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Steuerpolitik schreckt Investoren ab

, Thomas Steinmann und Matthias Thieme

SAP-Gründer Dietmar Hopp hält die Regelungen zu Verlustvorträgen für innovationsfeindlich. In Deutschland gebe es jede Menge gute Ideen - aber es fehle Risikokapital für junge Tech-Unternehmen

Dietmar Hopp © Katrin Binner
SAP-Gründer Dietmar Hopp auf seinem Golfplatz in St. Leon-Rot

Nach dem Einstieg der Gates-Stiftung bei seiner Biotechfirma Curevac hat SAP-Gründer Dietmar Hopp die Politik aufgefordert, mehr Anreize für Investitionen in junge Technologiefirmen zu schaffen. „In Deutschland ist die Ausbildung gut gefördert, Ideen werden produziert ohne Ende – aber dann hört es auf. Es fehlen steuerliche Anreize für Investitionen, und deshalb fehlt eben auch das Geld“, sagte Hopp im Capital-Interview. Ohne Änderungen in der Steuergesetzgebung werde es bei den „sehr überschaubaren Beispielen“ für erfolgreiche Techfirmen in Deutschland bleiben, warnte er.

Besonders abschreckend für Risikokapitalgeber wirken nach Hopps Ansicht die Regelungen zu Verlustvorträgen. „Nehmen wir mal an, ich stecke in solch eine Firma 10 Mio. Euro rein. Das ist nach zweieinhalb Jahren verbraten. Dann kommt ein anderer und sagt: Ich bin bereit, 11 Mio. reinzustecken. Dann ist mein Verlustvortrag weg. Ich kann die 10 Mio. Euro nicht abschreiben“, sagte Hopp. Diese Regelung sei auch ein Grund, warum kein großer US- Risikokapitalfonds in Deutschland investiere, fügte er hinzu.

Hopp äußerte Verständnis dafür, dass die Politik mit der Beschränkung der Verlustvorträge verhindern wollte, dass leere GmbH-Mäntel voller Verlustvorträge wie eine Ware gehandelt werden. „Aber der Kollateralschaden ist, dass auch Investoren abgeschreckt werden, denen es um langfristige Engagements geht“, sagte er in dem Interview.

"Wir können Walldorf nicht opfern"

Als einer der großen privaten Investoren hat der SAP-Gründer insgesamt mehr als eine Milliarde Euro in junge deutsche Unternehmen aus der Biotechnologiebranche investiert. Anfang März war bekannt geworden, dass Microsoft-Gründer Bill Gates über seine Stiftung bei dem Tübinger Impfstoffhersteller Curevac einsteigt, an dem Hopp mit rund 90 Prozent beteiligt ist.

capital 04/2015

Hopp äußerte in dem Interview die Hoffnung, dass das größte Investment der Gates-Stiftung bei einem einzelnen Unternehmen der gesamten deutschen Biotechbranche einen Schub gibt. Auf mittlere Sicht strebt er für Curevac einen Börsengang an – wenn möglich in Deutschland. „Wir alle sind ja Deutschland verbunden“, sagte er.

In dem Gespräch mit Capital betonte der Firmengründer, der noch etwas mehr als fünf Prozent der SAP-Anteile hält, dass Deutschland auch für den Softwarekonzern weiterhin von zentraler Bedeutung sei. Auch wenn die Musik in der Softwareindustrie mehr denn je in den USA spiele, „wäre SAP ohne den Entwicklungsstandort Deutschland arm dran“, sagte Hopp. Er widersprach seinem Mitgründer Hasso Plattner, der zuletzt bemängelt hatte, dass die Konzernzentrale in Walldorf „ab vom Schuss“ sei und sich die Entwickler bei SAP in Deutschland zu langsam bewegten. „Als Hallo-wach-Ruf war das zu hart“, sagte Hopp. „Hasso weiß ganz genau, was wir an Walldorf haben und dass wir das nicht opfern können für irgendeinen anderen Standort.“

SAP steckt seit einiger Zeit in einem tiefen Umbruch – auch wegen des Trend zu Mietsoftware in der Cloud. In diesem Jahr will der Konzern etwa 2000 Stellen weltweit abbauen. Betriebsbedingte Kündigungen soll es aber in Europa nicht geben.

Das komplette Interview mit Dietmar Hopp lesen Sie in der neuen Ausgabe von Capital, die am 19. März erscheint. Hier können Sie sich die iPad-Ausgabe herunterladen. Hier geht es zum Abo-Shop, wenn Sie die Print-Ausgabe bestellen möchten.  


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