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Sandra Navidi - Super-Hubs der Finanzelite

, Horst von Buttlar

Sandra Navidi hat mit "$uper-hubs" ein Buch über globale Finanz-Netzwerke geschrieben. Im Interview mit Capital spricht sie über deren Einfluss auf unsere Gesellschaft.

Sandra Navidi © SZ Photo
Sandra Navidi, Juristin und Gründerin der Beratungsfirma Beyond Global

Sandra Navidi ist Juristin und Gründerin der Beratungsfirma Beyond Global. Die Deutsche hat auch für Starökonom Nouriel Roubini gearbeitet. 


Capital: Sie haben mit "$uper-hubs" ein Buch über die globalen Finanz-Netzwerke geschrieben. Wie sind Sie auf die Idee gekommen?

Sandra Navidi: Meine Tätigkeit an der Schnittstelle von internationalem Recht, Finanzen und Wirtschaft verbunden mit meinem Zugang zu einem Netzwerk von Entscheidungsträgern hat mir eine Perspektive aus der Metaebene eröffnet. Dabei sind mir immer wieder Muster und Gesetzmäßigkeiten aufgefallen, die sich auf Netzwerkmechanismen zurückführen ließen. Insbesondere angesichts der weiterhin bestehenden Fragilität des Finanzsystems wollte ich diese Einblicke und Erkenntnisse gerne teilen.

Was war Ihre wesentliche neue Erkenntnis?

Dass wir komplexe Systeme nur in ihrem Gesamtzusammenhang verstehen können. Wir haben einen Level von Komplexität geschaffen, der uns intellektuell und tatsächlich über den Kopf gewachsen ist. Deswegen habe ich die Komplexitätswissenschaft und die Netzwerktheorie zu meiner Analyse des Finanzsystems herangezogen. Die Netzwerktheorie erklärt das Gerüst, aus dem komplexe Systeme bestehen, ihr Verhalten und ihre Korrekturmechanismen. Sie macht deutlich, dass man in einem Netzwerk, in dem alles miteinander verbunden ist, Probleme nicht einzeln und isoliert außerhalb des Gesamtzusammenhangs lösen kann, weil man dadurch unweigerlich neue Probleme schafft. Ein Beispiel hierfür ist die Bankenregulierung, die Risiken nicht minimiert, sondern neue geschaffen und in das Schattenbankensystem verlagert hat. Die Super-hubs sind so außergewöhnlich erfolgreich und einflussreich, weil sie das Finanzsystem in seiner Gesamtheit begreifen und es mit Hilfe ihrer Netzwerke in ihrem Interesse beeinflussen. Dadurch perpetuieren sie das System.

Capital 04/2016
Die aktuelle Capital

Wie wirken diese Superhubs auf die Weltwirtschaft – sind sie z.B. eher eigennützig, schaden sie oder was ist kennzeichnend?

Super-hubs handeln, wie die meisten anderen Menschen auch, in ihrem eigenen Interesse und im Interesse ihrer Unternehmen. Das ist zunächst meist wertneutral. Netzwerk Gesetzmäßigkeiten bewirken jedoch, dass Super-hubs mit der Zeit immer verlinkter und homogener werden. Mit ihrem Einfluss, der durch ihre Netzwerke noch überproportional verstärkt wird, gestalten sie das System zunehmend in ihrem Sinne. Dadurch wird es immer einseitiger, und gerät irgendwann in Schieflage. Ein Beispiel hierfür ist die zunehmende Wohlstandsschere. Mit ihrem Einfluss setzen die Super-hubs auch “Schaltkreisunterbrecher“ außer Kraft, die normalerweise dafür sorgen, dass sich anpassungsfähige Systeme, wie z.B. die Umwelt, selbst korrigieren. In der Finanzwelt haben die zentralen Schlüsselfiguren mit ihren Netzwerken systemstabilisierende Änderungen, wie zum Beispiel die Verkleinerung von Mega Banken, verhindert. Da diese Mechanismen letztendlich zur Instabilität des Systems führen, sind die Handlungen der Super-hubs in ihrer Gesamtheit ab einem gewissen Grad tendenziell schädlich.

Was kann man von den Finanznetzwerken lernen? Wie beeinflussen sie das Leben des normalen Menschen?

Lernen kann man von Finanznetzwerken, dass persönliche Netzwerke insbesondere in unserer globalisierten Welt den ultimativen Wettbewerbsvorteil darstellen. In einem geringen Wachstumsumfeld ist der Zugang zu Menschen, Informationen und Kapital meist ausschlaggebend für den Zugang zu lukrativen Geschäftsmöglichkeiten. Die Super-hubs verfügen über ein allumspannendes, exklusives Netzwerk höchstpersönlicher Beziehungen, das sie im Laufe ihres Lebens mit Zeit, Mühe und Sozialkapital aufbauen. Finanznetzwerke sind gegenüber anderen Netzwerken allerdings insofern im Vorteil, als dass sie am nächsten am und mit Geld arbeiten, was ihnen ganz besonders große Macht verleiht.

Der Einfluss der Super-hubs auf das Leben eines jeden einzelnen von uns beruht auf der Tatsache, dass das Finanzsystem die Basis für das Funktionieren unserer Gesellschaft ist. Damit beeinflussen sie alles, was unser Leben ausmacht, z. B. welche Firmen Kredite bekommen, wo Arbeitsplätze abgebaut werden, wieviel wir für Fremdwährungen oder Hypotheken bezahlen müssen und was unser Erspartes bringt. Ihr Einfluss ist so weitreichend, dass er sich direkt auf die Stabilität unseres gesamten Systems auswirkt.

Lesen Sie in der April-Ausgabe von Capital unser Spezial über die Kunst, die richtigen Leute zu kennen. Online können Sie außerdem ein Interview mit Dieter Rickert lesen, Deutschland bekanntestem Headhunter.

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