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Rente: Welcher Vorsorgetyp sind Sie?

, Christian Kirchner, Horst von Buttlar, Timo Pache

Riester, Betriebsrente, Rentenfonds: Jeder Mensch sorgt anders fürs Alter vor. Welcher Typ sind Sie und was sollten Ihre nächsten Schritte sein?

Jetzt bloß keine Panik: Nehmen Sie die Vorsorge selbst in die Hand © Tim Lahan
Jetzt bloß keine Panik: Nehmen Sie die Vorsorge selbst in die Hand

Viele Menschen fragen sich: Reicht mein Geld für später noch? Sie haben das Vertrauen in beide Richtungen verloren - Staat und Finanzdienstleister sind keine Partner mehr, mit denen sie rechnen können und wollen. Was aber sollte man tun?

Wie bei der Geldanlage gibt es bei der Altersvorsorge natürlich unterschiedliche Fälle, je nach Alter, Einkommen und Lebenssituation. Der 60-Jährige, der die Auszahlung eines Lebensversicherungsvertrages erwartet und 100 000 Euro anlegen muss, steht vor einem anderen Problem als der 40-jährige Familienvater. Es gibt zudem Neigungen, Charaktere und Typen, die maßgeblich für die Vorsorge sind - und die Capital Ihnen vorstellt.

Grundlage für diese Typisierung - die bewusst plakativ ist - ist eine Studie des Marktforschungsinstituts Rheingold. Wir haben versucht, das Verhalten und das Problem jedes Typus auf die aktuelle Lage zu übertragen und für jeden eine Richtschnur zu entwickeln.

Ganz unabhängig davon aber sollte jeder Vorsorgesparer zunächst eines machen: Ruhe bewahren. Abgeschlossene Verträge sollte niemand kündigen, weil aktuell (und wahrscheinlich auch für die nächsten zwei bis fünf Jahre) die Verzinsung mau ist. Vorsorgeverträge sind angelegt auf Jahrzehnte.

Typ 1: Der getriebene Jongleur

Vorsorgetyp:Der getriebene Jongleur © Tim Lahan
Vorsorgetyp:Der getriebene Jongleur

So tickt er:

Er bespart aus Angst vor Altersarmut viele Verträge, die erste Lebensversicherung haben in der Schulzeit schon die Eltern abgeschlossen. Er ist experimentierfreudig, geht aber unsystematisch vor. Er fühlt sich zudem laufend getrieben, auf die wechselnden Herausforderungen zu reagieren – früher war das die Abgeltungsteuer oder Riester-Förderungen, heute eben der Nullzins.

Das ist sein Problem:

Der Hang zur Selbstüberschätzung. Viel handeln und abschließen kostet nun einmal viel Gebühren, allem voran zu Beginn von Sparphasen typischer Vorsorgeprodukte.

Das sollte er tun:

Sich glücklich schätzen, dass er überhaupt etwas tut. Die Ursache drohender Altersarmut ist nicht, dass Menschen die falschen Produkte kaufen, sondern dass 40 Prozent überhaupt keine Vorsorge betreiben. Jongleure sollten an ihrer Getriebenheit arbeiten. Denn Steuern, Zinsen und Sozialabgaben werden sich noch oft ändern. Also sollten sie auf das setzen, was nachhaltig ist. Erstens: Immobilien in guter Lage. Zweitens: Aktien, denn die sind langfristig rentabel. Drittens: auf niedrige Kosten achten und Disziplin haben. Ruhe finden sie in Index-Fondssparplänen (z. B. iShares Stoxx Global Select Dividend, ISIN: DE000 0F5UH1).

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Typ 2: Der planvolle Umschichter

Vorsorgetyp: Der planvolle Umschichter © Tim Lahan
Vorsorgetyp: Der planvolle Umschichter

So tickt er:

Er handelt strukturiert und rational, ist leidenschaftlicher Planer und Organisierer, passt Vorsorgeformen jederzeit seiner Lebensphase an. Erfindet die Vorsorge für sich und seine Familie regelmäßig neu und ist auch offen für radikale Lösungen wie den Verkauf von Wohneigentum.

