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Neuer Anlauf für deutschen LNG-Hafen

, Marina Zapf

Niedersachsen will das Flüssiggas-Projekt in Wilhelmshaven neu anschieben. Mit einer abgespeckten Version des Terminals  will Wirtschaftsminister Olaf Lies Investoren für das Projekt anlocken

LNG-Tanker © JoachimKohlerBremen
Tanker transportieren das Flüssiggas. Bislang hat Deutschland keinen LNG-Hafen
Jahrzehnte nach den ersten Plänen unternimmt das Land Niedersachsen einen neuen Anlauf für den Bau eines Flüssiggasterminals in Wilhelmshaven. Die Landesregierung arbeite an einer abgespeckten Variante der ursprünglich geplanten Anlage, sagte Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) Capital. So solle das Projekt für Investoren attraktiver werden.
Der Neustart ist eine Folge des Konflikts zwischen Russland und der Ukraine und könnte die Abhängigkeit Deutschlands von russischem Gas reduzieren. Trotz ausgiebiger Vorarbeiten hatte der Energiekonzern Eon die Pläne für ein deutsches Flüssiggasterminal im Jahr 2008 gestoppt, weil er bei geschätzten Investitionskosten von bis zu 1,5 Mrd. Euro keine wirtschaftliche Perspektive für das Projekt sah. Derzeit decken Importe aus Russland knapp 40 Prozent des deutschen Gasbedarfs. Als Reaktion auf die russisch-ukrainischen Gaskonflikte haben zuletzt auch Staaten wie ­Polen und Litauen den Bau eigener Terminals für Flüssiggas (LNG) begonnen. Sie ­sollen bald in Betrieb gehen. Dabei wird das Gas in den Förderstaaten verflüssigt und dann per Schiff zu den Abnehmern transportiert.
Auch die Bundesregierung hält ein LNG-Terminal grundsätzlich für sinnvoll, hofft aber auf private Investoren. Hier setzt die Initiative Niedersachsens an: Um die Baukosten zu reduzieren, könnte das Flüssiggas nicht an Land, sondern an Bord der Spezialtanker regasifiziert werden, sagte Lies. „Wir sind in engen Gesprächen, das Terminal eher in einer reduzierten Form zu machen, die aber auch den Gastransfer möglich macht“, sagte Lies. „Ich könnte mir vorstellen, dass die Investitionen dann vielleicht bei einem Zehntel liegen“, so der Wirtschaftsminister.
Vor allem in Asien wächst bereits die Nachfrage nach Flüssiggas. In Europa führt es eher ein Nischendasein, weil die Versorgung mit Pipelines gut funktioniert. Nur Spanien und Großbritannien führen nennenswerte Mengen ein. Überdies war LNG lange teurer als Gas aus der Röhre. Jetzt aber würden die Preise sinken und Flüssiggas damit attraktiver, sagte Lies. Zudem drängen neue Lieferanten auf den Markt: Die wichtigsten Exporteure sind heute Katar, Malaysia und Australien. Allerdings könnten mittelfristig auch die USA und der Iran in das Exportgeschäft einsteigen.

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