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Junge Elite - Gesche Joost

, Marina Zapf

Junge Entscheider machen vor, wie Deutschland die digitale Zukunft meistert. Capital stellt einige Führungstalente vor. Diesmal: Gesche Joost

Gesche Joost © Mustafah Abdulaziz
Gesche Joost

Gesche Joosts „Lab“ ist ein Ort zwischen gestern und morgen. Auf den ersten Blick sieht es aus wie ein Schneiderladen, nicht wie ein Hightech-Forschungslabor. Stoffballen, Garnspulen, eine Brother-Strickmaschine aus den Achtzigern, noch mit Lochstreifen. Mit dem Oldie fertigt die Designprofessorin intelligente Textilien: wie das gestrickte Stirnband, das in einem Zipfel einen Lautsprecher verbirgt. Es ist der Stoff, aus dem die Zukunft ist.

Die 39-Jährige Handwerkerin im Internet der Dinge zieht Fäden zwischen Mensch und Maschine. Als Designprofessorin hat sie an der Berliner Universität der Künste ihr eigenes Institut für Produkt- und Prozessgestaltung aufgebaut. Ideale Voraussetzungen für ihre zweite Mission: die Netzpolitik. Aus dem Wahlkampfteam holte die SPD-Parteispitze sie auf den vakanten Posten des Internetbotschafters der Bundesregierung. Alle zwei Monate trifft sie sich in Brüssel mit den „digitalen Champions“ anderer EU-Staaten, mit Unternehmern, Politikern und Professoren, um digitale Strategien zu entwickeln.

Internet ohne Überholspuren und digitale Eliten

Junge Elite - in der neuen Capital

„Es gibt keine digitale Wirtschaft. Die Wirtschaft ist digital“, beginnt deren jüngster Appell an den nächsten Präsidenten der EU-Kommission, den Joost mit angestoßen hat. Ihr Credo: Europas Unternehmertum kann und muss in der digitalen Revolution ganz vorne mitspielen. Deshalb wirbt die Norddeutsche für ein europäisches Datenschutzrecht, um im Fahrwasser des NSA-Skandals verlorenes Vertrauen gut zu machen. Sie plädiert für Open Access: ein für alle Gesellschaftsgruppen offenes Internet - ohne Überholspuren und digitale Eliten in Elfenbeintürmen.

Die Revolution der Informationstechnik macht junge Entscheider wie Joost zu Vermittlern zwischen der analogen und der digitalen Welt. Eines ihrer Projekte auf europäischer Ebene ist das Bündnis für digitale Arbeitsplätze. „Wenn in Südeuropa so viele Jugendliche ohne Arbeit sind, warum bilden wir sie nicht zu digitalen Köpfen aus?“, fragt sie. „Die können von überall aus arbeiten!“ Bereits Schüler sollen programmieren lernen – und dafür brauchen auch die Lehrer digitale Weiterbildung.

Systeme müssen sich öffnen

Ein Selbstläufer sind ihre Ideen deswegen nicht: Staatliche Stellen und Behörden sind lang nicht so mobil und flexibel wie die twitternde Netzgemeinde. Selbst dort wird oft zu sehr in Kästchen gedacht, sagt sie und schnappt sich ein Blatt Papier. Kringel und Türme malt sie darauf. Das sei die vorherrschende Logik: Ob Politiker, Forscher, Gründer oder „Old Economy“, jeder werkelt allein vor sich hin, statt sich zu öffnen. Dann verbindet sie die Inseln mit schnellen Strichen.

Wenn Joost sagt, sie will Systeme öffnen in der Gesellschaft, dann kehrt sie also auch vor der eigenen Tür: Wissenschaftler sollten als erste Erkenntnisse zur Verfügung stellen. „Und zwar umsonst, und das schnell“, drängelt sie. Es dürfe nicht sein, dass man wie sie ein Jahr braucht, um seine Doktorarbeit zu veröffentlichen. Damit andere darauf aufbauten, sei das viel zu spät.  Im Idealfall aber entstehe ein Netzwerk,  an das dann auch Unternehmer andocken können. 

Capital „Junge Elite“

Auswahl: Seit 2007 ermittelt Capital jedes Jahr 40 Talente aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft sowie Staat und Gesellschaft. Für den aufwendigen Auswahlprozess befragt die Redaktion Politiker, Spitzenbeamte, Alumni, Berater und Headhunter – und wählt aus den Vorschlägen in einem internen Verfahren die „Top 40“ aus.

Gipfel: Am 3. Juli richtet Capital in Berlin ein Treffen für Nominierte und Alumni aus. Über die Jahre ist ein Netzwerk mit Hunderten Mitgliedern entstanden. Mehr Infos gibt es hier

Die kompletten Listen mit insgesamt 160 Toptalenten finden Sie im Heft am Kiosk oder in unserer iPad-Ausgabe. Hier können Sie sich die iPad-Ausgabe herunterladen. Hier geht es zum Abo-Shop, wenn Sie die Print-Ausgabe bestellen möchten.


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