• Facebook
  • Twitter
  • Google Plus
  • Interview

"Notenbanken graben immer tiefere Löcher"

, Christian Schütte

Die Notenbanken probieren alles, um die Wirtschaft anzukurbeln. Mervyn King, Ex-Chef der Bank of England, erklärt, warum der Erfolg ausbleibt.

Mervyn King © Getty Images

Mervyn Allister King, 68, führte die britische Notenbank in der Finanzkrise. Der Ökonom war bis 2013 Gouverneur der Bank of England, lehrt heute unter anderem an der London School of Economics und ist Mitglied des Oberhauses. Sein neues Buch („The End of Alchemy“, 2016) wurde als wichtigstes zur Finanzkrise gefeiert.


Capital: Lord King, die globale Wirtschaft kommt nicht aus der Flaute, obwohl die Geldpolitik seit Jahren Vollgas gibt. Haben wir die Macht der Zentralbanken überschätzt?

King: Wir müssen uns klar machen, dass die Geldpolitik unsere gegenwärtigen Probleme nicht lösen kann. Man kann damit nur Zeit kaufen. Aber die tieferliegenden Ungleichgewichte in den Industrieländern lassen sich mit monetären Mitteln nicht beseitigen. Die Struktur der Ausgaben muss sich verändern.

Wer müsste etwas tun? Und was?

Deutschland und China müssten weniger exportieren und mehr im Inland verbrauchen. In den USA und in Großbritannien wäre das Gegenteil nötig. Unglücklicherweise sind dazu Maßnahmen nötig, die Zentralbanken nicht liefern können. Ja, die Geldpolitik führt uns sogar in die entgegengesetzte Richtung.

Sie hält die Wirtschaft doch zumindest einigermaßen in Gang.

Wenn man die Zinsen senkt, damit die Leute Ausgaben von morgen auf heute vorziehen, dann passiert das Gegenteil von dem, was langfristig für die Anpassung nötig ist. Wir haben gleichsam ein Loch in die Ausgaben von morgen gegraben. Als das dann spürbar wurde, mussten wir die Zinsen erneut senken, damit erneut Ausgaben aus der Zukunft vorgezogen werden. Ein noch tieferes Loch wurde gegraben. So wird es schwerer und schwerer, mit Zinssenkungen die Wirtschaft anzutreiben. Es geht den Zentralbanken wie einem Radfahrer, der einen Berg hinaufstrampelt, der steiler und steiler wird. Inzwischen sind wir an einem Punkt, an dem wir praktisch gar nicht mehr vorankommen.

Manche Ökonomen raten, die Zinsen ins Minus zu drücken. Wenn die Geldhaltung etwas kostet, wird wieder mehr ausgegeben.

Nehmen wir an, der Zins läge bei minus zehn Prozent. Das wäre dann nichts anderes als eine Vermögensteuer von zehn Prozent auf Geldanlagen. Wenn Sie das heute ankündigen, wird mancher vielleicht sein Geld schnell ausgeben. Aber viele andere könnten sagen: Ach du liebe Güte, was macht der Staat da? Was passiert nächstes Jahr? Sie würden dann so viel wie möglich sparen, um sich für eine risikoreiche Zukunft zu wappnen. Die Idee, dass man nur den Zins weiter senken muss, halte ich für logisch falsch.

"Negativzins ist eine Vermögensteuer für Sparer"

Sie teilen also die Kritik aus Deutschland an der Politik von EZB-Präsident Mario Draghi?

Ich will nichts zu Personen sagen. Aber es stimmt, dass ein Negativzins eine Vermögensteuer für Sparer ist. Und wir sind an dem Punkt, wo das nichts Gutes mehr bewirkt.

Die EZB-Politik hat zumindest den Euro-Kurs geschwächt, was den europäischen Exporteuren hilft.

Auch beim Wechselkurs haben ihre Ankündigungen zuletzt nichts mehr bewirkt. Das Problem ist, dass es keine Euro-Regierung gibt, die das tut, was nötig wäre, damit die EZB in einem Aufschwung wieder langsam die Zinsen erhöhen könnte. Solange die nationalen Regierungen nicht handeln, wird es für die EZB sehr schwierig bleiben.

Fast alle Notenbanken versuchen gerade, ihre Währung abzuwerten. Droht uns ein Währungskrieg?

