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Phil Pezus, Konzern-Senkrechtstarter

, Jenny von Zepelin

Phil Pezus ist vor drei Jahren als Trainee bei Thyssenkrupp eingestiegen. Seit November ist er CFO der beiden Thyssenkrupp-Gesellschaften Carbon Components und Carbon Composites in Dresden. Und das mit 31

Phil Pezus, Thyssenkrupp © Jonas Holthaus
Phil Pezus, Thyssenkrupp

Seit 2007 sucht Capital für das Projekt „Junge Elite“ in ganz Deutschland nach Talenten wie Phil Pezus und kürt alljährlich die „Top 40 unter 40“ in den vier Kategorien „Unternehmer“, „Manager“, „Politik“ sowie „Staat und Gesellschaft“. Alle sind jünger als 40 Jahre, haben beachtliche Erfolge vorzuweisen und noch viel Potenzial. Einige sind schon an der Spitze, andere noch auf dem Sprung dorthin; manche machen durch bahnbrechende Ideen und Start-ups auf sich aufmerksam, andere gehen den Weg durch Konzerne und Institutionen.


Phil Pezus hat mit schnellen Beförderungen Erfahrung. Er studierte so rasch BWL, dass er zwischendurch ein Semester Zeit hatte – also ging er nach China und meldete sich in der Millionenstadt Qingdao an der Uni zum Mandarin-Sprachkurs an. Nach dem Eingewöhnungsschock tummelte er sich bald an einem chinesischen Filmset, weil an der Uni immer Komparsen für die beliebten Seifenopern gesucht werden. Pezus spielte erst einen Kellner, und die Produzenten buchten ihn gleich noch mal für eine Militärszene. Bloß passte der 1,92 Meter große Deutsche nicht in das U-Boot hinein, die Hose der Soldatenuniform bekam er auch nicht zu. Also wurde er gleich zum Offizier befördert, da saß wenigstens die Uniform. Nur seine Haare sollte er noch rasieren. „Da wollte ich gehen“, erzählt Pezus. „Aber dann haben sie mir eine Fliegerkappe aufgesetzt und gesagt: ‚Dann bist du halt der Pilot.“

Und im wirklichen Leben? Phil Pezus ist vor drei Jahren als Trainee bei Thyssenkrupp eingestiegen. Seit November ist er CFO der beiden Thyssenkrupp-Gesellschaften Carbon Components und Carbon Composites in Dresden. Und das mit 31. Dazwischen lagen eine Station am chinesischen Hauptsitz in Peking und ein Job im Controlling in der Essener Zentrale, zuständig für die milliardenschweren, schwierigen Stahlgeschäfte in Brasilien. Nach zwei Jahren empfahlen die Talentscouts des Konzerns ihn für den Job in Dresden.

Eine Karriere wie in einem der Hightech-Lifts von Thyssen. Aber Pezus entspricht dem Prototyp, der Vorstandschef Heinrich Hiesinger bei dem laufenden Komplettumbau des Konzerns mit seinen 155.000 Mitarbeitern vorschwebt: einer mit mehr Teamgeist, mehr Leistungsdenken, mehr Offenheit.

Wunscharbeitgeber Dax-Konzern

Als Pezus sich 2013 bei Thyssenkrupp bewarb, erntete er für die Entscheidung noch Stirnrunzeln. „Mein Ziel war immer, in einem Dax-Konzern zu arbeiten“, sagt der Hesse. Aber warum ausgerechnet in diesem? Der Industriekoloss war durch Fehlinvestitionen, Milliardenverluste und Kartellstrafen in eine existenzielle Schieflage geraten. „Ich hatte auch ein Angebot von einem anderen großen deutschen Konzern. Das war damals der Top-Kandidat im Dax, Thyssenkrupp war der Loser.“ Beim Top-Kandidaten allerdings sagten sie ihm, er müsse die ersten zwei, drei Jahre Schrot fressen, also buckeln, schuften, einstecken. Danach könne er weiterkommen. „Was soll das?“, fragt Pezus heute. „Das hört sich nicht nach einer Kultur an, in der ich arbeiten möchte.“

Bei Thyssenkrupp sei sein Eindruck nach dem Assessment einfach positiv gewesen. „Ich habe so viele verschiedene Mitarbeiter kennengelernt und denen abgenommen, dass die etwas bewegen und ändern wollen.“ Nach seiner Zusage habe er noch eine handgeschriebene Weihnachtskarte bekommen. „Darauf stand, dass sie sich freuen, dass ich bald dabei bin. Da dachte ich: Die meinen das wirklich ernst.‘“

In seinem neuen Job in Dresden kommt Pezus nun aus der Konzernzentrale heraus in ein kleines Start-up, das sie in Essen als ihren „innovativen Hotspot“ bezeichnen. Dort forschen gut 40 Ingenieure zusammen mit Studenten der Uni Dresden an neuen Produkten aus Carbon. Die faserverstärkten Kunststoffe können als Alternative zum Stahl eingesetzt werden, etwa für ultraleichte Aufzüge, Flugzeugteile oder Pkw-Lenkungen. Highlight sind die entwickelten superleichten Carbonfelgen, die nun in die Serienentwicklung gehen. Für Pezus ist es der erste Führungsjob, bei dem er sich neben den Finanzen auch um Einkauf, Vertrieb und Personal kümmert. Vorbereitet hat er sich darauf im vergangenen Jahr mit einer Ausbildung zum Wirtschaftsmediator.

"Für so einen möchte ich gern arbeiten"

Dafür hat er in seiner Freizeit noch 20 Stunden pro Woche gelernt: „Ich dachte, ich schaffe es in der Hälfte der Zeit, aber der Stoff ist interessant und bringt mich auch persönlich weiter.“ Nach seiner Einarbeitungszeit in Dresden will er auch noch die Masterarbeit schreiben.

Bei dem Engagement fühlen sich auch seine Mentoren bestätigt. Tobias Berens hat vor drei Jahren eines der Bewerbungsgespräche mit Pezus geführt: „Nach dem ersten Interview wusste ich: ‚Der ist es! Stell ihn ein‘“, sagt der Abteilungsleiter im Controlling bei Thyssenkrupp. „Er nimmt Leute mit auf die große Reise, die wir in unserem Veränderungsprozess angetreten ha- ben. Er nimmt ihnen die Angst, weil er selbst keine hat und immer auch das Positive sieht“, so Berens. Er zeige, wie es geht, und nicht, wie es nicht geht. „Für so einen möchte ich gern arbeiten. Ich hätte nichts dagegen, wenn er wirklich mal mein Chef wird. Obwohl ich mal seiner war.“

Bereits erschienen ist das Porträt von Tarek Müller, About You

Wir haben der Jungen Elite unsere Titelgeschichte der aktuellen Capital gewidmet: Die Top 40 unter 40 - Deutschlands "Junge Elite": Wie sie denkt - und unser Land verändern will.

Die neue Capital erscheint am 17. November. Hier geht es zum Abo-Shop, wo Sie die Print-Ausgabe bestellen können. Unsere Digital-Ausgabe gibt es bei iTunes, GooglePlay und Amazon


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