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Junge Elite - Donata Hopfen

, Ruth Fend

Junge Entscheider machen vor, wie Deutschland die digitale Zukunft meistert. Capital stellt einige Führungstalente vor. Diesmal: Donata Hopfen

Donata Hopfen
Donata Hopfen

Mit energischem Schritt durchquert Donata Hopfen ihr neues Büro im Axel-Springer-Haus in Berlin. Umzugskartons stehen noch herum – erst seit zwölf Tagen arbeitet die 38-Jährige im Dachgeschoss. Davor leitete sie das Digitalgeschäft von „Bild“, nun die gesamte „Bild“-Gruppe.

Hopfens Beförderung ist ein Schritt voller Symbolkraft: Für die Branche kommt das Internet nicht nur als Chance daher, sondern auch als Bedrohung. Seit Jahren wandern immer mehr Anzeigen aus den gedruckten Medien ab – ohne den Verlagen annähernd so hohe Erträge zu bringen. Nun hat bei „Bild“ also eine Digital-Frau das Sagen. Eine Managerin der digitalen Transformation: Print und Online stehen nicht mehr als zwei getrennte Säulen nebeneinander. Hopfen verzahnt sie.

Bezahlinhalte auf bild.de

Junge Elite - in der neuen Capital

Die Digitalisierung hat der 38-Jährigen eine steile Karriere ermöglicht – auch wenn Hopfens Herz nach einem ersten Praktikum in der Bild-Redaktion zunächst für das klassische Print-Produkt schlug. Seit ihrem Berufseinstieg bei Anderson Consulting im Jahr 2000 jedoch befasst sie sich schon mit den Digitalthemen, und auch privat bezeichnet sie sich als „Techie“ und „Early Adopter.“

Reisen muss man, sagt sie, trotz aller Vernetzung.  Neue Entwicklungen in Asien faszinieren sie, fast mehr noch als die in den USA. Ihr Credo ist dennoch: „Als Digitalmanager ist der ständige internationale Blick,insbesondere ins Silicon Valley, überlebenswichtig.“ Sie fährt seit 14 Jahren mehrmals im Jahr an die Westküste Amerikas. Lange bevor „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann seine Valley-Sause bartträchtig inszenierte. Dennoch ist sie froh, dass beim Axel Springer Verlag die Parole zur Digitalisierung von ganz oben kommt. „Das ist total wichtig. Anders geht es nicht“, sagt die Verlagsgeschäftsführerin der „Bild“-Gruppe.  

Dahinter steckt die händeringende Suche aller Verlage nach neuen Geschäftsmodellen. Die Digitalisierung hat das alte zerstört, das über Jahrzehnte auf zwei satten Säulen beruhte: Anzeigen und Vertrieb. Seit Jahren feilen also alle Verlage an Paid-Content-Modellen, die neue Erlöse im Netz generieren sollen. Die Wunderwaffe hat keiner gefunden. Hopfen tauscht sich mit Medien von New York Times bis Wall Street Journal aus. Wie gehen die anderem mit dem Konkurrenten Google um? Was kann Paid Content im Netz bringen? Hopfen gehörte zu jenen, die auf „Bild.de“ für Bezahlinhalte war. Das Konzept firmiert heute unter dem Namen „BILDplus“, den digitalen Zugang gibt es ab 4,99 Euro, und nach außen gibt sich Springer zumindest zufrieden. Allzu genaue Erwartungen hatte im voraus niemand, zu wenig Vergleichswerte kennt die Branche, um Prognosen zu wagen.

immer wieder neu denken

Bei dem Experiment geht es auch nicht nur um zusätzliche Erlöse: Der Verlag bekommt von seinen Lesern nicht nur Geld, sondern auch Informationen. „Man lernt enorm viel über Kunden und ihre Präferenzen“, sagt Hopfen. Den Test von neuen Modellen am Kunden nennt sie den „Kern jeder Aktivität in der Digitalwirtschaft“. Digitale Entscheider feilen nicht jahrelang im stillen Kämmerlein an der perfekten Lösung. Sie experimentieren, lernen aus Fehlern – so wie Start-ups. „Konzernstrukturen haben ihre Eigenheiten“, sagt Hopfen. Deshalb will sie die Organisation flexibel halten, „damit alle im Team immer wieder neu denken.“

Auf der Suche nach neuen Umsatzbringern investiert Springer seit Jahren direkt in Start-ups, kauft andere auf. Über die Hälfte des Umsatzes, verkündete der Verlag Anfang Mai, käme inzwischen aus dem digitalen Geschäft. Hat jemand intern eine neue Geschäftsidee, stehen hauseigene Entwickler bereit, bei der Umsetzung zu helfen. Hopfens Strategie: „Man setzt viele kleine Pflänzchen – nur wer mutig ausprobiert findet heraus, welche Ideen sich durchsetzen.“

Capital „Junge Elite“

Auswahl: Seit 2007 ermittelt Capital jedes Jahr 40 Talente aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft sowie Staat und Gesellschaft. Für den aufwendigen Auswahlprozess befragt die Redaktion Politiker, Spitzenbeamte, Alumni, Berater und Headhunter – und wählt aus den Vorschlägen in einem internen Verfahren die „Top 40“ aus.

Gipfel: Am 3. Juli richtet Capital in Berlin ein Treffen für Nominierte und Alumni aus. Über die Jahre ist ein Netzwerk mit Hunderten Mitgliedern entstanden. Mehr Infos gibt es hier

Die kompletten Listen mit insgesamt 160 Toptalenten finden Sie im Heft am Kiosk oder in unserer iPad-Ausgabe. Hier können Sie sich die iPad-Ausgabe herunterladen. Hier geht es zum Abo-Shop, wenn Sie die Print-Ausgabe bestellen möchten.


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