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Ölpreis - Konjunkturspritze oder künstlicher Boom?

, Hayek/Keynes

Jahrzehntelang stritten Friedrich August von Hayek und John Maynard Keynes über den Konflikt zwischen Staat und Markt. Diesmal: Die Folgen des niedrigen Ölpreises

Hayek und Keynes © Jindrich Novotny
Streithähne: Friedrich August von Hayek (l.) und John Maynard Keynes

Lieber Hayek,
ich bin ganz beschwingt. Manchmal gibt es auch in der Wirtschaft höhere Gerechtigkeit. Da sperren sich all Ihre Anhänger immer gegen Konjunkturpakete. Und dann kommt unversehens doch eins um die Ecke – und zwar ohne staatliche Einwirkung! Ich spreche vom niedrigen Ölpreis. Wenn ich über die positiven Nachfrageeffekte nachdenke, dann lacht mein Herz! Jetzt kann der Frühling kommen.
In freudiger Erregung,
Ihr John

Sehr geehrter Herr Keynes,
Nachfrage, Nachfrage, Sie wollen doch immer nur das eine. Es mag ja sein, dass dieser Preisverfall in den Verbraucherländern einen kleinen Konsumrausch auslöst. Aber das hat doch nichts mit Stabilität zu tun. Denn bei den Produzenten – also in den Ländern der Angebotsseite – fällt Ihre geliebte Nachfrage stattdessen aus.
Ihr F.A. Hayek

Capital 04/2015
Die neue Capital

Hayek, bitte,
das ist nicht Ihr Ernst! Sie wollen doch nun nicht tatsächlich einen Aufstand machen wegen der Nachfrage in Zwergstaaten wie Kuwait oder Katar? Gemessen an den Effekten für den Rest der Welt ist das nun wirklich zu vernachlässigen. Freuen Sie sich doch einfach mal, dass Sie so preiswert tanken können. Eine kleine Spritztour würde Ihnen ohnehin einmal guttun, statt immer nur vor Ihren Büchern zu hocken.
Ihr John M.

Sehr geehrter Herr Keynes,
Nachfrage ist offenbar bei Ihnen nicht gleich Nachfrage. Aber ich halte ohnehin nicht viel davon, wenn die Menschen dazu animiert werden, ohne Sinn und Verstand ihr Geld auszugeben. Zumal wenn der Grund das Öl ist und damit einer der wohl am meisten manipulierten Preise überhaupt. Man muss sich das klar machen: Ein von autokratischen Regierungen dominiertes Kartell entscheidet, wann wie viel produziert wird. Nein, da kann ich mich über keine Preisschwankung freuen.
Egal in welche Richtung.
Ihr F.A. Hayek

Och Hayek,
jetzt werden Sie schon wieder so grundsätzlich! Da gibt es einmal eine Riesen-Nachfragespritze ohne steigende Staatsverschuldung – aber nein, das ist dem Herrn Hayek dann auch wieder nicht recht. Vielleicht werden Sie ja im Jahresverlauf doch noch von meiner Euphorie angesteckt.
Gez. John M. Keynes
PS: Ich wette mit Ihnen, dass der Ölpreis 2015 unter 60 Dollar bleiben wird.

Sehr geehrter Herr Keynes,
der Euphorie eines künstlichen Booms folgt immer irgendwann der Katzenjammer – und je größer die eine, desto größer fällt auch der andere aus. Wie ich Sie kenne, sind Sie der Erste, der dann ein stattliches Konjunkturprogramm fordert. Und davor graut es mir.
Ihr F.A. Hayek

 

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