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"Der Junge bringt's nicht"

, Anne Weitzdörfer

Wenn es in Familienunternehmen bei der Nachfolge knirscht, hilft oft nur eins: Eine von beiden Seiten muss einen radikalen Schnitt machen. Von Anne Weitzdörfer

Jung gegen alt: das passt häufig nicht zusammen © Getty Images
Jung gegen alt: das passt häufig nicht zusammen

Gerhard ist Unternehmer alter Schule. Er hat als junger Mann ein Bauunternehmen gegründet und es über die Jahre zu einem renommierten Namen aufgebaut. Sein Wunsch war es immer, mit Mitte 50 an seinen Sohn Markus zu übergeben – und dann mit seiner Frau die Welt zu bereisen. Aber als es so weit gewesen wäre, war sein Sohn noch ein Küken. Nun war Gerhard Mitte 60. Markus war Anfang 30 und arbeitete seit zwei Jahren im Unternehmen. Klingt nach perfekten Vorzeichen für die ersehnten goldenen Jahre.

Leider nicht ganz, denn: „Der Junge bringt’s einfach nicht“, so Gerhard. Er habe wenig unternehmerisches Geschick, tue sich ungewöhnlich schwer mit Entscheidungen und lasse jedes lokalpolitische Engagement vermissen – unabdingbar für den Fortbestand des Unternehmens! Die Situation hatte sich lange zugespitzt und eskalierte nun vollständig. Der Sohn kam morgens in Jeans und Turnschuhen ins Büro, gab den Wagen und die Schlüssel ab und teilte ihm mit, er stünde „für die Nachfolge nicht mehr zur Verfügung“. Gerhard gab es ungern zu, aber: Das erste Mal in seinem Leben wusste er nicht mehr weiter.

"Der alte Herr muss halt mit den Konsequenzen leben"

Capital 06/2017
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Markus ist ein besonnener junger Mann, der nicht zu übermäßigen Emotionen neigt, sich selbst aber sehr gut lesen kann. Er sagt, er habe früh im Leben verstanden, dass sein Weg vorgezeichnet war, und sei immer stolz darauf gewesen, in die Fußstapfen seines Vaters zu treten. Aber es sei nie genug gewesen, und dieser habe ihm jeden Tag das Gefühl gegeben, er sei der Nachfolge nicht würdig. Anfangs habe er von ihm lernen wollen, dann krampfhaft versucht, es ihm recht zu machen, und irgendwann sei der Punkt gekommen, wo er nur noch mit Magenschmerzen in die Firma kam. Und damit sei jetzt Schluss. Jetzt müsse „der alte Herr halt mit den Konsequenzen leben“.

Wir können die Geschichte an der Stelle abkürzen. Es hat Wochen gedauert, um auf beiden Seiten Gesprächsbereitschaft herzustellen. Weitere Wochen, um die Vergangenheit aufzuräumen. Das war der größte Brocken: so viele Erwartungen, so viele kleine und große Enttäuschungen auf beiden Seiten. Als all das ausgesprochen war, gab es eine Pause, in der Ruhe eingekehrt ist. Danach wurde ausgehandelt, unter welchen Bedingungen der Sohn bereit ist, das Unternehmen in die nächste Generation zu überführen.

Am Ende hat es eine formale Übergabe gegeben. Danach hat Gerhard das Unternehmen verlassen und übt sich seitdem im viel zitierten „Loslassen“. Denn er hat der für Markus wichtigsten Regel zugestimmt: Markus darf sich melden, wenn er Fragen hat oder Unterstützung braucht. Ansonsten gilt: keine Anrufe des Vaters in der Firma, keine Fragen und schon gar keine ungebetenen Ratschläge. Gerhard konzentriert sich jetzt auf sein Handicap. Er hätte nie gedacht, dass ihm das so schwerfällt.


Anne Weitzdörfer begleitet als Beraterin und Coach seit vielen Jahren Unternehmen und Führungskräfte. Hier schreibt sie jeden Monat über Themen aus der BerufsweltAnne Weitzdörfer begleitet als Beraterin und Coach seit vielen Jahren Unternehmen und Führungskräfte. Hier schreibt sie jeden Monat über Themen aus der Berufswelt

 


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