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  • Interview

Martin Richenhagen über seine erste Million

, Sabine Muscat

Martin Richenhagen ist einer der wenigen deutschen CEOs in den USA. Die erste Million hatte er 1999 auf dem Konto.

Martin Richenhagen
Martin Richenhagen ist CEO des Agrarmaschinenhersteller Agco

Martin Richenhagen, 63, leitet seit 2004 den amerikanischen Agrarmaschinenhersteller Agco und ist einer von nur zwei Deutschen an der Spitze eines „Fortune 500“-Unternehmens. Agco hat seinen Hauptsitz in Duluth im US-Staat Georgia und erwirtschaftete 2013 einen Jahresumsatz von fast 11 Mrd. Dollar.


Capital: Herr Richenhagen, Sie waren mal Oberstudienrat. Dann soll Ihnen der spätere BDI-Chef Jürgen Thumann zum Wechsel in die Industrie geraten haben. Wie das?

Richenhagen: Ich unterrichtete damals Französisch, Katholische Religion und Philosophie am Gymnasium in Frechen. Aber ich hatte im Studium einen Dressurreitstall gegründet und mir damit erstes Geld verdient. Thumann gehörte zu den Sponsoren unserer Veranstaltungen. Er sagte eines Tages: „Wollen Sie eigentlich mit 50 immer noch die unerzogenen Kinder anderer Leute unterrichten?“ Er bot mir den Einstieg in sein Stahlunternehmen an. Zu dem Paket gehörte eine verkürzte Lehre und ein Fernstudium der BWL. Ich fand es reizvoll, dass mich einer bezahlen wollte, um noch mal zu studieren. 1985 habe ich bei ihm angefangen.

Haben Sie das auch gemacht, weil Sie hofften, reich zu werden?

Mich hat nicht in erster Linie das Geld interessiert, sondern die Erweiterung meines Horizonts. Aber natürlich hatte ich gesehen, wie wohlhabendere Reiter mit ihren teuren Pferden zu den Turnieren kamen. Da dachte ich schon: „Mit einem besseren Job könntest du dir ein besseres Pferd leisten.“

Und: Haben Sie mit Ihrer ersten Million ein edles Pferd gekauft?

Nein, nach dem Wechsel hatte ich gar keine Zeit mehr, professionell zu reiten. Meine erste Million hatte ich 1999 auf dem Konto – damals war ich Geschäftsführer beim deutschen Agrarmaschinenhersteller Claas. Ich hatte drei Kinder und habe damit die Hypothek auf unser Häuschen abgetragen. Jahre später habe ich allerdings meiner Tochter ein richtig gutes Pferd gekauft, eine Schimmelstute namens Pasadena.

"hier gibt es nicht so viel Neid"

Sie sind ja einer der wenigen erfolgreichen deutschen Manager in den USA. Wie kam es dazu?

Claas war ein Wettbewerber von Agco. Ich kannte meinen Vorgänger hier. 2003 sagte er mir, dass er mich gerne auf die Liste von Kandidaten für seine Nachfolge setzen würde – 16 Kandidaten, außer mir alles Amerikaner. Aber das Unternehmen suchte wohl jemanden mit internationaler Ausrichtung. Das war ich.

In US-Vorstandsetagen geht es bekanntlich etwas rauer zu als in Deutschland. Wie konnten Sie sich so lange an der Spitze halten?

Der Wettbewerb ist hier größer als in Deutschland. Die durchschnittliche Haltbarkeit eines amerikanischen CEO liegt bei zweieinhalb Jahren. Das Geheimnis meiner längeren Haltbarkeit ist wohl der Erfolg des Unternehmens.

Da man in den USA offen über Geld spricht – was verdienen Sie heute?

In einem guten Jahr: zwischen 10 und 12 Mio. Dollar. Es stimmt auch, hier gibt es nicht so viel Neid, und Vorstandsgehälter sind öffentlich.

Was ist eigentlich von dem Gymnasiallehrer Richenhagen geblieben?

Durch meine Ausbildung in Philosophie und Theologie habe ich vielleicht eine etwas bessere Allgemeinbildung als andere in der Wirtschaft. Als Chef habe ich auch eigene ethische Vorstellungen vom Umgang mit Mitarbeitern.

Die wären?

Zu vermeiden, was ich bei meinen eigenen Chefs nie mochte, etwa Mikromanagement. Bei kompetenten Mitarbeitern muss man den Weg zum Ziel nicht immer kontrollieren. Gute Leute brauchen Spielraum.


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