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3 Tipps für die Geldanlage für Kinder

, Nadine Oberhuber

Kinder haben manchmal große Wünsche, und Eltern oder Großeltern wollen sie gern erfüllen. Wie man heute richtig spart, damit die Kleinen später durchstarten können

Kind mit Münze in der Hand © Peter Alendahl
Kinder schmieden schon früh Zukunftspläne, die Eltern bauen am besten peu à peu für Ausbildung und Studium vor

Wenn Pascal Lennert seiner Tochter beim Spielen zusieht und mit ihr durch den Park tobt, kommen ihm oft diese Gedanken: Wie es wohl sein wird, wenn sie groß ist? Kann er ihr ein guter Vater sein, wo er doch schon den Anfang vermasselt hat? Und wird er ihr später große Wünsche erfüllen können, vielleicht will sie ja mal im Ausland studieren? Ihm selbst war das nicht vergönnt.

Lennert arbeitet in einer Eventagentur und verdient gut, aber das Leben in der Großstadt München ist teuer. Vor einem halben Jahr haben seine Frau und er sich getrennt, zwei Jahre nach der Geburt von Sofia. Seitdem organisieren die beiden ihr Leben in zwei Wohnungen neu – und das ihrer Tochter auch. Deshalb will Lennert auch nicht mit seinem richtigen Namen in den Medien stehen. Seine Frau arbeitet inzwischen wieder als Controllerin, Sofia geht in die Krippe, und ihr Vater will endlich gezielt für sie sparen. Das plant er nun schon seit zwei Jahren. Seine Eltern wollen ihm sogar dabei helfen. Weiter ist er aber noch nicht gekommen.

Bisher hat Lennert alle Entscheidungen dazu vertagt: Erst die Geburt und die durchwachten Nächte, dann die Trennung und jetzt der Neustart – in solchen Phasen dachte er über alles lieber nach als über Finanzen. Dabei bombardierten ihn Banken und Versicherungsgesellschaften mit Prospekten, empfahlen Policen mit putzigen Namen, dienten Ausbildungsversicherungen an und Babysparbücher.

Seine Eltern finden, Bausparen sei etwas Solides, und wollen endlich einen Vertrag für Sofia abschließen. Aber Lennert weiß nicht so recht, er hat das Tauf- und Weihnachtsgeld erst mal auf ein separates Tagesgeldkonto gelegt. Da bringt es so gut wie keine Zinsen, das ist ihm klar. Er könnte es genauso gut in einem Marmeladenglas aufbewahren. Also wohin mit Sofias Geld?

Viele Eltern, Großeltern und Paten fragen sich, wie man am besten Kapital für Kinder anlegt. Früher, in Hochzinszeiten, vermehrte sich das Geld quasi von allein. Aber mit normalen Sparkonten ist heute kein Vermögen mehr zu machen. Selbst die Versicherer klagen schon seit Jahren darüber, dass sie nicht wissen, wie sie Kundengelder noch gewinnbringend anlegen sollen. Und die Börsen bewegen sich ständig auf und ab – die Wenigsten wollen dort für die Zukunft ihrer Kinder sparen. Wo also dann? Weil sie keine Antwort darauf wissen, bleiben viele tatenlos, sagt Finanzberaterin Stefanie Kühn, die ein Buch übers Kindersparen geschrieben hat: „Es hapert oft beim Anfangen – und plötzlich steht schon die Ausbildung der Kinder an.“ Sie hat drei einfache, aber wichtige Ratschläge: früh anfangen, konsequent durchziehen – und im eigenen Namen sparen.

1. Frühzeitig anfangen

Wer allzu lange zögert, verspielt einen Großteil des Zinseszinseffekts und macht es sich dadurch schwerer, bis zur Volljährigkeit des Kindes einen ansehnlichen Betrag anzusparen. Fangen Eltern damit an, monatlich 100 Euro beiseitezulegen, sobald das Kind zehn Jahre alt ist, kommen bis zum 20. Geburtstag 12.000 Euro zusammen. Werden auf die Sparbeträge zwei Prozent Zinsen gezahlt, werden daraus 13.300 Euro.