Ich glaube, wir haben ihn bereits. Die meisten Länder können ja heute sagen: Wenn die anderen normal wachsen würden, wäre auch bei uns alles gut. Aber die anderen wachsen nicht normal, deshalb ist es auch bei uns nicht gut. Was bleibt dann? Wenn sie keine strukturellen Reformen machen wollen, können sie nur noch ihren Wechselkurs drücken.

Manche Ökonomen sagen, dass diese Politik trotzdem hilfreich ist. Auch die berüchtigten „Währungskriege“ der 1930er-Jahre seien kein reines Nullsummenspiel gewesen, sondern hätten eine weltweit expansivere Geldpolitik ermöglicht.

Als man in den 30er-Jahren den Goldstandard aufgab, wurde dadurch eine Lockerung der Geldpolitik erst möglich. Aber heute ist die Geldpolitik schon so locker, wie es nur geht. Man müsste argumentieren, dass der Schritt von Null- zu Minuszinsen expansiv wirkt, aber das ist sehr fraglich.

[Seitenwechsel]

"Wir haben Stabilität mit Nachhaltigkeit verwechselt"

Wer ist eigentlich schuld an dieser Dauerkrise? Liegt das nicht alles an der Gier einiger verrückter Banker?

Nein. Ein Kernproblem allen Wirtschaftens ist, dass die Zukunft nie ganz vorhersehbar ist. Wir müssen das akzeptieren. Ich nenne das unsere „radikale Ungewissheit“. Sie hat zur Folge, dass auch sehr rationale und ehrenwerte Menschen Entscheidungen treffen, die sie im Nachhinein als falsch ansehen; dass Menschen Fehler machen, obwohl sie sich jede Mühe geben, in ihrer Welt ordentlich klarzukommen.

Welche Fehler haben uns dann in die große Finanzkrise geführt?

Die große Stabilität, die wir seit Anfang der 90er-Jahre hatten, führte in die Irre. Wachstum, Beschäftigung, Inflation – das alles war ja vor der Krise stabil. Wir haben diese Stabilität damals mit Nachhaltigkeit verwechselt. Die Struktur der Ausgaben war nicht nachhaltig, nicht dauerhaft aufrechtzuerhalten.

Es gab durchaus laute Warnungen.

Ja. Aber dann hatte niemand einen Anreiz, allein für sich etwas zu korrigieren. So haben alle nur gewartet bis der Crash schließlich kam. Wir haben das auch in der Bank of England viel diskutiert: Wir hätten im Alleingang eine Rezession bei uns einleiten können, aber das hätte an den großen Ungleichgewichten wenig geändert. Bei den internationalen Meetings wurde übrigens meist mit dem Sturz des Dollar gerechnet, nicht mit einem Bankenkollaps. Letztlich fehlte es an Leadership, an einem, der die Führung zu kollektivem Handeln übernimmt.

Ihr neues Buch heißt: „Das Ende der Alchemie“. Ist unsere Geldwirtschaft nur ein fauler Zauber?

Weder Papiergeld noch elektronisches Geld haben für sich genommen einen Wert. Ihr Wert hängt allein vom Vertrauen in den Emittenten ab. Auch bei Banken ist das so: Die Kunden haben zwar das Recht, ihr Geld jederzeit abzuheben. Aber wenn das alle gleichzeitig wollen, ist es unmöglich, denn die Bank hat das Geld langfristig verliehen. Die Alchemie besteht also darin, dass kurzfristig mobilisierbares und sicheres Vermögen in langfristig gebundenes, riskantes Vermögen verwandelt wird. Das geht nicht – außer mit einem Zauberstab. In der Praxis läuft es so, dass es lange Zeit gut geht und irgendwann schiefläuft. Dann sind die Folgen katastrophal und der Staat muss retten.

Wie können wir dieses System dann endlich sicherer machen?

In der Geldpolitik ist schon viel erreicht. Zentralbanken sind heute unabhängig und der Preisstabilität verpflichtet. Die Krise lehrt, dass sie auch auf gesamtwirtschaftliche Schieflagen schauen müssen. Bei den Banken ist es schwieriger. Ich glaube, die Regulierung ist zu kompliziert und zu ehrgeizig geworden. Die Regulierer meinen, sie wüssten genug, um exakt vorzuschreiben, welches Risiko wie zu gewichten und mit Kapital abzusichern ist. Das wird scheitern, denn Krisen entstehen fast ex definitione immer, wenn völlig Unvorhergesehenes passiert.