Das ist sein Problem:

Er hat keins, denn er richtet seine Vorsorge nicht an Restrisiken und Fatalismus aus, sondern macht pragmatisch das Beste aus der Situation. Schwierig wird es für ihn nur, wenn etwa Finanzkrisen ausbrechen oder, wie jetzt beim Nullzins, neue Spielregeln gelten.

Das sollte er tun:

Er verhält sich grundsätzlich optimal. Bleiben die Zinsen indes weiter nahe null, kann ihn sein Verhalten künftig viel Rendite kosten. Dazu zählt etwa, sich alleine aus Zinsen ein zusätzliches Alterseinkommen finanzieren zu wollen. Oder aber auch, kurz vor dem Ruhestand die Quote sicherer Anlagen unbedingt drastisch zu erhöhen. Der Umschichter sollte die Rolle von Anleihen und Rentenversicherungen in seiner Planung eher senken und die von Aktien und Immobilien (zum Beispiel über einen globalen Immobilienaktien-Indexfonds, ISIN: FR 001 083357 4) erhöhen – falls er glaubt, dass Nullzinsen keine Episode sind, sondern von Dauer.

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Typ 3: Der abwartende Angsthase

Vorsorgetyp: Der abwartende Angsthase © Tim Lahan
Vorsorgetyp: Der abwartende Angsthase

So tickt er:

Er scheut Entscheidungen, weil er große Angst vor Fehlern hat – und noch größere vor Verlusten. Seit Jahren lauert er auf ein geeignetes Vorsorgeprodukt, am besten rentabel, risikofrei, hoch gefördert – am Ende landet aber all sein Geld auf
einem Spar- oder Tagesgeldkonto.

Das ist sein Problem:

Der Niedrigzins. Die realen Verluste sind nach Abzug der Inflation zwar auch nicht höher als früher. Aber er ist sehr beunruhigt, denn er wittert in allen möglichen Alternativen Blasen oder Abzocke – und fühlt sich durch die Nullzins- und Rentendebatte mal wieder bestätigt im Nichtstun.

Das sollte er tun:

Den ersten Schritt zur Vorsorge macht er richtig, denn der ist Konsumverzicht: Heute weniger ausgeben, um später mehr zu haben. Erst der zweite ist die Produktwahl. Da sich Angsthasen einmal getroffene Entscheidungen gern schlechtreden und dann zur Unzeit mit Verlusten über den Haufen werfen, braucht er wirklich eine Langfriststrategie: Die fängt bei einem Honorarberater an – der kostet zwar Geld, aber will nichts aufschwatzen und kann Vorurteile ausräumen. Für Selbstentscheider sind günstige Indexfonds mit hohem Anleiheanteil eine Alternative zum Sparbuch, etwa der Portfolio-ETF (ISIN: IE 00B 3Y8D01 1).

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Typ 4: Der sorglose Ignorierer

Vorsorgetyp: Der sorglose Ignorierer © Tim Lahan
Vorsorgetyp: Der sorglose Ignorierer

So tickt er:

Er schätzt seine Freiheit, will sich nicht festlegen. Denn der Wunsch nach Unabhängigkeit und dem Leben im Hier und Jetzt sorgen dafür, dass Zukunftsfragen endlos aufgeschoben werden – die Rente ist weit weg. Aufgrund der hohen Flexibilität lebt der Ignorierer meist auch zur Miete.

Das ist sein Problem:

Die laufende Debatte über Niedrigzinsen und die demografische Herausforderung bestätigen ihn in der Haltung, dass die Vogel-Strauß-Taktik lohnt. Doch in den letzten zehn bis 15 Jahren vor dem Ruhestand lässt sich nicht aufholen, was
40 Jahre zuvor ignoriert wurde.

