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Razzia bei Prestigeprojekt im Norden

, Jens Brambusch

Verdacht auf Wirtschaftsspionage in Mecklenburg-Vorpommern: Staatsanwälte ermitteln gegen eine vom Land geförderte Firma.

Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschaftsminister Harry Glawe gibt ein Interview © dpa
Wirtschaftsminister Harry Glawe setzte sich für eine Firma ein, gegen die nun wegen Spionage ermittelt wird

Pikante Ermittlungen für Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU): Die Staatsanwälte in Darmstadt und Schwerin ermitteln gegen Manager eines vom Land mit fast 4 Mio. Euro geförderten Unternehmens wegen des Verdachts der Wirtschaftsspionage. Anfang November seien Gebäude in mehreren Bundesländern durchsucht worden, bestätigten die Behörden Capital-Recherchen. Sollte sich der Verdacht erhärten, wäre dies ein weiterer peinlicher Rückschlag für die Wirtschaftsförderpolitik des Landes. In den vergangenen Jahren hatten sich bereits mehrere millionenschwere Förderprojekte als Fehlschlag erwiesen.

Im aktuellen Fall geht es zunächst aber nicht um die vom Land geflossenen Fördermillionen, sondern um den Betrug und Verrat von Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen, kurz Wirtschaftsspionage. Der Verdacht: Die Neuansiedlung in Mecklenburg-Vorpommern basiert auf dem Know-how eines Weltmarktführers aus Hessen. Vertreter der beschuldigten Firma wollten die Vorwürfe nicht kommentieren*.

Capital 12/2015
Die neue Capital erscheint am 19. November

Für die Ansiedlung der Firma hatte sich Wirtschaftsminister Glawe persönlich stark gemacht. „Heute wird richtig gefeiert und morgen wieder rangeklotzt“, gab Glawe bei der Einweihung im Juni 2014 als Parole aus. Glawe brüstete sich damit, wie er bei einer Schweiz-Reise den Firmengründer kennengelernt habe. Und nun sei daraus eine „konkrete Ansiedlung in Mecklenburg-Vorpommern entstanden“.

Zur Gründung spendierte das Land 3,6 Mio. Euro. Es war die zweithöchste Förderung 2013 – bei einer Gesamtinvestition von insgesamt 9,5 Mio. Euro. Ganze 18 Arbeitsplätze sollten im Gegenzug entstehen, inklusive Geschäftsführung. Jeder Arbeitsplatz war dem Land damit 200.000 Euro wert. Normalerweise liegt der Betrag bei etwa 40.000 Euro.

Das Ministerium erklärte auf Nachfrage, alle „entscheidungsrelevanten sowie sonstigen Unterlagen“ seien angefordert und geprüft worden. Allerdings ist die Firma immer noch nicht voll einsatzbereit, bisher wurden elf Arbeitsplätze geschaffen, nicht einmal die Hälfte der Stellen ging an Menschen aus der Region. Dafür hat die Firma inzwischen eine weitere Förderung beantragt. Das bestätigt das Ministerium. Zu den Ermittlungen schweigt das Ministerium jedoch.

* Nach der Veröffentlichung des Capital-Artikels, und nachdem andere Medien den Fall aufgegriffen haben, wurde das betroffene Unternehmen aktiv und gab eine Presseerklärung ab. Bis dahin hatte es sich nicht zu den Vorwürfen geäußert, ein Treffen mit der Geschäftsführung vorgeschlagen, das aber wiederum kurzfristig abgesagt. Capital hatte sich daher entschieden, den Artikel ohne Nennung der Firma und des Ortes sowie ohne die Namen der Betroffenen zu drucken. Das Unternehmen, die Acrylicon Polymers GmbH in Neustadt-Glewe, bittet nun, ihre Stellungnahme unter Nennung des Namens zu veröffentlichen.

Darin heißt es: „Wir unterstützen die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen im eigenen Interesse“, kommentiert Acrylicon-Geschäftsführer Björn Hegstad aktuelle Medienberichte. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaften basierten auf Vorwürfen des Wettbewerbers Silikal. Sie seien eine „billige Retourkutsche“ sowie „ein Ablenkungsmanöver“ von Prozessen, die in den USA geführt werden. Acrylicon habe Akteneinsicht beantragt und werde prüfen, ob gegen die Verantwortlichen der Silikal eine Gegenanzeige wegen falscher Verdächtigung zu erheben ist.

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