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Ingrid Hofmann über ihre erste Million

, Ruth Fend

Ingrid Hofmann gründete ihre eigene Zeitarbeitsfirma. Ihr Geld steckt in ihrem Unternehmen, ihr Laster sind schnelle Autos.

Ingrid Hofmann
Ingrid Hofmann, Gründerin der Leiharbeitsfirma Hofmann Personal

Ingrid Hofmann, 62, war die erste Frau im Präsidium der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände. 1985 gründete sie in Nürnberg ihre eigene Zeita beitsfirma. Heute ist ihr Unternehmen Hofmann Personal mit 22.000 Mitarbeitern das sechstgrößte der Branche in Deutschland.


Capital: Wie kamen Sie darauf, eine Zeitarbeitsfirma zu gründen?

Ingrid Hofmann: 1974 wollte ich mich in Südafrika von einer Blumenimportfirma ausbilden lassen, um später eine Orchideen-Plantage zu managen. Das haben dann die politischen Un- ruhen vereitelt. Stattdessen habe ich in einer Schweizer Zeitarbeitsfirma von der Pike auf Personalwesen gelernt. Meine Frage nach Karrieremöglichkeiten hat meinen Vorgesetzten gequält. In der Schweiz durften Frauen da ja noch nicht einmal wählen. Mir wurde klar: Wenn man etwas erreichen will, muss man es selbst machen.

Woher hatten Sie das Startkapital?

Mein Vater, ein Landwirt, hatte grenzenloses Vertrauen in mich. Er verkaufte für 30.000 D-Mark ein Grundstück. Die habe ich schon
im ersten Jahr zurückbezahlt. Ich wollte unabhängig sein. Später wollte die Bank, dass mein Mann für Kredite bürgt. Da hab ich gesagt: Das geht ja gar nicht, gehört die Firma nun mir oder ihm?

"In Hilpoltstein weiß man schon, dass ich ein Freak bin"

Erinnern Sie sich noch an Ihre erste Million?

Ich habe ernsthaft darüber nachgedacht, aber: nein! Ich habe nie Geld aus der Firma rausgenommen, deshalb hab ich das Gefühl der ersten Million nie so gehabt. Ich habe immer dieses Sicherheitsdenken. Wir haben eine Eigenkapitalquote von 50 Prozent und noch nie eine Ausschüttung gemacht. Ich selbst bekomme ein Gehalt und eine Erfolgstantieme. An den Gewinn im ersten Jahr erinnere ich mich, das waren 20.000 D-Mark. Da habe ich am Jahresende für 11.000 D-Mark ein Bild von Chagall gekauft und für 9000 D-Mark einen Perserteppich. Das fand ich eine vernünftige Anlage. Ärgerlich war nur, dass der Teppich jedes Jahr bilanziert wurde – irgendwann hab ich ihn aus der Firma rausgekauft, weil er immer versteuert wurde. Ich erinnere mich auch, wie wir 2012 das Ziel von einer halben Milliarde Umsatz erreichten. Da haben wir ein Fest gefeiert, und jeder der 500 internen Mitarbeiter hat einen australischen Gold-Nugget bekommen. Die waren jeweils 16.000 Euro wert.

Und was haben Sie sich persönlich gegönnt?


Ich rauche, trinke, spiele nicht. Mein einziges Laster ist, dass ich gern schöne und schnelle Autos fahre. In meiner Garage stehen ein BMW 6er Cabrio, um 2000 herum hab ich mir einen der ersten Porsche Cayennes gekauft und jetzt auch noch den Panamera. Letztes Jahr hab dann ausgerechnet ich beim Opernball Nürnberg noch einen BMW Z4 in der Tombola gewonnen! In Hilpoltstein weiß man schon, dass ich ein Freak bin. Und jetzt hab ich als Firmenwagen einen Z4!

Sie leben in Ihrem Geburtsort in der Fränkischen Schweiz, scheinen also eher bodenständig. Gilt das auch für Ihre Geldanlage?

Nachhaltiges Denken ist mir anerzogen – dass man denkt, es wird vielleicht nicht immer so gut laufen. Nach dem Tod meines Vaters 2010 habe ich auch noch den Hof übernommen. Ich kenne die Grundstücke und das Land, das ist wie ein Hobby. Ich bin die Erste, die seit dem Krieg wieder Wald dazukauft. Die Holzpreise haben sich seit den Neunzigern vervierfacht. Früher haben die Banker darüber geschmunzelt. Heute tut das niemand mehr.


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