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Andreas Kunze, Mann der Sensoren

, Thomas Steinmann

Der 25-jährige Andreas Kunze ist Chef des Start-ups Konux, das neuartige Sensoren und digitale Messsysteme für die Industrie 4.0 entwickelt. Unter den Konux-Investoren finden sich die Giganten der Tech-Szene - und zu den Kunden gehört unter anderem die Bahn.

Andreas Kunze, Gründer von Konux © Jonas Holthaus
Andreas Kunze, Gründer von Konux

Seit 2007 sucht Capital für das Projekt „Junge Elite“ in ganz Deutschland nach Talenten wie Phil Pezus und kürt alljährlich die „Top 40 unter 40“ in den vier Kategorien „Unternehmer“, „Manager“, „Politik“ sowie „Staat und Gesellschaft“. Alle sind jünger als 40 Jahre, haben beachtliche Erfolge vorzuweisen und noch viel Potenzial. Einige sind schon an der Spitze, andere noch auf dem Sprung dorthin; manche machen durch bahnbrechende Ideen und Start-ups auf sich aufmerksam, andere gehen den Weg durch Konzerne und Institutionen.


Manchmal kommt es vor, dass Andreas Kunze bei wichtigen Terminen mit Konzernchefs oder Investoren gefragt wird: Wann kommt denn der Herr Kunze? „Ich wurde schon oft für meinen Sekretär gehalten“, sagt der Mitgründer und Chef des Münchner Start-ups Konux, das völlig neuartige Sensoren und digitale Messsysteme für die Industrie 4.0 entwickelt hat. Mittlerweile hat er sich für solche Situationen eine smarte Antwort zurechtgelegt: Man könne ja gerne schon einmal mit ihm anfangen.

Andreas Kunze ist 25 Jahre alt, man kann man den schmächtigen Mann leicht für einen Studenten halten: lockeres Hemd, Sneakers, ein Gummiband mit der Aufschrift „We are Konux“ am Handgelenk. Doch in seinem Alter hat der Wirtschaftsinformatiker schon etwas erreicht, was kaum ein anderer deutscher Tech-Gründer geschafft hat: Das Unternehmen, das er 2014 zusammen mit zwei Partnern gegründet hat, ist ein dicker Name im Silicon Valley – trotz eines Umsatzes von weniger als 1 Mio. Dollar.

Unter den Konux-Investoren finden sich die Giganten der Tech-Szene, alles Namen wie Ritterschläge: der erste Google-Investor Andreas von Bechtolsheim, Seriengründer Michael Baum und der größte Silicon-Valley-Fonds New Enterprise Associates, der auch bei Uber und Salesforce mitmischt. „Crème de la crème“ nennt Kunze seine Investoren, die bei Gründungswettbewerben auf Konux aufmerksam geworden waren. Kunze schmiss seinen Forschungsjob in Stanford, zog zurück nach München. Mit den Valley-Ikonen trifft er sich einmal im Quartal beim Boardmeeting in Kalifornien.

Intelligente Messsysteme für Bahn-Weichen

Ein paar Tage vor einem dieser Treffen sitzt Kunze in der „Mindbox“ der Deutschen Bahn in Berlin, einem Großraumbüro für Start-ups aus dem Acceleratorprogramm des Konzerns am Spreeufer. Die Bahn ist der wichtigste Kunde von Konux. Gemeinsam arbeiten sie an einem riesigen Projekt: Ab dem kommenden Jahr soll der erste Teil der 30.000 wichtigsten Weichen im deutschen Schienennetz mit den intelligenten Messsystemen von Konux ausgerüstet werden. Die Sensoren werden Daten für jede Zugdurchfahrt erfassen und in Echtzeit an Rechenzentren übermitteln: Geschwindigkeit, Gewicht, Vibrationen, Wetter.