"Pfandhaus für alle Fälle"

Sind wir also gegenüber „radikaler Ungewissheit“ völlig hilflos?

Wir brauchen etwas, das viel einfacher ist und das System widerstandsfähig gegen unvorhersehbare Schocks macht. Dazu gehört zum einen, dass die Banken genug Eigenkapital gemessen an ihrer Bilanzsumme haben. Eigenkapital ist ein automatischer Puffer bei Verlusten, er wirkt völlig ohne dass Behörden tätig werden. Wir sollten nachdrücklich dafür sorgen, dass es gestärkt wird. Ich schlage außerdem vor, dass die Zentralbank zu einer Art „Pfandhaus für alle Fälle“ wird.

Bisher ist sie „Lender of Last Resort“, also „Kreditgeber in der Not“. Was meinen Sie mit „Pfandhaus“?

Als die Banken in der Krise von der Zentralbank Geld leihen wollten, konnten sie oft nicht genug Sicherheiten vorlegen. Weil das dann weitere Institute bedrohte, war die Zentralbank erpressbar, sie musste einfach helfen. Wir sollten den Banken also sagen: In der Krise werden wir Euch helfen, aber Ihr müsst vorher eine Art Pflichtversicherung abschließen. Ihr müsst der Zentralbank schon in normalen Zeiten regelmäßig so hohe Sicherheiten vorlegen, dass gewährleistet ist, dass im Notfall alle Einlagen ausgezahlt werden könnten. Für Bank Runs gäbe es dann keinen Grund mehr.

Viele zweifeln heute am Nutzen all der Riesenbanken. Wie groß muss ein Bankensystem überhaupt sein?

Gute Frage. Es gibt darauf keine einfache Antwort. Letztlich sollte das ein unverzerrter Markt entscheiden. Natürlich brauchen wir Banken für den Zahlungsverkehr. Fraglich ist schon, ob all die komplexen Derivate nötig waren. Vor der Krise waren die Gewinne im Investmentbanking aufgebläht, weil die Asset-Preise generell stiegen. Das wiederum war die Folge des langen Trends fallender Zinsen. Heute können die Zinsen nicht weiter sinken, fallende Asset-Preise sind also wahrscheinlicher als ein weiterer Anstieg. Sinkt der Gewinn im Investmentbanking, dann ziehen die Banken dort Ressourcen ab. Seit der Krise sehen wir das schon: Der Markt lässt die Bilanzsummen schrumpfen.

Kehren wir noch einmal zum Problem der großen Stagnation zurück. Ökonomen wie Lawrence Summers fordern ein kräftiges Deficit Spending für hohe staatliche Investitionen. Könnte das helfen?

Es kann kurzfristig vielleicht ein wenig helfen, aber es führt nicht in die richtige Richtung. Wir sind durch zu hohe Ausgaben, zu viele Kredite und zu hohe Schulden in diese Krise geraten. Und der Ausweg soll sein: Noch höhere Ausgaben, Kredite, Schulden? Das mag kurzfristig funktionieren, aber es kann einfach langfristig nicht richtig sind. Wir müssen die Richtung wechseln, um die Ungleichgewichte abzubauen.

Gilt das auch für Deutschland? Hier sind die Staatsfinanzen doch vergleichsweise solide.

Das Hauptproblem ist, dass Deutschland diesen enormen Leistungsbilanzüberschuss hat. Acht Prozent des BIP. Das liegt daran, dass der Wechselkurs für Deutschland effektiv unterbewertet ist. Deutschland braucht höhere Zinsen und einen höheren Wechselkurs. Das würde viele Probleme lösen, der deutsche Konsum könnte steigen. Aber die Währungsunion macht das unmöglich. Der hohe Leistungsbilanzüberschuss bedeutet, dass Forderungen gegenüber dem Ausland entstehen. Die Wahrscheinlichkeit ist allerdings groß, dass dieses Vermögen am Ende verloren gehen wird. Wenn Südeuropa seine Kredite nicht zurückzahlen kann, dann muss der Gläubiger Deutschland sie abschreiben, um die Probleme zu lösen. Die Zukunft der Währungsunion ist das größte Problem, um das sich die Deutschen Sorgen machen sollten.