Beginnt der Sparplan bereits mit der Geburt, summieren sich die Einzahlungen samt Zinsen auf 29.500 Euro. Allein 5500 Euro tragen die Zinsen zur Zukunftsfinanzierung bei. Je mehr Rendite eine Anlage abwirft, desto größer fällt dieser Effekt aus: Bei sechs Prozent stehen nach 20 Jahren ansehnliche 45.500 Euro auf dem Konto.

Sechs Prozent Rendite klingen verlockend. Zugleich streben viele Eltern bei Anlagen für ihre Kinder vor allem nach einem: Sicherheit. Vor allem diejenigen, die sich früh um die Finanzen ihrer Kinder kümmern, sind oft die vorsichtigen Sparer und lassen sich locken von Werbeversprechen mit Wohlfühlfaktor.„Setzen Sie auf Sicherheit“, heißt es in Prospekten, „Vermeiden Sie die Risiken der Aktienmärkte“ oder: „Das Wertvollste, was Sie haben, sind Ihre Kinder – und Wertvolles verdient besonderen Schutz.“ Auch Lennert wäre schon manches Mal fast schwach geworden:

Was dann im Portfolio landet, sind „all diese Absicherungsprodukte mit schönen Namen“, wie Stefanie Kühn es ausdrückt. Zum Beispiel der „Biene Maja“-Schutzbrief (Nürnberger), das „Tip-Top Tabaluga“-Vorsorgekonzept (Universa) oder die „Max Schlaubär“-Police (Bayerische Beamten Versicherungen). Solche Produkte werben damit, den Nachwuchs gegen vielerlei Risiken abzusichern: gegen Unfall und Krankheit, Berufs- oder Schulunfähigkeit. Außerdem sollen sie Kapital für die Ausbildung anhäufen und später einmal als Altersvorsorge dienen. Der Cosmosdirekt-Kindersparplan, der als Sparkonto daherkommt, ist im Kern eine private Rentenversicherung.

„Verkauft werden solche Policen zuhauf“, sagt Kühn. Es klingt ja auch nach einer praktischen Lösung, mit einem einzigen Produkt sämtliche Lebensrisiken abzudecken. Für die Versicherer zahlt sich das aus – für die Kinder selten.

„Von solchen Versicherungslösungen raten wir dringend ab“, sagt Ralf Scherfling von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. „Vor allem eignen sie sich nicht dazu, Kapital aufzubauen, denn sie sind teuer und wenig flexibel.“ Viele Verträge laufen bis zum Renteneintritt des Kindes – oder sogar noch darüber hinaus.

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Nun lässt sich naturgemäß kaum vorhersagen, was bis dahin gesundheitlich, finanziell oder politisch alles passiert, also kalkulieren die Versicherer hohe Sicherheitsabschläge ein. Geld, das nicht mehr zum Sparen bereitsteht. Noch schlimmer ist, wenn Großeltern solche Rundum-Versicherungen für die Enkel abschließen. Die Gefahr, dass Oma und Opa keine 25 Jahre mehr einzahlen, weil sie vorher sterben, lassen sich Versicherer nämlich üppig bezahlen, mit noch schlechteren Konditionen.

