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Plötzlich Chef

, Anne Weitzdörfer

Warum es kein Zeichen von Schwäche ist, wenn sich junge Chefs Hilfe von außen holen. Von Anne Weitzdörfer

Ein Mann steht am Ende eines Konferenztisches © Getty Images
Führungsstärke zeigen: Gerade junge Chefs kommen nicht immer mit dieser Rolle zurecht

Anne Weitzdörfer begleitet als Beraterin und Coach seit vielen Jahren Unternehmen und Führungskräfte. Hier schreibt sie jeden Monat über Themen aus der BerufsweltAnne Weitzdörfer begleitet als Beraterin und Coach seit vielen Jahren Unternehmen und Führungskräfte. Hier schreibt sie jeden Monat über Themen aus der Berufswelt

 


Konstantin war ein großer, zurückhaltender Typ Anfang 30, der älteste von drei Söhnen. Dass er einmal den familiären Betrieb übernehmen würde, war lange unausgesprochen klar und wurde formal geregelt, als er noch im Studium war. Es war sein Wunsch, erst einmal ein paar Jahre woanders zu lernen, bevor er in den eigenen Betrieb einsteigen würde. So war es dann auch. Bis zu dem Tag, an dem sein Vater völlig unerwartet an einem Herzinfarkt starb.

Schon ein paar Wochen später trat Konstantin – noch immer in einem dumpfen Schockzustand – die Nachfolge an. Seine ruhige und besonnene Art sowie die langjährige Verbundenheit der Mitarbeiter zu seinem Vater ermöglichten ihm einen irgendwie pragmatischen Einstieg, bei dem man die schwierige Situation gemeinsam meisterte. Seine Trauer und Überforderung verbarg Konstantin, so gut es ging, und machte einfach. So überlebte er die ersten zwei Jahre.

Irgendwann kam die Kritik

Danach kamen die ersten nicht mehr ganz so wohlgesinnten Rückmeldungen: Früher sei „viel mehr Zug drin gewesen“, oder er müsse sich „jetzt mal entscheiden, ob er das Erbe seines Vaters antreten will“. Kurz darauf forderte bei einer Strategieklausur die versammelte zweite Ebene geschlossen mehr Entschiedenheit und Führungsstärke.

Capital 07/2016
Die aktuelle Capital

Für Konstantin war es an der Zeit, die Rolle des geschäftsführenden Gesellschafters mit Leben zu füllen, Profil und Stärke zu zeigen und selbstbewusst voranzugehen. Deutlich leichter gesagt als getan – mit Mitte 30 und mal so eben neben dem operativen Tagesgeschäft.

Statt den Kopf in den Sand zu stecken, hat Konstantin die Kritik sehr ernst genommen und sich professionelle Hilfe geholt. Und dies gegenüber seinen Mitarbeitern auch offen kommuniziert. In den ersten Monaten hat ein alter Freund seines Vaters ihm mit Rat und Tat zur Seite gestanden und ihn im Alltag begleitet. Als das dem Vertrauten des Vaters irgendwann zu viel wurde, hat Konstantin einen erfahrenen Berater dazugeholt, der ihn und seine Führungsmannschaft dabei unterstützt hat, die Firma strategisch und organisatorisch weiterzuentwickeln.

Innerhalb von fünf Jahren hat Konstantin das Unternehmen vollständig umgebaut. Es war für alle Beteiligten eine echte Belastungsprobe. Nicht wenige haben die Firma in dieser Zeit verlassen.

Zu seinem 40. Geburtstag ist Konstantin komplett grau und stolz zugleich: weil er nicht nur das Unternehmen zukunftsfähig aufgestellt hat, sondern dabei seinen ganz eigenen Weg gegangen ist. Ich habe ihn gefragt, was der wichtigste Moment auf diesem Weg für ihn gewesen sei. Konstantins Antwort: zu erkennen, dass es kein Eingeständnis von Schwäche ist, sich Unterstützung zu holen, sondern ein Zeichen von Stärke. Eine Stärke, die ihn genau dahin gebracht hat, wo er heute ist.

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