[Seitenwechsel]

Ein Euro-Finanzminister hat keinerlei demokratische Legitimation

Eine grundlegende Reform des Euro ist derzeit nicht durchsetzbar.

Ja, aber das hat Folgen. Ich habe schon im Herbst 2010 vorausgesagt, dass wir einen Aufschwung extremer Parteien erleben werden, wenn es keine grundlegenden Änderungen in der Währungsunion gibt. Und das wird auch so weitergehen, wenn die Mainstream-Parteien keinen Ausweg aus der Falle finden, in der die Eurozone steckt. Schauen Sie sich die Vorschläge der drei großen europäischen Notenbankpräsidenten an. Mario Draghi, Jens Weidmann und der französische Notenbankpräsident sagen, dass die Eurozone einen gemeinsamen Finanzminister brauche. Aber diese Empfehlung hat keinerlei demokratische Legitimation. Darauf hat auch Otmar Issing, der frühere Chefvolkswirt der EZB, hingewiesen. Es ist eine sehr gefährliche Entwicklung, wenn die Zukunft der Eurozone darin gesehen wird, einen immer weiter wachsenden bürokratischen Apparat ohne demokratische Unterstützung aufzubauen.

Bisher hat die Strategie des Durchwurstelns funktioniert.

Man kann natürlich nicht beweisen, dass die Eurozone scheitern wird. Es ist immer möglich, dass plötzlich eine Lösung auftaucht. Aber derzeit ist es so, dass das Problem immer größer wird. Der Preis dafür ist, dass es in der Eurozone nur ein sehr schwaches Wachstum gibt. Hohe Arbeitslosigkeit und anhaltende Abwanderung von talentierten jungen Menschen aus der Peripherie. Das ist ein Preis, den die Leute nicht vergessen werden.

Wird die Währungsunion also letztlich scheitern?

Das ist schwer vorherzusagen. Ich schließe nicht aus, dass die Europäer eines Tages für eine politische Union stimmen werden. Das bedeutet aber auch, dass es dann Transfers von Ländern wie Deutschland und den Niederlanden nach Südeuropa geben muss. Über das Ausmaß dieser Transfers muss dann eine zentrale Stelle entscheiden. Das scheint mir doch noch sehr weit in der Zukunft zu liegen. Es ist eine mögliche Lösung, aber man muss den deutschen Wählern dann auch bewusst machen, um was es geht. Heute erzählt man ihnen etwas Anderes.

Sollte Deutschland vielleicht aus dem Euro austreten?

Das wäre die einfachste Lösung. Selbst wenn es nur vorübergehend sein sollte.

"Helikkoptergeld dasselbe wie eine Steuersenkung"

In der Diskussion um die Notenbankpolitik schlagen einige Ökonomen inzwischen vor, es mit der Strategie des sogenannten „Helikopter-Gelds“ zu versuchen. Ein interessanter Vorschlag?

Ich glaube, dass diese Debatte in die Irre führt. Betrachten wir zwei Szenarien. Nehmen wir einmal an, die Notenbank druckt Geld und gibt es den Bürgern. Das ist wohl mit Helikoptergeld gemeint. Das ist aber logisch genau dasselbe als wenn die Zentralbank Staatsanleihen kauft und der Staat das auf diese Weise eingenommene Geld an die Bürger auszahlt. Es ist dann dasselbe wie eine Steuersenkung. Im Rahmen des Quantitative Easing kauft die Zentralbank bereits Staatsanleihen. Ich sehe hier also nicht viel Neues. Entweder will man darauf hinaus, dass die Fiskalpolitik expansiver werden soll. Oder es geht darum, dass die Regierung - und nicht die Notenbank - bestimmen sollte, wie viel Geld gedruckt wird.

Sie fürchten, dass die Inflation dann außer Kontrolle geraten kann?

