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Michael Reschke - der Fussball-Mentor

, Martin Kaelble

Auch im Fußball kann ein gutes Netzwerk entscheidend für den weiteren Karriereverlauf sein. Bayern-Transferchef Michael Reschke erklärt im Interview, wie wichtig Mentoren sind, und warum er selbst gerne einer ist. 

Michael Reschke, Technischer Direktor des FC Bayern München © imago
Michael Reschke, Technischer Direktor des FC Bayern München

Michael Reschke, 58, fädelt als Technischer Direktor des FC Bayern München Transfers ein und hat etwa Douglas Costa zum Verein gelotst. 


Capital: Wie wichtig sind Netzwerke und Mentoren im Fußball-Geschäft?

Michael Reschke: Wichtig. Wenn man selbst seriöse Informationen gibt, erhält man in der Regel auch seriöse Informationen. Daraus entwickeln sich dann vertrauensvolle Beziehungen.

Sie waren Mentor für den heute sehr erfolgreichen Fußballbundesliga-Manager Jonas Boldt bei Ihrem Konkurrenzverein Bayer Leverkusen. Wie wichtig sind solche besonderen Beziehungen?

Ich betrachte es als Herausforderung und glücklichen Umstand, dass ich schon mehrfach sehr kompetente junge Wegbegleiter an meiner Seite hatte, die ich im beruflichen Werdegang mit fördern und formen konnte. Jonas Boldt war dabei ganz speziell.

In seiner Vielseitigkeit und Ausgangskompetenz war er schon als junger Mann etwas besonderes: lernbesessen, immer bestrebt sich weiterzuentwickeln, immer in Lösungen denkend. Leute, die immer die Rolle des Chefbedenkenträgers einnehmen, behindern oftmals nur Entwicklungen. Ich arbeite gerne mit Partnern, die in Lösungen denken. Jonas ist genau so ein Typ.

Capital 04/2016
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Haben Sie ihn entdeckt, oder hat er Sie gefunden?

Jens-Uwe Boldt, sein Vater, den ich gut kenne, hatte sich um ein Bayer 04-Praktikum für Jonas bemüht. Ich war gerade in der Übergangsphase vom Nachwuchsleiter zum Manager in Leverkusen und habe dies gerne zugesagt. Nach einer Woche war dann bereits klar: Jonas ist ein Rohdiamant.

Was macht so Spaß an der Rolle des Mentors?

Mentor sein, ist wie ein spezielles Lustempfinden. Es bereichert, junge Menschen, die hohe Ziele anstreben, zu begleiten. Es bereitet Freude, Erfahrungen weiterzugeben, reflektierender Dialogpartner zu sein, mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Ich hatte das Glück, schon einigen spannenden, interessanten, jungen Menschen meine Erfahrung weitergeben zu können und Sie begleiten zu dürfen. Dafür bin ich sehr dankbar.

 

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Hatten Sie selber Mentoren, von denen Sie profitiert haben?

Ja, ich hatte selber großes Glück. Reiner Calmund war gewiss mein prägendster, wichtigster Wegbegleiter. Er hat mir ungemein geholfen und wichtige Türen geöffnet. Auch Herman-Josef Fuß (Jugendtrainer), Jürgen von Einem (ehemaliger Sportbeauftragter der Bayer AG) - ein äußerst intelligenter, mit spitzer Zunge kämpfender Dialogpartner. Außerdem Georg Bönisch (Spiegel-Redakteur), dem ich speziell im persönlichen Bereich viel zu verdanken habe. Diese Personen waren sehr prägend für mich. Vier Wegbeleiter, die ein paar Jahre weiter waren, von denen ich lernen konnte, die ich an meiner Seite wusste und mit denen ich erlebte Zeit sehr genossen habe. Zudem habe ich mit Jörg Voigt und Bert Pütz zwei sehr enge Freunde, auf die ich mich immer verlassen konnte und die oftmals auch als Mentoren fungiert haben.

Wie sehr geht es dabei darum, Türen geöffnet zu bekommen und von den Kontakten des Mentors zu profitieren?

Wichtig ist, Vertrauen zu schenken und geschenktes Vertrauen zurückzugeben. Das ist Lebensqualität. Ich habe bittere Enttäuschungen erlebt und trotzdem wieder vertraut. Dies war für mich ganz wichtig. Fußball ist ja ein extrem resultatorientiertes Tagesgeschäft. Gerade da ist es wichtig, sich nicht von jedem Stimmungswechsel mitreißen zu lassen, sondern Kante zu zeigen. Wenn man Überzeugungen besitzt, die belegbar begründet sind, müssen die auch Niederlagen und Rückschlägen standhalten.

Hat sich nun, wo Sie beim FC Bayern sind und Jonas Boldt ihr Nachfolger bei Bayer Leverkusen ist, das Verhältnis zu Ihrem einstigen Ziehsohn verändert?

Wir fahren mit einer tollen Männertruppe zusammen in den Skiurlaub. Da wird dann viel geflachst. Aber wir sprechen dann kaum über Bayer 04. Das Thema ist nahezu tabu. Ich bin heute nicht mehr sein Mentor. Gewiss noch ein wichtiger Vertrauter, ein Freund. Aber die Rollen haben sich geändert. Er steht ja schon länger auf seinen eigenen Füßen.

Sind Sie nun also in einer neuen Rolle?

Mentorenrollen ändern sich, und das ist gut so. Herrlich, wenn man schon reichlich eigene Erfahrung besitzt und dann selbst noch einen neuen Mentor hinzubekommt. Beim FC Bayern habe ich das Glück, regelmäßig mit Uli Hoeneß zu frühstücken und mich auszutauschen. Mit ihm habe ich einen neuen, ungemein wichtigen, extrem unterstützenden Mentor erhalten. Da genieße ich ganz egoistisch das Profitieren!

Und haben Sie denn beim FC Bayern nun auch wieder jemand, für den Sie Mentor sind?

Ich habe mit Marco Neppe einen jungen Scout von Bayer 04 mit zum FC Bayern gebracht. Er ist schon jetzt eine ganz wichtige Größe im sportlichen Bereich beim FCB. Durch seine klaren Spieleranalysen, seine Vielseitigkeit und seine extreme Arbeitsbesessenheit wird er schon in Kürze in Europa zu den Topexperten im Scouting zählen. Ihn zu begleiten, beflügelt mich jeden Tag.

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