sehr geehrter Herr Keynes,
da kommt Sie wieder, die Gerechtigkeitskeule. Nein, ich habe nichts gegen das Erben. Menschen werden nun mal nicht gleich geboren, manche sind intelligenter, manche hübscher und manche reicher. Ihre Klugheit, auf die Sie so stolz sind, wollte Ihnen ja auch niemand wegnehmen. Ich zitiere mich selbst: „Wenn wir uns einig sind, dass es wünschenswert ist, dass Eltern ihren natürlichen Instinkten folgen und ihre Nachkommen so gut ausstatten wie möglich, dann gibt es keinen sinnvollen Grund, das auf nicht-materielle Güter zu beschränken“ (Hayek, 1960).
Ihr F. A. Hayek

Ach, Hayek,
ich verstehe nicht, wie Sie das alles mit einem Schulterzucken hinnehmen können. Ich habe geschrieben: „Das Erbschaftsprinzip bei der Übermittlung von Vermögen und der Unternehmensführung ist der Grund dafür, dass die kapitalistische Führungsschicht so schwach und dumm ist“ (Keynes, 1925). Hier wird Ihr geliebtes System geschwächt! Aber dem begegnen Sie ja offenbar mit Gleichgültigkeit. Über eine Erbschaftsteuer muss ich mit Ihnen dann wohl gar nicht diskutieren, nicht wahr?
John

Sehr geehrter Herr Keynes,
da liegen Sie falsch, und das bekanntlich nicht zum ersten Mal. Ich bin nicht unbedingt Gegner einer Erbschaftsteuer. Mir missfällt allerdings diese verquere Absicht, damit Gerechtigkeit herzustellen. Das ist zum Scheitern verurteilt und führt zu Ungleichbehandlung. Man sieht das ja bei dem kläglichen Versuch der deutschen Regierung, Unternehmenserben anders zu besteuern als den Rest. Wenn Steuern, dann bitte für alle im gleichen Maß.
Ihr F. A. Hayek

 

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