Die Lehre aus der Geschichte ist ziemlich klar. Wenn die Regierung bestimmt, wie viel Geld gedruckt wird, dann können wir schnell bei Hyperinflation landen. Aber es ist wirklich unklar, was die Verfechter von Helikopter-Geld sich eigentlich davon versprechen. Es ist dieselbe Logik, die sagt: Wenn wir nur die Zinsen immer weiter senken, dann werden die Leute mehr Geld ausgeben. Das ist aber nicht notwendigerweise so. Die Leute könnten auch sagen: Was ist eigentlich los hier? Was hat die Regierung vor? Und dann vermehrt sparen.

Wenn alles einfach so weiterläuft, steuern wir dann schon wieder auf eine neue Finanzkrise zu?

Das Schlusskapitel meines Buchs heißt: "The Audacity of Pessimism" (Pessimismus wagen). Gemeint ist, dass der Pessimist vielleicht den Mut findet, das Notwendige zu tun, bevor die nächste Krise kommt. Ob das so sein wird, weiß ich nicht. Ich glaube nicht, dass die nächste Krise eine des amerikanischen oder britischen Bankensystems sein wird. Es könnte auch eine des chinesischen Bankensystems sein. Es gibt Emerging Markets, die zu viele Dollarkredite aufnehmen. In der Euro-Zone gibt es genügend Möglichkeiten für eine neue Krise, entweder bei den Banken oder den Staatsanleihen. Aber das Wahrscheinlichere ist, dass weltweit ganz verschiedene Schuldner ihre Schulden nicht mehr bedienen. Griechische Banken, chinesische Staatsunternehmen etc. Wenn eine solche Welle von Pleiten entsteht, dann werden die gesamten Beziehungen zwischen Gläubigern und Schuldnern ins Blickfeld geraten. Und viele Gläubigerländer - wie etwa Deutschland - könnten feststellen, dass ihr Vermögen sehr viel weniger wert ist als sie bisher dachten.

In Ihrem Buch erklären Sie, dass die wirtschaftlichen Akteure ihre Entscheidungen immer vor dem Hintergrund eines größeren Narrativs treffen. Derzeit heißt dieses Narrativ: Weltweite Krise. Wie müsste ein neues, besseres Narrativ aussehen?

Es müsste damit anfangen, dass wir sagen: Es gibt keinen Grund für dauerhafte Stagnation. Der Grund, dass wir derzeit feststecken ist, dass die meisten großen Volkswirtschaften einen Mismatch zwischen Ausgaben und Ersparnis haben. Deshalb stecken die Zinsen auf sehr niedrigem Niveau fest. Würden wir die richtigen strukturellen Reformen umsetzen, die Ausgabensalden verändern und eine Bewegung der Wechselkurse zulassen, dann könnten wir auf einen Pfad zurückkehren, der uns für ziemlich lange Zeit ein recht hohes Wachstum erlauben würde. Denn das Produktivitätswachstum kann auch in Zukunft so hoch sein wie in der Vergangenheit. Und es gibt noch immer eine Lücke zwischen unserer gegenwärtigen Wirtschaftsleistung und der, die wir ohne die Krise erreicht hätten. Wir wissen eigentlich, wie wir ein hohes Wachstum bei stabilen Preisen und einem stabilen Finanzsystem erreichen könnten. Die Frage ist nicht, ob wir das können. Sondern ob wir die Energie und den Willen aufbringen, dafür das Notwendige zu tun.

Das Interview mit Mervyn King ist einer gekürzten Fassung zuerst in Capital 6/2016 erschienen.


Artikel zum Thema
Autor
  • Crashkurs
Das Ende des Bargelds?

Der 500-Euro-Schein wird abgeschafft, um die Rolle des Bargelds entbrennt heftiger Streit. Das sind die fünf besten Bücher zum Thema.MEHR

  • Elite-Panel
Entscheider wenden sich von Draghi ab

Eine Mehrheit der Führungselite sieht den Kurs des EZB-Chefs kritisch. Nach dem Brexit-Votum wächst die Sorge um den Zustand Europas.MEHR

LESERKOMMENTARE

 

Kommentare Einblenden

Datenschutz

Die Kommentarfunktion "Disqus" wird von der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Moderation

Die Kommentare werden von Capital moderiert. Das heißt, Kommentare werden von der Redaktion freigeschaltet. Kritik und auch in der Sache harte Diskussionen sind willkommen, Beleidigungen werden wir dagegen nicht zulassen. Näheres hierzu finden Sie in unserer Netiquette.