Werden die Policen vorzeitig gekündigt, etwa weil das Kind mit 30 Jahren keine Lust mehr hat, jahrzehntelang weiterzuzahlen, sind die Verluste enorm. Deshalb rät Verbraucherschützer Scherfling: „Sparen und Versichern immer trennen! Fürs Kind sparen ist eine gute Sache, aber zuvor sollten die Eltern für sich selbst eine Risikolebens- und Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen, damit die Kinder versorgt sind, wenn den Eltern etwas zustößt.“

Die Wahl des passenden Sparprodukts hängt nicht zuletzt davon ab, wie viel Zeit bis zum geplanten Auszahlungstermin bleibt und wie flexibel dieser Termin ist. Ist das Kind bereits älter oder spart man auf einen bestimmten Betrag hin, etwa um einen Auslandsaufenthalt in Frankreich zu finanzieren oder den Führerschein, dann sollte man eine möglichst sichere Sparform wählen, mit der man flexibel bleibt.

Die von Sofias Großeltern favorisierten Bausparverträge passen nicht, denn sie sind starr und zweckgebunden. Und wer weiß schon, ob das Kind mal im eigenen Haus sesshaft wird? Stattdessen bieten sich regelmäßige Einzahlungen auf ein Tagesgeldkonto an – auf dem sich das Geld allerdings momentan nur mit maximal einem Prozent verzinst. Oder Festgeld, das zurzeit 1,5 bis zwei Prozent abwirft, unabhängig davon, ob man es für ein, zwei oder mehr Jahre festlegt. Banksparpläne sind als Alternative wenig attraktiv. Sie bringen im besten Fall auch bloß ein Prozent Zinsen und erlauben keine Abhebungen außer der Reihe.

Verbraucherschützer Scherfling warnt vor allzu großen Erwartungen: „Es wird am Ende kein Betrag dabei herauskommen, bei dem man ,Hurra‘ schreit, aber man hat etwas Solides.“ Bessere Erträge bieten Spezialangebote wie das Mäusekonto der Hamburger Sparkasse (Haspa). Es bringt Kindern bis 14 Jahre zurzeit drei Prozent Zinsen pro Jahr – aber nur bei einem Anlagebetrag von höchstens 500 Euro. Der Zinssatz ist allerdings nicht fix und kann jederzeit sinken.

Wer das Taufgeld auf diese Weise anlegt, bekommt von der Haspa quasi einen Bonus von 210 Euro hinzu. Jeder weitere Euro wird aber nur mit 0,1 Prozent verzinst. „Sicherheitssparer sind zurzeit gekniffen“, ist Scherflings Fazit. „Sie müssen entweder mehr sparen, ihre Ziele nach unten anpassen oder ein höheres Risiko eingehen.“

2. Konsequent dranbleiben

„Risiko“ klingt bedrohlich. Wenn aber noch viel Zeit bleibt, weil das Kind klein ist, kann man bei der Kapitalanlage durchaus etwas mehr wagen, ohne dass einem gleich angst und bange werden muss. Selbst für Sicherheitsbewusste bietet es sich an, in Anlageformen zu investieren, deren Wert schwankt. Schließlich haben sie reichlich Zeit, um das Auf und Ab auszusitzen.

Langfristsparer sind mit Fonds gut bedient, speziell mit günstigen Indexfonds (ETFs). Egal ob man nur einmal eine größere Summe investiert oder dauerhaft per Fondssparplan Beträge ab 25 Euro monatlich beiseitelegt. Millionen Erwachsene sparen so fürs Alter und den Vermögensaufbau. Warum sollte das für Kinder schlecht sein?

Hinter vielen Fonds und ETFs stecken zwar Aktien, denen manche misstrauen, doch man kauft sehr viele verschiedene Aktien im Paket. Wenn einzelne Papiere an Wert verlieren, gleichen die anderen das oft wieder aus. Die Aktienmischungen in Indexfonds entsprechen denen des dazugehörigen Börsenindex, etwa des deutschen Dax oder des globalen MSCI World. Mit einem Dax-ETF wettet man also darauf, dass sich die deutsche Wirtschaft positiv entwickelt.

Klettern die Börsenindizes, steigt eins zu eins auch der Wert der ETFs. Pascal Lennert liebäugelt mit einem MSCI-World-Indexfonds: „Dass die ganze Welt in den nächsten 20 Jahren kein Wachstum mehr erleben wird, ist doch extrem unwahrscheinlich“, findet er.