„Alle reden von Digitalisierung“, sagt Kunze. Aber bei der Wartung von Weichen oder auch von Maschinen in der Industrie „laufen heute immer noch Leute hin und schauen oder hören sich etwas an“. Mit den Messsystemen und der lernfähigen Steuersoftware von Konux soll die Instandhaltung bei der Bahn künftig deutlich effizienter werden. Kunzes Algorithmen können vorhersagen, wann eine Weiche so abgenutzt ist, dass sie ausgetauscht werden muss – und zwar schon bevor ein Schaden eintritt und zu Zugverspätungen führt, weil wichtige Bahnstrecken plötzlich gesperrt werden müssen.

Mithilfe der kontaktlosen Konux-Systeme könnten die Verspätungsminuten durch defekte Weichen um bis zu 43 Prozent reduziert werden und damit die Pünktlichkeit der Fahrgäste stark erhöht werden, sagt Kunze. Ein Fortschritt für die Kunden – aber zugleich verändert die Automatisierung die Arbeit von Bahnmitarbeitern gewaltig.

Mit Gabriel auf Reisen

Auch mit Herstellern von Werkzeugmaschinen und Pumpen laufen bereits Pilotprojekte, um Verschleiß und Instandhaltungskosten zu reduzieren. Darüber hinaus sondiert Konux bereits neue Auslandsmärkte – nicht nur in Europa, sondern auch China, wo die Industrie 4.0 ein Riesenthema ist und der Bahnkonzern sitzt, der weltweit die meisten Weichen instand halten muss. Als Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel Anfang November nach China reiste, gehörte Kunze neben den Vorstandschefs von Dax-Konzernen und anderen Unternehmern zu seinen Begleitern. Bei einer Wirtschaftskonferenz in Chengdu bedachte Gabriel das jüngste Mitglied seiner Delegation mit einem öffentlichen Lob.

Seit Ende 2014, als Kunze und seine Partner mit 4000 Euro anfingen, ist das als Aktiengesellschaft nach US-Recht firmierende Unternehmen auf 35 Mitarbeiter gewachsen. Viele waren vorher bei Siemens, BMW oder McKinsey, könnten aber genau so gut bei Facebook oder Google arbeiten. Auch deshalb versucht der Chef, im Konux-Büro in München-Sendling einen Silicon-Valley-Spirit zu kultivieren. Die Amerikaner seien nicht per se smarter, sagt er. „Dort arbeiten die Leute viel, viel mehr und denken einfach größer.“ In Deutschland heiße es an der Uni: Wenn du gut bist, schaffst du es zu BMW oder McKinsey, sagt Kunze. „In den USA sagen sie: Wenn du richtig gut bist, gründest du das nächste Google.“ Nach seinen Erfahrungen in den USA legt Kunze Wert darauf, dass die Mitarbeiter gemeinsam genau so viele Anteile an Konux halten wie die Gründer: „Das motiviert alle, sich reinzuhängen. Denn de facto ist es auch ihr Unternehmen.“

Kunze selbst, der nur selten Urlaub macht und noch spät abends dienstliche Mails verschickt, hat 250.000 Dollar in die Firma investiert. Dafür hat er sich verschuldet, vielleicht lässt er sich auch deshalb nicht zu großer Euphorie verleiten – obwohl Silicon-Valley-Ikonen an sein Unternehmen glauben und er gerade reihenweise Innovationspreise abräumt. Noch immer wohnt Kunze wie zu Studentenzeiten in einer Ein-Zimmer-Wohnung. Als er neulich seinen VW Polo verkaufte, holte er sich einen Golf. „Wir sind noch ganz am Anfang“, sagt der Konux-Chef. „Neun von zehn Start-ups failen. Und wir wollen keines der neun sein.“

Wir haben der Jungen Elite unsere Titelgeschichte der aktuellen Capital gewidmet: Die Top 40 unter 40 - Deutschlands "Junge Elite": Wie sie denkt - und unser Land verändern will.

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