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Wohlfühlgeneration vs. Workaholic

, Anne Weitzdörfer

Junge High Potentials wollen nicht mehr so viel arbeiten. Sie bringen damit ein althergebrachtes System ins Schlingern. Von Anne Weitzdörfer

Erschöpfter Mann schläft vor einem Notebook © Getty Images
Arbeiten bis zur Erschöpfung ist bei der jungen Generation nicht mehr gefragt

Georg ist Mitte 40 und Partner in einer großen Wirtschaftskanzlei. In einer von denen, in der man unanständig viel Geld verdient, dafür aber auch rund um die Uhr arbeitet. Jedenfalls war das früher der Deal. Aber in den letzten Jahren, berichtet Georg, werde dieser Deal insbesondere von den jungen Kollegen immer mehr infrage gestellt. Es gibt aufreibende Diskussionen, wenn das Wochenende für die Arbeit draufgeht. Die Arbeitszeiten (die weit über dem Durchschnitt liegen) werden generell kritisiert, und in Gehaltsverhandlungen lautet die Forderung oft: mehr Urlaub statt mehr Geld. Man habe das lange ignoriert, nun aber müsse man sich dem Thema stellen.

Was genau ist eigentlich das Problem? Vereinfacht gesprochen will die nachwachsende Generation junger Anwälte schlicht weniger arbeiten und stattdessen das Leben genießen: Viele haben heute früher Kinder und wollen Zeit mit ihnen verbringen. Dazu sind Geld und Konsum weniger wichtig, stattdessen sind Freiheit und Selbstbestimmung die neue Währung. Doch genau das stellt das bestehende System infrage. Entsprechend reagiert die eigentlich nur wenige Jahre ältere Generation: Sie hält dagegen – und damit an genau dem System fest, in dem sie selbst (manchmal fluchend) groß geworden ist.

Es ist doch „nur ein Job“

Capital 01/2017
Die aktuelle Capital

Die Antworten gestandener Führungskräfte im Alltag sind vielfältig: von stummer Rat- und Hilflosigkeit bis hin zu schlichtem Druck auf die Mitarbeiter. Und so weit ich das beobachten kann, bringt branchenübergreifend beides niemanden wirklich weiter. Beide Seiten sind genervt, und die Fronten verhärten. Auf konkrete Nachfrage, was die Generation der über 40-Jährigen im Umgang mit den Jüngeren so hilflos macht, wird oft die Kompromisslosigkeit genannt, mit der diese Freiheiten einfordern, ohne je in das System „eingezahlt“ zu haben. Die Jüngeren hingegen verstehen nicht, warum man sich nicht einfach lockermacht. Es ist doch „nur ein Job“.

Ich glaube, es gibt keine einfache Lösung, weil Arbeitszeiten und Urlaubsansprüche nur das Symptom, nicht aber die Ursache sind. Im Kern geht es wie in den Sechzigern um die Bereitschaft der alten Generation, sich die Inhalte der Jungen nicht nur anzuhören, sondern sich auch damit auseinanderzusetzen und zu versuchen, die Welt aus deren Perspektive zu sehen. Um dann auf Basis eines gegenseitigen Verständnisses einen gemeinsamen Nenner in der täglichen Zusammenarbeit zu finden.

Wenn Sie dazu beitragen wollen, den Graben zwischen den Generationen gar nicht erst entstehen zu lassen: Stellen Sie sich der Auseinandersetzung. So wie bei Georg in der Kanzlei. Da gibt es jetzt eine kleine Gruppe aus ein paar Junganwälten, einer Handvoll alter Hasen und einem neutralen Moderator. Und in der Konstellation haben sie die Gespräche aufgenommen. Ganz wie im echten Leben.


Anne Weitzdörfer begleitet als Beraterin und Coach seit vielen Jahren Unternehmen und Führungskräfte. Hier schreibt sie jeden Monat über Themen aus der BerufsweltAnne Weitzdörfer begleitet als Beraterin und Coach seit vielen Jahren Unternehmen und Führungskräfte. Hier schreibt sie jeden Monat über Themen aus der Berufswelt

 


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