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Liberalisierung des Luftverkehrs

, Hayek/Keynes

Jahrzehntelang stritten Friedrich August von Hayek und John Maynard Keynes über den Konflikt zwischen Staat und Markt. Diesmal geht es um den Wettbewerb im Luftverkehr

Hayek und Keynes © Jindrich Novotny
Streithähne: Friedrich August von Hayek (l.) und John Maynard Keynes

Mein lieber Hayek,
so wie ich Sie kenne, leiden Sie sicherlich unter Flugangst, aber sei’s drum. Jedenfalls ist mir aufgefallen, dass die Luftfahrtbranche gerade eine Ihrer kruden Theorien widerlegt. Was haben Ihre Jünger sich nicht alles von der Liberalisierung im Flugverkehr versprochen. Und nun? Der zweitgrößte deutsche Anbieter Air Berlin steht vor dem Aus, die italienische Air One gibt es schon nicht mehr. Und übrig bleiben – die alten großen Fluggesellschaften. Das hat nicht funktioniert, oder?
Ihr John Maynard

Sehr geehrter Herr Keynes,
Flugzeuge werden regelmäßig gewartet, die Hirne von Ökonomen leider nicht. Sonst wären Sie wohl nie zu diesem Kurzschluss gekommen. Der mangelnde Erfolg einzelner Unternehmen sagt nichts über die Funktionsfähigkeit eines Marktes aus. Man würde ja auch nicht den Einzelhandel verstaatlichen, nur weil der Kolonialwarenladen an der Ecke schließt.
Ihr F. A. Hayek

Capital 12/2015
Die neue Capital

Ach Hayek,
jetzt werden Sie gleich wieder grundsätzlich. Mein Punkt ist, dass es eben natürliche Monopole gibt, die sich einer Marktöffnung verweigern. Das geschieht immer dann, wenn die Fixkosten so hoch sind, dass sie einen Eintritt anderer Unternehmen in den Markt unrentabel machen. Da hilft dann auch alles Liberalisieren leider überhaupt nichts.
Ihr John

Sehr geehrter Herr Keynes,
Und ich sage Ihnen: Der Begriff des natürlichen Monopols ist eine Erfindung der Sozialisten aller Parteien, um ihre liebsten Staatskonglomerate zu pflegen. Wenn ein Markt nicht funktioniert, dann nicht, weil er zum Monopol tendiert, sondern weil er nach wie vor viel zu stark reguliert ist. Genau das ist doch übrigens auch ein Problem im Luftverkehr, wo Übernahmen systematisch erschwert und Neueinsteiger absichtlich gegängelt werden.
Ihr F. A. Hayek

Ja, ja,
wenn der Markt versagt, dann ist natürlich wieder der Staat schuld. Dabei häufen sich die Beispiele für völlig misslungene Liberalisierungsprojekte. Schauen Sie sich nur die öffentliche Versorgung in Großbritannien an. Es gibt eben komplexe Systeme, in denen Wettbewerb keine Lösung ist.
John

Sehr geehrter Herr Keynes,
Ich habe schon vor 70 Jahren geschrieben: „Gerade die Komplexität der Arbeitsteilung unter modernen Bedingungen erhebt den Wettbewerb zur einzigen Methode, mit der eine angemessene Koordination herbeigeführt werden kann.“ (Hayek, 1944) Das gilt auch für Ihr Beispiel: Es gibt ja noch Easyjet und Ryanair – das jetzt auch innerhalb Deutschlands fliegen will. Beide Unternehmen kommen übrigens ursprünglich von den britischen Inseln. Offenbar sind nicht alle Ihre Landsleute so verbohrt wie Sie.
Ihr F. A. Hayek

 

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