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"90 Prozent der Rentner werden besser dastehen"

, Britta Langenberg

Der Demografieforscher Axel Börsch-Supan beklagt Verlogenheit und Populismus in der Renten-Debatte.  Den meisten Rentnern werde es künftig besser gehen.

Axel Börsch-Supan © John Francis Peters
Axel Börsch-Supan

Axel Börsch-Supan forscht über die Auswirkungen des demografischen Wandels. Der Ökonom und Mathematiker leitet als Direktor das Munich Center for the Economics of Aging (MEA), das zum Münchner Max-Planck-Institut für Sozialrecht und Sozialpolitik gehört. Dort forscht er unter anderem zu sozialen Sicherungssystemen und dem Sparverhalten der Deutschen.


Die jüngste Renten-Debatte hält der Demografieforscher Axel Börsch-Supan für verlogen und populistisch. Capital (Ausgabe 6/2016, EVT 19. Mai) sagte Börsch-Supan: „Die derzeitige Debatte suggeriert ja, dass die Rentner relativ zu den anderen verarmen. Davon kann keine Rede sein.“ Statt ärmer würden auch die meisten Ruheständler wohlhabender, nur nicht ganz so stark wie der Rest der Bevölkerung.

„90 Prozent der Rentner werden ab 2030 besser dastehen als heute. Um die anderen werden wir uns kümmern müssen. Deren Problem sind die unregelmäßigen Erwerbsverläufe“, so der Forscher. Politiker, die aber zurzeit die „Angst vor Altersarmut schüren, handeln im hohen Maß verantwortungslos“, kritisierte Börsch-Supan.

Riester-Rente verhindert keine Altersarmut

Capital 06/2016
Die neue Capital erscheint am 19. Mai

Bei der aktuellen Diskussion um das Rentenniveau von 43 Prozent gibt es laut Börsch-Supan ein großes Missverständnis: „Das Rentenniveau ist nicht die Kaufkraft, sondern eine relative Größe. Die Kaufkraft der Renten wird etwas weniger schnell steigen als die Kaufkraft der Löhne.“ Absolut gesehen werde die Kaufkraft der Renten in den nächsten zwei Dekaden im Schnitt um etwa ein Prozent steigen. Von Altersarmut bedroht sei nur ein kleiner Kreis, der sich allerdings in den nächsten 20 Jahren auf einen Anteil von fünf bis sechs Prozent der Rentner verdoppeln könnte.

In diesem Zusammenhang wies der Experte darauf hin, dass „die Riester-Rente keine Altersarmut verhindert“. Wer das geglaubt habe, war naiv. Der Wissenschaftler, der vor zehn Jahren zu den engsten Beratern der Bundesregierung bei den Reformplänen der Rürup-Kommission zählte, forderte im Capital-Interview Änderungen an der Riester-Rente für Einkommensschwache. Diese private Altersvorsorge solle nicht länger auf die Grundsicherung angerechnet werden. „Ich halte das für einen groben Konstruktionsfehler, der schnell behoben werden sollte,“ so Börsch-Supan.

Den Rentenreformen seit 2001 stellte der Demografieforscher ein gutes Zeugnis aus. „Wir stehen in Deutschland sogar besser da als andere Länder, weil wir an mehreren Stellschrauben drehen“, sagte er. Die Deutschen arbeiteten zwei Jahre länger, die Beiträge gingen nur sehr langsam hoch und die Rente steige weiter, „nur nicht so stark“. Das sei zu verschmerzen. „Wir haben – absolut gesehen – kein Rentenproblem“, sagte Börsch-Supan.

Lesen Sie in der neuen Capital unseren Titel-Schwerpunkt zur Altersvorsorge: „Reicht meine Rente? Unser Rat für sechs Vorsorgetypen“. Dort finden Sie auch das Interview mit Axel Börsch-Supan in voller Länge. Hier können Sie sich ab dem 19. Mai die iPad-Ausgabe herunterladen. Hier geht es zum Abo-Shop, wenn Sie die Print-Ausgabe bestellen möchten.

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