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Ist die Klimarettung grosser Unsinn?

, Hayek/Keynes

Jahrzehntelang stritten Friedrich August von Hayek und John Maynard Keynes über den Konflikt zwischen Staat und Markt. Diesmal: Sind politische Klimaziele sinnvoll?

Hayek und Keynes © Jindrich Novotny
Streithähne: Friedrich August von Hayek (l.) und John Maynard Keynes

Sehr geehrter Herr Keynes,
es gibt ja Dinge, die es zu unserer Zeit noch nicht gab – und bei denen das auch besser so war. Eines davon ist jene seltsame Sparte der Regierungstätigkeit, die sich Klimapolitik nennt. In Paris, der Metropole der Etatisten, ist nun ein bizarres Ziel formuliert worden: Die Politiker wollen die Erwärmung der Erde auf 1,5 Grad Celsius begrenzen, nachdem man zuvor zwei Grad für geboten hielt. Für wen halten diese Bürokraten sich? Für Zeus?
Ihr F. A. Hayek

Werter Herr Professor,
ich bin gerade selbst ein wenig irritiert, aber ich muss Ihnen ausnahmsweise einmal zustimmen. Ich mag ein Freund der Steuerung der Makroökonomie sein. Aber bei der Steuerung des Klimas bekomme auch ich meine Zweifel. Das nimmt zuweilen religiöse Züge an. Eine globale Bewegung, die in ihrem Kern auf Sparen beruht – und sei es auch von Energie –, ist mir grundsätzlich suspekt. Mir jedenfalls fällt keine große Errungenschaft der Menschheit ein, die durch Verzicht erreicht wurde.
Ihr John Maynard

Capital 02/2016
Die aktuelle Capital

Sehr geehrter Herr Keynes,
ich freue mich ja, dass Sie meine Skepsis teilen, aber Ihre Argumentation geht an der Sache vorbei. Nicht das Sparen an sich ist das Problem, sondern der Umstand, dass es vom Staat verordnet wird. Wenn die Erderwärmung wirklich schädlich ist, dann wird das Preissystem des Marktes dafür sorgen, dass sie eingedämmt wird. Dem vorgreifen zu wollen macht den Preis als Signal kaputt und führt zu falschen Anreizen. Und zu Tausenden Solardächern im verregneten Deutschland.
Ihr F. A. Hayek

Mein lieber Hayek,
typisch, dass Sie mir auch hier widersprechen. Aber auch wenn das Klima nicht gerettet wird, ist es doch nicht falsch, das Wachstum durch die Förderung von Solaranlagen und Windrädern ein wenig anzukurbeln. Es mag sinnvollere Dinge geben, für die man Geld ausgibt. Aber Hauptsache ist doch, dass es fließt.
Ihr John Maynard

Sehr geehrter Herr Keynes,
nein! Und woher wollen denn diese Wettergötter wissen, wie viel Grad gut für die Erde sind? Oder überhaupt erreichbar? Schon jetzt werden Auflagen für Autohersteller geschrieben, Energiekonzerne gegängelt, einfache Bürger bevormundet. Ich habe bereits vor 70 Jahren in einem Aufsatz von der „unvermeidlichen Unvollständigkeit des menschlichen Wissens“ geschrieben. Zentrale Lösungen wie diese Klimapolitik scheitern nicht nur, sie führen in die Autokratie.
Ihr F. A. Hayek

Ach Hayek,
erstaunlich, wie viele Aufsätze Sie trotz unvollständigem menschlichen Wissen veröffentlichen konnten, Sie alter Zauderer! Ich sehe das pragmatischer. Kurzfristig helfen die Förderprogramme. Und auf lange Sicht sind wir alle … nun ja, Sie wissen schon.
Ihr John M.

 

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