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Men of Steel

, Claus Hecking

Die Wirtschaft ist voller Fehden, Kämpfe und Skandale. Capital erinnert an die besten. Diesmal: Mittal schluckt Arcelor

Arcelor übernimmt Mittal © Foto: Rainer Weisflog; Illustration: Jindrich Novotny

Für einen Milliardendeal ist Lakshmi Mittal immer zu haben. Gerade kauft der Chef des weltgrößten Stahlkonzerns ArcelorMittal wieder mal ein. Gemeinsam mit einem japanischen Partner übernimmt ArcelorMittal ein Stahlwerk von ThyssenKrupp in den USA. Kaufpreis: 1,55 Mrd. Dollar. Peanuts gegen den größten Coup des Inders vor acht Jahren: seinen Sieg in der Übernahmeschlacht um Arcelor, den Konkurrenten aus Europa.

Anfangs gibt sich Mittal noch ganz friedlich. Am 13. Januar 2006 lädt er Arcelor-Chef Guy Dollé zum Dinner, versucht, ihm eine Fusion der beiden weltgrößten Stahlkonzerne schmackhaft zu machen. Doch als Dollé ablehnt, zieht Mittal andere Saiten auf. Zwei Wochen später tritt er in London vor die Weltpresse. Und bietet den Arcelor-Aktionären 18,6 Mrd. Euro für ihre Anteile.

Die neue Capital
Der Text stammt aus der neuen Capital

Es klingt nach Zeitenwende.­ Mittal, der Emporkömmling aus dem vermeintlichen Entwicklungsland Indien, attackiert Arcelor: den europäischen Vorzeigekonzern, zusammengeschweißt aus traditionsreichen Stahlbetrieben Frankreichs, Spaniens, Belgiens und Luxemburgs.

Dessen Premier Jean-Claude Juncker will sich das nicht bieten lassen. Er kündigt ein Bündnis europäischer Regierungen gegen das feindliche Übernahmeangebot an. Lässt Kontakte spielen, macht gemeinsam mit Dollé Stimmung gegen Mittal. Aber der Inder kämpft. Er tourt durch Europa, mit seinem Sohn und potenziellen Nachfolger Aditya. Bezirzt die Arcelor-Aktionäre, verbündet sich mit einflussreichen Investmentbankern. Und stockt am 3. April seine Offerte auf 25,8 Mrd. Euro auf.

Der Arcelor-Vorstand kontert, bringt den Russen Alexej Mordaschow als Retter. Doch der Oligarch verschreckt die Investoren, indem er Zukäufe ankündigt und sich selbst als Chef ins Gespräch bringt. Mittal bessert noch einmal nach. Am 25. Juni entscheidet sich der Arcelor-Aufsichtsrat für ihn. Es ist die Geburtsstunde von ArcelorMittal, einem Giganten mit damals mehr als 105 Mrd. Euro Umsatz.

Seither geht es bergab. Die Stahlnachfrage und mit ihr ArcelorMittals Umsätze sind seit der Krise eingebrochen, 2012 hat der Riese fast 4 Mrd. Dollar Verlust geschrieben. Lakshmi Mittals Vermögen ist laut „Forbes“ seit 2008 von 69,1 auf 16 Mrd. Dollar geschrumpft. Arcelor war ein teurer Spaß für den 63-Jährigen. Aber das hielt ihn nicht vom nächsten Deal ab.

Hauptperson

Lakshmi Mittal wird 1950 in ärmlichen Verhältnissen in Rajasthan geboren. Der Inder erlebt den Aufstieg seines Vaters zum Stahlfabrikanten und baut als 26-Jähriger in Indonesien das erste Auslandswerk auf. Ende der 1980er-Jahre beginnt er, marode Stahlwerke überall auf der Erde aufzukaufen und zu sanieren. Durch den Kauf der International Steel Group in den USA 2004 und die Fusion mit Arcelor wird Mittals Konglomerat zum Weltmarktführer. Obwohl der Konzern unter Milliardenschulden leidet, ist der Expansionshunger des Chefs nicht gestillt – wie Mittal immer wieder mit spektakulären Zukäufen beweist.

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