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Juliane Seifert, die neue SPD

, von Thomas Steinmann

Die 38-jährige Historikerin war eine der wichtigsten Beraterinnen der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer. Jetzt ist sie Bundesgeschäftsführerin der SPD - ein Amt, das schon große Strategen innehatten wie Franz Müntefering. 

Juliane Seifert © Jonas Holthaus

Seit 2007 sucht Capital für das Projekt „Junge Elite“ in ganz Deutschland nach Talenten wie Anna Herrhausen und kürt alljährlich die „Top 40 unter 40“ in den vier Kategorien „Unternehmer“, „Manager“, „Politik“ sowie „Staat und Gesellschaft“. Alle sind jünger als 40 Jahre, haben beachtliche Erfolge vorzuweisen und noch viel Potenzial. Einige sind schon an der Spitze, andere noch auf dem Sprung dorthin; manche machen durch bahnbrechende Ideen und Start-ups auf sich aufmerksam, andere gehen den Weg durch Konzerne und Institutionen.


Als der Anruf aus Berlin kam, hatte Juliane Seifert gerade einen langen Wahlkampf hinter sich. Die 38-jährige Historikerin arbeitete als Planungschefin in der rheinland-pfälzischen Staatskanzlei, für die Landtagswahl Mitte März war sie eine der wichtigsten Beraterinnen von Ministerpräsidentin Malu Dreyer. Doch während die SPD in Mainz noch Dreyers Last-Minute-Sieg feierte, kam für Seifert schon die Beförderung. Generalsekretärin Katarina Barley fragte an, ob sie als Bundesgeschäftsführerin ins Willy-Brandt-Haus kommen wolle. Es ist ein Amt, das in der SPD schon große Strategen innehatten, als es noch keine Generalsekretäre gab: Franz Müntefering etwa oder Matthias Machnig, der die Strippen zog, als die SPD mit Gerhard Schröder 1998 die Bundestagswahl gewann.

Seit ihrer Wahl Ende April hat Seifert nun ihr Büro im fünften Stock der Parteizentrale – dort, wo bei den Sozialdemokraten die wichtigen Leute sitzen. Sie habe nie geplant, in die Bundespolitik zu gehen, sagt die Bundesgeschäftsführerin an ihrem kleinen Besprechungstisch mit Blick über graue Kreuzberger Hochhäuser. „Wenn man sich zu sehr auf seine Karriere fixiert, ist man nicht mehr gut.“ Aber es sei sofort klar gewesen, dass sie das Angebot annehme.

Zusammen mit ihrer Chefin Barley, die im Brandt-Haus nur ein paar Türen weiter sitzt, kümmert sich Seifert um das Management der Partei mit ihren immer noch fast 450.000 Mitgliedern und 180 Mitarbeitern in der Parteizentrale. Die Generalsekretärin fungiert als eine Art politische Außenministerin der SPD. Die Bundesgeschäftsführerin hält den Draht zu den Landes- und Bezirksverbänden, Ortsvereinen und Arbeitsgemeinschaften. „Ich komme ganz gut rum“, sagt Seifert. In der SPD gibt es nicht viele, die an so vielen Sitzungen teilnehmen wie die Frau, die von Kollegen als „tough“ bezeichnet wird – von den montäglichen Runden der Parteispitze bis zu Treffen der AG 60plus.

„Die Parteien müssen vielfältiger und bunter werden“

Nach ihrem Studium der Geschichte und Politikwissenschaft und einem Zwischenstopp für die Friedrich-Ebert-Stiftung in Sarajewo arbeitete Seifert fünf Jahre lang im Referat Arbeit, Soziales, Fachkräfte bei dem Beauftragten der Bundesregierung für die Neuen Länder. 2011 holte Dreyer, damals noch Arbeitsministerin, die gebürtige Kielerin als Referatsleiterin für ihre Themen in die rheinland-pfälzische Landesvertretung beim Bund. 2013 folgte der Wechsel in die Mainzer Staatskanzlei.

Wenn es um die Veränderung in der Arbeitswelt geht, hat Seifert eine interessante Doppelperspektive. Zum einen die von außen, die politische, die sich mit den Rahmenbedingungen beschäftigt: Mindestlohn, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Digitalisierung und ihre Folgen für Arbeitnehmer und Arbeitsplätze – alle diese Megathemen, die die politische Agenda prägten, hat sie in den vergangenen zehn Jahren miterlebt. Zum anderen sieht die Parteimanagerin, wie sich auch die SPD von innen ändert. Zwar gibt es immer noch Leute, die ihre Freizeit gerne mit Sitzungen ihres Ortsvereins zubringen. Bloß werden es immer weniger. Viele, die sich politisch engagieren wollen, suchen andere Beteiligungsformen – vor allem weniger starre.

„Die Parteien müssen vielfältiger und bunter werden“, sagt Seifert. Für eine große Organisation wie die SPD mit ihren ganz unterschiedlichen Mitgliedern sei es nicht einfach, „ein Angebot zu schaffen, mit dem alle glücklich sind“. Die einen wollen sich immer noch persönlich treffen, andere nur online. Manche wollen sich engagieren, aber nicht gleich Parteimitglied werden. Auf all das muss eine moderne Volkspartei Antworten finden. Gerade hat Seifert einen „Open-SPD“-Kongress im Willy-Brandt-Haus organisiert, bei dem auch Passanten, die zufällig vorbei kommen, in kleinen Runden mit den SPD-Bundesministern diskutieren konnten. Lange Reden waren verboten – auch für Parteichef Sigmar Gabriel, der sonst immer gerne lange redet.

2017 wird ein besonders stressiges Jahr

Parallel haben für Seifert und ihre Leute längst auch schon die Vorbereitungen für den wichtigsten Termin ihrer Amtszeit begonnen: die Bundestagswahl 2017. Zwar weiß bis heute noch niemand, mit welchem Kandidaten die Sozialdemokraten ins Rennen gehen. Doch in der Parteizentrale sind schon die ersten externen Mitarbeiter für die „Kampa“ eingerückt – jenen Warroom, aus dem die SPD seit dem Schröder-Wahlkampf 1998 ihre Kampagnen steuert.

Für Seifert, die schon in normalen Zeiten um viertel vor acht ins Büro kommt und oft bis spätabends auf Terminen ist, wird 2017 ein besonders stressiges Jahr. Dennoch will sie versuchen, sich auch im Wahlkampf ab und an Zeit für Familie und Freunde von außerhalb der Politik zu nehmen: „Man kann nicht nur für die Politik und die Partei leben. Sonst wird man verrückt.“

Wir haben der Jungen Elite unsere Titelgeschichte der aktuellen Capital gewidmet: Die Top 40 unter 40 - Deutschlands "Junge Elite": Wie sie denkt - und unser Land verändern will.

Die neue Capital erscheint am 17. November. Hier geht es zum Abo-Shop, wo Sie die Print-Ausgabe bestellen können. Unsere Digital-Ausgabe gibt es bei iTunes, GooglePlay und Amazon


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