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Ostdeutschland fehlen nach wie vor die Firmenzentralen

, Capital-Redaktion

Dem Osten entgehen so die hohen Einkommen und Gewerbesteuerzahlungen. Ein Ausweg wäre gewesen, Förderzahlungen an einen Firmensitz im Osten zu koppeln.

Carl Zeiss war eine Jenaer Gründung. Die Firmenzentrale zog aber nach dem 2. Weltkrieg nach Baden-Württemberg. Dort ist sie auch nach dem Mauerfall geblieben. In Jena bleiben Zweigstellen wie die abgebildete im Stadtteil Göschwitz. © Carl Zeiss
Carl Zeiss war eine Jenaer Gründung. Die Firmenzentrale zog aber nach dem 2. Weltkrieg nach Baden-Württemberg. Dort ist sie auch nach dem Mauerfall geblieben. In Jena bleiben Zweigstellen wie die abgebildete im Stadtteil Göschwitz.

Ulrich Blum,Wirtschaftsprofessor der Uni Halle, sieht in der verfehlten Wirtschaftsförderung Ostdeutschlands die Hauptursache für die auch heute noch zu geringe Wirtschaftsleistung in den ostdeutschen Bundesländern. „Bis heute leidet Ostdeutschland daran, keine Headquarter und zu wenige Entwicklungsabteilungen zu haben“, sagte Blum im Interview mit Capital. Im Zuge der deutschen Einheit hätte „die Wirtschaftsförderung etwa an die Vorgabe geknüpft werden sollen, dass die Unternehmen auch ihren Sitz nach Ostdeutschland verlegen müssen“. Da dies nicht erfolgt sei, hätten von den 500 größten Unternehmen lediglich eine Handvoll ihren Sitz im Osten.

Im Zuge dessen sei ein Großteil der Wertschöpfung wie beispielsweise die höheren Gehälter in Firmenzentralen im Westen geblieben, kritisiert der Wirtschaftsforscher im Interview: „Dem Osten entgehen die hohen Einkommen. Die Gewerbesteuer, die sich nach der Lohnsumme richtet, fließt vor allem im Westen; im Osten, wo es die modernen Produktionsanlagen gibt, tröpfelt sie nur spärlich.“ Das werde zwar über den Finanzausgleich korrigiert, führe aber zu Unfrieden.

Auch in den nächsten Jahren erwartet Blum in Ostdeutschland weniger erfolgreiche Unternehmensgründungen: „Der Osten leidet bis heute daran, dass die ganzen begabten jungen Leute nach Westdeutschland oder ins Ausland gegangen sind.“ Diese Generation falle als Nachfolger oder Gründer oft aus. Im Osten müsse sich das Unternehmertum erst wieder langsam bilden. Das lasse sich nicht in einer Generation erledigen.

In der November-Ausgabe von Capital, die am 23. Oktober erscheint, finden Sie einen großen Schwerpunkt zum Thema "Business nach der DDR".


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