Das sollte er tun:

Der Typ des Ignorierers ist ironischerweise oft unter den Topverdienern anzutreffen: nämlich jenen, die befürchten, dass ihnen in einer alternden Republik später einmal sowieso alles Vermögen wegbesteuert wird – zur Finanzierung maroder Sozialkassen oder pflegebedürftiger Eltern. Wer daran glaubt, schläft tatsächlich schlecht. Der Ignorierer sollte daher am besten darüber nachdenken, eine Wohnung oder ein Haus zu kaufen. Denn selbstgenutzte Immobilien, das sagen sogar Studien der Bundesbank, disziplinieren beim Vermögensaufbau. Und der Staat behandelt sie traditionell als Schonvermögen.

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Typ 5: Der hortende Hamster

Vorsorgetyp: Der hortende Hamster © Tim Lahan
Vorsorgetyp: Der hortende Hamster

So tickt er:

Er thront auf seinem Besitz, den er akribisch vor Verlusten schützen will. Ist getrieben von Angst, Vermögen zu verlieren und im Alter arm zu sein. Die Vorsorge ist ausgeklügelt, aber kaum lebensfreudig, da dieser Typ dazu neigt, das Vermögen nicht in Lebensqualität zu überführen, sondern davon regelrecht begraben zu werden.

Das ist sein Problem:

Finanziell hat er keins – und wird auch vermutlich nie eins haben. Allenfalls drohen in turbulenten Zeiten Kurzschlussreaktionen: Da werden dann etwa panisch zu viele Goldmünzen und -barren gekauft.

Das sollte er tun:

Die Nullzinsen und Berichte über sinkende Renditen bei Lebensversicherungen sind ein Horror für den Hamster, denn er wähnt sich als Opfer einer finanziellen Repression. Ferner sieht er das Geldsystem stets am Rande des Kollaps. Dabei müsste er nur die Grundregel des Vermögensaufbaus konsequenter befolgen: Diversifikation (Immobilien, Aktien, Edelmetalle, Währungen). Aber es gibt einen Ausweg: Fondsmanager, die ähnlich denken – und das Geld so diversifiziert anlegen. Sogar erfolgreich. Etwa Bert Flossbach, der Mann hinter dem Mischfonds FvS Multiple Opportunities
(ISIN: LU 032 357865 7).

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Typ 6: Der lockere Verteiler

Vorsorgetyp: Der lockere Verteiler © Tim Lahan
Vorsorgetyp: Der lockere Verteiler

So tickt er:

Er hat, einem Eichhörnchen gleich, viele verschiedene Vorsorgeformen abgeschlossen, deren Umfang und Details er oft vergisst und einfach nur abheftet. Genießt das beruhigende Gefühl, „etwas zu tun“, auch wenn ihm der Überblick fehlt. Zu viel Detailwissen verunsichert ihn ohnehin nur.

Das ist sein Problem:

Von den Gebühren des Verteilers können viele gut leben: Weder kann er sie überhaupt finden oder einordnen, noch kann er die Qualität seiner Riester-Vorsorge, Fondssparpläne und betrieblichen Altersvorsorge beurteilen.

Das sollte er tun:

Die Fondsgesellschaft Fidelity fand einmal heraus, dass jene Kunden die höchsten Renditen erzielt haben, die ihre Investmentfonds buchstäblich jahrelang vergessen hatten. Der Verteiler hat daher einen großen Vorteil: Das Ingorieren des Hin und Hers an Märkten und in der Politik macht ihn zu einem disziplinierten Sparer, der sich kaum verunsichern lässt. Zu ihm passen daher neben geförderten Vorsorgeformen gut reine Aktienfonds, sofern wenigstens zehn Jahre Geduld vorhanden sind. Optimal für Selbstentscheider sind globale Indexfonds mit niedrigen Kosten wie etwa der MSCI World (ISIN: IE 00B 4L5Y98 3, 0,2 Prozent Gebühr p. a.).


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