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Ist das TTIP-Abkommen sinnvoll?

, Hayek/Keynes

Jahrzehntelang stritten Friedrich August von Hayek und John Maynard Keynes über den Konflikt zwischen Staat und Markt. Capital führt den Streit fort. Diesmal: Ist ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA eine gute Idee?

Hayek und Keynes © Jindrich Novotny
Streithähne: Friedrich August von Hayek (l.) und John Maynard Keynes

Sehr geehrter Herr Keynes,
haben Sie auch diesen Zirkus um das Freihandelsabkommen verfolgt? Da wollen die USA und Europa sich zu einer gemeinsamen Wirtschaftszone verbinden. Eine sinnvolle Idee, denn wo kein Staat seine Bürokratie einschalten kann, da entsteht Wachstum. Aber natürlich wird auch diese Form der Freiheit torpediert. Es regt sich Aufruhr bei Gewerkschaften und bei diesen Umweltschutzgruppen, deren Ziele mir ohnehin ein Rätsel sind. So herrscht in Europa Angst vor Chlor in amerikanischem Federvieh. Sind wir uns einig, dass wir es hier mit einer Psychose zu tun haben?
Ihr F. A. Hayek

Mein lieber Hayek,
apropos Psychose, Sie sind ja schon wieder so aufgeregt! Nun, mit diesen Hühnerdingen kann ich auch nicht viel anfangen. Die feurigen Anhänger des grenzüberschreitenden Handels sind mir allerdings ebenfalls suspekt. Der freie Warenaustausch ist nicht immer für alle von Vorteil, da Märkte weniger flexibel reagieren, als Ihre Fans behaupten. Ich hoffe, Sie damit nicht noch mehr aufzuregen.
Ihr John Maynard

Capital 08/2014
Die neue Capital

Sehr geehrter Herr Keynes,
Sie hören einfach nicht auf, mich zu enttäuschen! Ich habe doch in meinem Archiv nachgesehen und eine sehr lobenswerte Passage von Ihnen gefunden: „Wir müssen am Freihandel festhalten, als unanfechtbares Dogma, das keine Ausnahmen erlaubt, … als Prinzip der internationalen Moral und nicht nur als Dok­trin des ökonomischen Vorteils.“ Das haben Sie 1923 geschrieben! Was ist denn aus dieser Überzeugung geworden? Es ist doch offenkundig, dass Freihandel die Nationen dazu bringt, sich auf ihre Stärken zu besinnen. Damit ist letztlich allen gedient, auch den einfachen Arbeitern.
Ihr F. A. Hayek

Ach Hayek,
Meinungen kann man auch ändern. Sie haben wie so oft nicht tief genug recherchiert. Meine Ansichten zum Freihandel haben sich eben gewandelt. Vor allem wenn es um die fehlerhafte Überzeugung geht, dass Zölle und Handelshemmnisse immer schlecht für den Kampf gegen die Arbeitslosigkeit sind. Schließlich können Arbeitsplätze durch offene Märkte auch einfach verloren gehen und nicht automatisch in andere, effizientere Branchen abwandern. Hier für Ihr Archiv: „Es gibt Zeiten, in denen wir uns nicht einfach der Blindheit der ökonomischen Kräfte ausliefern können und in denen Zollschranken die wirksamsten Mittel sind, die wir haben.“ (Keynes, 1932)
John Maynard

Sehr geehrter Herr Keynes,
wie kann man nur so sprunghaft sein! Regeln sollten doch gemacht werden, um allgemeine Gültigkeit zu besitzen. Und nicht, um geändert zu werden, sobald es einer Gruppe oder einer Nation passt. Einmal eingeführte Schranken oder Schutzklauseln werden Sie doch niemals wieder los. Aber das ist die langfristige Sicht. Und die ist Ihnen ja bekanntlich egal.
Ihr F. A. Hayek

 

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