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Mit kleinen Schritten zum Ziel

, Anne Weitzdörfer

Bleiben oder gehen? Komplexe Entscheidungen verlieren ihren Schrecken, wenn man sie in kleine Schritte zerlegt. Von Anne Weitzdörfer

Ein Mann steht vor einem Fenster
Manchmal steht man hilflos vor komplexen Entscheidungen - Foto: Getty Images

Anne Weitzdörfer begleitet als Beraterin und Coach seit vielen Jahren Unternehmen und Führungskräfte. Hier schreibt sie jeden Monat über Themen aus der BerufsweltAnne Weitzdörfer begleitet als Beraterin und Coach seit vielen Jahren Unternehmen und Führungskräfte. Hier schreibt sie jeden Monat über Themen aus der Berufswelt

 


Als Mark die neue Position angeboten wurde, war es eine tolle Herausforderung. Nach Jahren als Abteilungsleiter sollte er in seiner Unternehmensgruppe eine zugekaufte Beteiligung integrieren. Er war stolz und voller Tatendrang. Und jetzt? Drei Jahre später fordern ihn nur noch die Ränkespiele, die er von Tag zu Tag schlechter erträgt.

Und obwohl er ihn mittlerweile fast gewaltsam verdrängt, befindet sich wenige Tage später wieder ein Elefant im Raum: das Wissen, unbarmherzig und klar, dass er in dieser Jobkonstellation nicht bleiben kann, wenn er sich selbst treu bleiben will. Jedes Mal gefolgt von einer bleiernen Müdigkeit bei der Vorstellung, welch eine Kette von Aktivitäten ein Wechsel mit sich bringt. Bleiben oder gehen ist eine große Entscheidung. Manchmal ein bisschen zu groß und zu komplex. Sie besteht einfach aus zu vielen Einzelfragen.

Gefühl der Hilflosigkeit

Was wäre ein adäquater nächster Schritt? Kann ich mich hier noch entwickeln? Vielleicht besser doch zur Konkurrenz gehen? Aber jetzt in die Provinz umziehen, wo die Kinder doch gerade auf der weiterführenden Schule angekommen sind? Also doch lieber hierbleiben? In dem sicheren Gefühl, dass sich in den kommenden Jahren an der Lage nichts ändern wird? Bei Mark wird es dann irgendwie dumpf und grau im Kopf.

Capital 09/2015
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Ich glaube, jeder von uns kennt das Gefühl der Hilflosigkeit, wenn man sich an ausufernden persönlichen Fragen festgebissen hat. Wenn eine Entscheidung so komplex wird, dass sie unlösbar scheint. Da ist Verdrängen naheliegend. Und auch wenn Sie und ich wissen, dass es keine einfache Lösung gibt, werfe ich jetzt mal eine These in den Raum: Wenn wir nicht versuchen würden, das ganze komplexe mathematische Modell mit seinen 27 Variablen auf einmal zu lösen, wäre es deutlich weniger schwer. Was, wenn wir es für den Moment mit Beppo, dem Straßenkehrer aus dem Kinderbuch „Momo“, hielten, der sagt, dass auch die größte und längste Straße immer mit dem nächsten Besenstrich beginnt?

Sollten Sie zu den Glücklichen gehören, die sich wohl in Ihrem Job fühlen, dann lehnen Sie sich entspannt zurück. Wenn Sie Ihr Büro jedoch schon länger mit einem missmutigen Dickhäuter teilen, dann überlegen Sie sich für jede Woche ein kleines und vor allem erreichbares Ziel. Eins, das Ihnen Distanz zum Alltag und neuen Antrieb gibt: das Thema in Ruhe zu Hause besprechen; die fünf wichtigsten Dinge sammeln, die ein neuer Job haben müsste, um wirklich interessant zu sein. Und so weiter. Besenstrich für Besenstrich.

Klingt sehr langwierig. Und das kann es auch sein. Aber es ist sicher besser, als genauso lange antriebslos die endlos lange Straße hinabzublicken. Und es klingt zwar nur nach einem schwachen Trost, aber es ist tatsächlich einer: Wenn Sie erst mal angefangen haben, können Sie jederzeit zurückschauen auf das, was Sie schon geschafft haben.

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