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Junge Elite - Tarek Müller

, Monika Dunkel

Tarek Müller ist Geschäftsführer des Online Fashion Shop „About You“, eines der am schnellsten wachsenden Online-Fashion-Shops in Deutschland, der zum Otto-Konzern gehört. Der 28jährige ist ein Shootingstar der Handelsbranche und zählt zu den Topführungskräften bei Otto.

Tarek Müller, Geschäftsführer des Online Fashion Shop "About You" © Jonas Holthaus
Tarek Müller, Geschäftsführer des Online Fashion Shop "About You"

Tarek Müller sitzt zur Besprechung in der Sauna. Bei ihm ist ein Werkstudent, der ein Programm geschrieben hat, das die Kunden aus ihrem Onlineshop herausfiltert, die dort nur selten einkaufen. Müller gefällt die Idee, sie könnte Arbeit und Geld beim Marketing sparen. Nach zehn Minuten ist der Saunagang vorbei, beide kommen raus, in Jeans und Sweatshirt. Denn von innen sieht es zwar aus wie in einer Sauna, aber es ist nur ein etwas ungewöhnlicher Besprechungsraum der Otto-Tochter About You in Hamburg – eines der am schnellsten wachsenden Online-Fashion-Shops in Deutschland. Mit einem Umsatz in dreistelliger Millionenhöhe gehört er heute zu den fünf größten im Land. Er ist das Herzstück aus einem Labor namens Collins, das Otto vor einigen Jahren gegründet hat, um die Zukunft des E-Commerce mitzugestalten. Nach zwei Jahren hat er 300 Mitarbeiter, Durchschnittsalter 29, und 1,5 Millionen aktive Kunden.

Müller, ein offener Typ mit Rastalocken, der auf Bühnen ganze Säle erobern kann, gehört als Geschäftsführer von About You zu den Top-Führungskräften des Handelskonzerns. Der 28-Jährige ist seit 13 Jahren im Geschäft, ein Shootingstar der Branche. Eigentlich wollte er vor drei Jahren mit einer Digitalagentur im Silicon Valley durchstarten. Doch der Otto-Vorstand wollte ihn unbedingt halten, kaufte ihm eine seiner sechs Firmen ab, bot ihm den Chefposten und eine Beteiligung an.

Chef-Privilegien sind nicht zeitgemäß

Im Büro nahe der Speicherstadt, fernab der Otto-Zentrale, stapeln sich an den Eingängen Kisten. Es gibt eine Lounge mit Sitzkissen, auf jeder Etage eine Bar, eine Telefonkammer mit schalldichten Tafelwänden zum Bekritzeln, Open Space und viele sehr, sehr junge Menschen. Es sieht nach einer großen Work-Party aus. Es ist die typische Einrichtung eines Startups, die ausdrückt, hier zählen nicht Position, sondern Ideen, nicht Perfektion, sondern Kreativität. „Flache Hierarchien, Teamarbeit, Schnelligkeit, Respekt, Transparenz“, beschreibt Tarek die Arbeitskultur.

Tarek selbst pfeift auf Privilegien, er teilt sich mit seinen zwei Geschäftsführern ein kleines Büro, sitzt auf einem Otto-Normal-Stuhl, da er eh den ganzen Tag unterwegs ist, lieber sei ihm, dass seine Programmierer auf dem rückenschonenden Gesundheitsstuhl hocken. „Nicht zeitgemäß“ findet er Vorstände, die sich eigene Restaurants und Aufzüge bauen und sich so abschirmen von ihren Mitarbeitern. Ein „veraltetes Werteverständnis“ sei das. „Wenn du möchtest das junge Leute bei dir arbeiten, musst du das abschaffen.“

Auf manche Stelle bekomme About You bis zu 800 Bewerbungen, sagt Müller: „Einige verwechseln uns dann mit einer Spaßveranstaltung, sehen aber nicht, dass wir extrem hart und diszipliniert arbeiten.“ Das aber sei „völlig unangemessen“. Deshalb drücken sie nun jedem Bewerber ein „Kulturbooklet“ in die Hand „be fast, stay hungry – and do it with passion“, lautet das Credo. Keiner solle einen 9 to 5 Job erwarten, gleiche Strukturen und Produkte über Jahre. Auch vom dem ganzen Kreativitätsgerede hält er wenig: „Wir setzen uns hier nicht unter den Baum und warten bis der Apfel runter fällt, wir machen einen Online-Shop, das ist keine Kunst, sondern ein geordneter Innovationsprozess“.

Müller selbst kam zu seinem ersten Termin mit Otto-Vorstand Rainer Hillebrand in Flipflops und kurzer Hose. Ein 18-jähriger Freak, ohne Diplom, Doktor oder MBA, der mit 15 im Kinderzimmer schon die ersten Onlineshops gebaut hat – und trotzdem an Werte wie Disziplin glaubt: „Wenn etwas heute fertig werden muss und du sagst, dass du Feierabend machen möchtest, dann sagen wir: ‚Ne, du machst das jetzt heute.‘“

Vom Kinderzimmer aus hatte er neben der Schule aus Spaß Webseiten aufgebaut, herausgefunden wie man es schafft im Google-Listing ganz oben zu landen und dabei mit Pokerplatten, Teleskopen und Wasserpfeifen am Ende monatliche Umsätze von hunderttausend Euro gemacht. Zum Verhängnis wurde ihm dann ein Geschäft mit China. Weil seine Händler irgendwann nicht mehr nachkamen mit den Lieferungen beschloss er, seine Wasserpfeifen dort bauen zu lassen. Dabei geriet er an einen Betrüger, der nie lieferte. Und weil er damals noch nicht wusste, was ein Treuhandkonto ist, war das Geld weg und Tarek Müller saß mit gerade einmal 18 Jahren auf 150.000 Euro Schulden. Doch er rackerte sich raus, fing an, Unternehmen beim Aufbau von Online-Shops zu beraten und startete selbst wieder ein paar.

Otto-Group forciert "Kulturwandel 4.0"

Die Otto-Group lässt ihm alle erdenklichen Freiheiten. Man kennt und vertraut sich. Alle paar Wochen reden Müller, seine Partner Sebastin Betz und Hannes Wiese mit Hillebrand miteinander übers Geschäft. „Wir lernen von einander“, sagt Tarek. Otto lädt die Startup-Geschäftsführer zu seinen „Best-Practice-Clubs“ ein, ein paar Ideen haben sie schon kopiert, sagt der Jungunternehmer. „Bei Otto brechen die Strukturen gerade auf“. Der Handelsriese forciert den Umbruch derzeit mit einem Projekt „Kulturwandel 4.0“.

Eine Milliarde Euro Umsatz wandert derzeit jährlich von Offline ins Online-Fashion-Business. „About You“ profitiere davon am meisten, sagt Tarek. „Wir sind der Konkurrenz mindestens neun Monate voraus.“ Zum Beweis kramt er sein Smartphone hervor und öffnet „About Tarek“ , denn für jeden Kunden bauen sie hier einen eigenen Shop. Sucht er eine Jacke, zeigt ihm die Seite nur seinen Lieblingsmarken,- farben und schnitte. „Kein Mensch hat Zeit und Lust 5000 Jacken durchzustreamen.“

Tarek Müller gehört zu unserer Auswahl für die Junge Elite. Hier finden Sie die Top 40 unter 40 - Manager, Top 40 unter 40 - Unternehmer, Top 40 unter 40 - Politik und Top 40 unter 40 - Staat und Gesellschaft

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