Auch ihm machen Börsencrashs Angst. Dass Kurse auch mal fallen, sei kein Grund, Fonds grundsätzlich zu meiden, beruhigen Finanzmarktforscher. Denn bisher erholten sich die Börsen nach jedem Einbruch relativ schnell, selbst das verheerende Krisenjahr 2008 ist längst ausgebügelt.

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Die Statistik des Deutschen Aktieninstituts zeigt: Mit einem Dax-Indexfonds erlitten Anleger in den vergangenen fünf Jahrzehnten noch nie Verluste, wenn sie ihn länger als zwölf Jahre behielten. Völlig egal, wann sie ihn kauften oder verkauften. Auf Sicht von 50 Jahren erzielten Anleger mit deutschen Standardwerten stets eine Rendite von sechs bis acht Prozent pro Jahr. Fonds zahlen sich also eigentlich immer aus, wenn man lange genug dabeibleibt.

Praktisch sind sie zudem, wenn man einen Sparplan einrichtet: Man eröffnet einmal ein Depot fürs Kind, und die Anteile landen regelmäßig und automatisch auf dem Konto. Oder eben nicht, wenn das Geld mal knapp ist. Ein Sparplan lässt sich jederzeit stoppen – oder aufstocken, falls einmal mehr Mittel zur Verfügung stehen.

Ganz unbeaufsichtigt sollte man ihn indes nicht lassen: „Es ist nicht sinnvoll, einen Sparplan blind durchzuziehen, bis das Kind 18 ist“, sagt Scherfling. Spätestens wenn der Nachwuchs 14 wird, sollten die Erwachsenen die Aktienkurse checken: „Ist gerade eine außerordentlich gute Aktienphase wie 2015, sind Eltern gut beraten, die Fondsanteile zu verkaufen und den Erlös auf ein Tagesgeldkonto umzuschichten. Nicht, dass der Markt einbricht und kurz vorm 18. Geburtstag ein Teil des Geldes weg ist.“

3. Im eigenen Namen anlegen

Auf jeden Fall sollten alle, die für Kinder sparen, das Geld auf ihren eigenen Namen anlegen, rät Finanzberaterin Kühn. Immer wird der Tipp verbreitet, das Konto im Namen des Kindes zu eröffnen – wozu eine Geburtsurkunde benötigt wird und die Einverständniserklärung der Eltern. Das Geld lasse sich so auf den Nachwuchs überschreiben, und die Steuerfreibeträge fürs Kind würden voll ausgenutzt.

Finanzberaterin Kühn weist auf einen Haken hin: „Sobald das Kind 18 ist, gehört das Geld ihm. Will es das Kapital an eine Sekte verschenken, für eine Weltreise verpulvern oder Freunden leihen, kann man nichts dagegen tun.“

Abgesehen davon sprechen auch finanzielle Aspekte gegen einen Übertrag: Das Kapital wird nämlich bei der Ausbildungsbeihilfe Bafög angerechnet. Läuft viel Geld auf den Namen des Kindes, muss es erst einmal sein Konto bis auf einen Restbetrag von 5200 Euro abräumen, bevor es Unterstützung vom Staat erhält.

Bei größeren Beträgen, die dem Kind spendiert werden, droht zudem Schenkungssteuer. Und sollten die Schenkenden zwischendurch etwas von dem Geld abheben, weil sie selber in finanzielle Not geraten, gilt das als Betrug – und es muss nachversteuert werden.

Wer fürchtet, dass die eigene Disziplin darunter leidet, wenn das Geld aufs eigene Konto wandert, kann einfach ein Zweitdepot eröffnen und dieses nach dem Kind benennen. Dann ist für alle klar, in wessen Namen da gespart wird.

Der Beitrag ist zuerst in Capital 4/2016 erschienen.

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