• Facebook
  • Twitter
  • Google Plus
  • Editorial

Gute Sparer, schlechte Anleger

, Horst von Buttlar

Warum lassen wir Deutschen unser Geld auf Sparkonten versauern? Wir sind dieser Frage auf den Grund gegangen. Von Horst von Buttlar

Horst von Buttlar © Trevor Good
Horst von Buttlar

Okay, ich gebe zu: Ich bin nicht besser als der Durchschnittsdeutsche. Ich arbeite zwar für ein Magazin, das Capital heißt und die Welt der Finanzen erklärt, aber mein Geld behandle ich derzeit nachlässig wie einen überfüllten Dachboden:

Man müsste dort mal aufräumen, aber stattdessen stelle ich regelmäßig neuen Kram auf den Speicher. Weihnachtsgeldanteile, Monatsrestgeld, Tantiemenfragmente. Und da lasse ich das Zeug liegen. Den Rest gebe ich, mit Unterstützung meiner Frau, für mehr oder weniger sinnvolle Waren aus. Wir alle wissen, wie dieser Dachboden heißt: Tagesgeldkonto. Oder auch: Sparbuch, Festgeldkonto, Sparbrief. Wir lieben diesen Dachboden, weil der Kram, also das Geld, da angeblich so sicher lagert. Und weil man jederzeit raufgehen und nachschauen kann, ob alles noch da ist.

Grundsätzlich keine Finanztipps

Seitdem ich bei Capital bin, fragen mich öfter Freunde oder Kollegen um Rat: Sie haben gerade 10 000 Euro Bonus bekommen oder ihr Auto verkauft – und wollen wissen, was sie mit dem Geld machen sollen. Die Zinsen lägen ja bei etwa 0,000001 Prozent und der Dax stünde schon so hoch – bei 10 000, oder, nein, doch wieder bei 9 000. Also, was tun?

Capital-Cover
Die neue Capital, am 18. September im Handel

Ich gebe Freunden grundsätzlich keine Finanztipps. (Außer dass ich finde, dass in jedes anständige Depot die Aktien von BASF, Bayer und der Münchener Rück gehören.) Und dann muss ich meistens gestehen, dass ich auch nicht besser bin: Ärzte sind Kettenraucher, Pastoren gehen fremd, Wirtschaftsjournalisten sind nicht unbedingt die besseren Anleger.

Auch wir machen ab und zu die Fehler, vor denen wir warnen. Ich selbst zum Beispiel habe einen Großteil der Aktien verkauft, als der Dax im vergangenen Jahr erstmals die 9 000 erreichte – und sitze nun wie viele in der Tagesgeldfalle.

Mein Kollege Christian Kirchner ist in der Titelgeschichte dem Phänomen des deutschen Sparers auf den Grund gegangen: Warum gelten wir als gute Sparer – aber schlechte Anleger? Was können wir besser machen? Seine Spurensuche führt zurück bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts, seine Ratschläge führen in eine (etwas) einfachere Zukunft. Einer seiner Tipps: Man darf Geldanlage nicht mit Steuersparen oder Weltverbesserung verwechseln.

langfristig denken

Den Rat übrigens, der mich in meinem Leben am meisten beeindruckt hat, bekam ich von einem Arzt (der Kette rauchte): Nach der Untersuchung sprachen wir über Geldanlage, er schnappte sich den Ausdruck eines EEGs, der auf dem Tisch lag, und malte auf die Rückseite der Gehirnströme einen Chart mit zwei Querlinien. „Das ist der Dax“, sagte er, „und die Linien sind der langfristige Aufwärtskanal. Immer, bevor der Chart die obere Linie kreuzt, steige ich aus. Dann warte ich, manchmal auch Jahre. Dann steige ich wieder ein. Mit dieser Strategie habe ich ziemlich viel Geld verdient.“

Damit fängt es wohl an: langfristig denken. Eine Binse – und trotzdem die erste Hürde, um ein guter Anleger zu werden. Eine BASF-Aktie können auch noch Ihre Enkel halten.

Hier können Sie sich ab dem 21. August die iPad-Ausgabe herunterladen. Hier geht es zum Abo-Shop, wenn Sie die Print-Ausgabe bestellen möchten.


Artikel zum Thema
Autor
  • Unternehmen
Wie Sioux den Grashopper wiederbelebt

In den 60er-Jahren war Sioux eine Kultmarke. Vor einigen Jahren stand der Schuhhersteller vor dem Aus. Bis ein junger Investor kam.MEHR

  • Editorial
Der defekte Wohlstandsmechanismus

Die Wahl Donald Trumps zeigt eine Schwäche der westlichen Welt: Ihr Wohlstandsversprechen funktioniert nicht mehr. Von Horst von ButtlarMEHR

LESERKOMMENTARE

 

Kommentare Einblenden

Datenschutz

Die Kommentarfunktion "Disqus" wird von der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Moderation

Die Kommentare werden von Capital moderiert. Das heißt, Kommentare werden von der Redaktion freigeschaltet. Kritik und auch in der Sache harte Diskussionen sind willkommen, Beleidigungen werden wir dagegen nicht zulassen. Näheres hierzu finden Sie in unserer Netiquette.