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Keine Angst um die Rente!

, Horst von Buttlar

Reicht unser Geld fürs Alter? Die Deutschen fürchten um ihre Altersvorsorge. Doch die Angst ist übertrieben. Von Horst von Buttlar

Horst von Buttlar © Gene Glover
Capital-Chefredakteur Horst von Buttlar

Früher, als Moderatoren in Fernsehstudios noch durchgehend hinter einem Tisch verschwanden,  fragte ich mich oft, was für Hosen sie anhaben. Eine Anzughose? Eine Jeans? Vielleicht mal Shorts? Während des Studiums machten mir zwei Freunde ein Versprechen: Wenn ich jemals die Nachrichten moderieren und eingangs sagen würde: „Guten Abend, meine Damen und Herren, mein Name ist Horst von Buttlar, und ich habe heute keine Hose an“ – wenn ich das also bringen würde, würden sie mir bis ans Lebensende eine Rente zahlen.

Natürlich würde ich nach meinem Rausschmiss kurze Berühmtheit erlangen, einige Auftritte in TV-Shows haben und vielleicht ein Buch schreiben „Ganz unten ohne“. Dennoch war mir schnell klar, dass dies keine gute Strategie für den Lebensabend, mithin die Rente ist – und ich mich auf diese Form der Vorsorge und meine Freunde wohl nicht verlassen sollte. Wobei ich mit 21 auch noch nicht an Vorsorge dachte.

Capital 06/2016
Die neue Capital

Damals studierte ich übrigens Slawistik und wollte Moskau-Korrespondent werden. Nie hätte ich mich dazu berufen gefühlt, einmal eine Titelgeschichte zum Thema Rente zu planen. Mein Leben aber verlief anders, ich nahm eine Schwangerschaftsvertretung bei einer Zeitung an, der „Financial Times Deutschland“. Tja, so begann das alles.

Unser Leben verläuft eben oft nicht so, wie wir es geplant haben. Das klingt banal, trotzdem vergessen wir es gern, wenn wir auf Papiere mit Prognosen, Zahlen und Simulationen zu unserer Vorsorgelücke schauen. Das Leben hält sich nicht an die Klauseln einer Lebensversicherung – was ein großes Glück ist.

Am Anfang unserer Recherche stand eine Frage: Reicht unser Geld fürs Alter? Anstoß zu dieser Frage war jene Wahnsinnsrentendebatte, die Wahnsinnspolitiker wie Horst Seehofer losgetreten haben. Bald merkten wir in der Redaktion, dass jeder, der diese Frage in E-Mails oder an der Wand las, sich angesprochen fühlte. Und dass wir, ganz ungeplant, auch an einem Psychogramm der Deutschen arbeiteten: Ein Land, das alt wird, hat offenbar Angst, alt zu werden. Vorsorge ist bei uns auch Kampf um Deutungshoheit, immer gleich Systemfrage, gut oder böse.

Die Furcht rührt daher, dass die Deutschen gleichzeitig dazu neigen, Angst um ihr Geld zu haben: dass sie Erspartes verlieren, dass es wertlos wird, dass es nicht zum Leben reicht. Diese Furcht ist meist unbegründet, und uns sollte klar sein, dass man mit ihr spielt und Geschäfte macht. Auf der einen Seite lassen sich durch immer neue „Lücken“ in der Zukunft immer neue Produkte erfinden und verkaufen. Zum anderen nutzen Politiker die Angst, um Wahlen zu gewinnen.

Altersvorsorge sollte nicht von Angst begleitet werden. Sie macht keinen Spaß, sie ist so sexy wie ein Dachboden, den man immer wieder aufräumen muss – sie ist aber elementar und wirklich keine Rocket-Science. Im Grunde ist sie viel einfacher, ja basisdemokratischer geworden. Man muss bloß wissen – diese Frage steht am Anfang –, was für ein Typ man ist.

Ich bin, wenn ich an die TV-Wette denke, offenbar kein Typ für Experimente. Was nicht heißt, dass ein Leben nicht aufregend und voller Wendungen sein kann.

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