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Gesetze im Test: Roaminggebühren in der EU

, Capital-Redaktion

Was haben Gesetze bewirkt? Diesmal im Test: die Abschaffung der Roaminggebühren in Europa.

© dpa

„Die Heimatanbieter stellen allen Roamingkunden einen Eurotarif gemäß Absatz 2 zur Verfügung und bieten ihn von sich aus in verständlicher und transparenter Weise an.“ (Verordnung (EG) Nr. 717/2007 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 27. Juni 2007)


Früher baute man in den Ferien Strandburgen, schleckte Eis und holte sich einen Sonnenbrand. Heute surft man stattdessen – oder zusätzlich – auf dem Smartphone. Das kann ein teurer Spaß sein. Denn im Ausland fallen Roaminggebühren an: Aufschläge dafür, dass der Handykunde ein fremdes Mobilfunknetz nutzt. In der Vergangenheit summierten sich die Kosten dafür schon mal auf einige Hundert bis Tausend Euro – selbst innerhalb der EU. Die Erholung war schlagartig dahin.

Dann ergriff die EU die Chance, ihren am Sinn der Gemeinschaft zweifelnden Bürgern machtvoll zu zeigen, wozu sie gut ist. 2007 legte sie einen „Eurotarif“ fest. Diese Preisobergrenze wurde seitdem kontinuierlich zulasten der Unternehmen verschärft. Heute dürfen die Roamingaufschläge 5 Cent je Minute für abgehende Anrufe, 1,14 Cent je Minute für ankommende Anrufe und 5 Cent je Megabyte Datenvolumen nicht überschreiten, plus Mehrwertsteuer. Insgesamt darf der abgehende Anruf höchstens 19 Cent, der eingehende maximal 5 Cent pro Minute kosten und das Megabyte Daten 20 Cent. Im Juni 2017 fallen die Aufschläge zwangsweise ganz weg. So haben es die EU-Mitgliedstaaten und das Parlament beschlossen.

klarer Fall von Verbraucherschutz

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Super Sache, findet der Telefonjunkie. Aber darf es wirklich sein, dass die EU neuerdings der Wirtschaft vorschreibt, was sie für ihre Produkte verlangt?

In diesem Fall: ja. Jedenfalls hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) 2010 eine gemeinsame Klage von Vodafone, Telefónica/O2, T-Mobile und Orange gegen die Verordnung zurückgewiesen. Ihr Urteil begründeten die Richter damit, dass „das Verhältnis zwischen Kosten und Entgelten nicht so war, wie es auf Märkten mit wirksamem Wettbewerb der Fall wäre“. Bevor die EU eingeschritten sei, habe ein Roaminganruf durchschnittlich 1,15 Euro pro Minute gekostet – mehr als fünfmal so viel, wie das Unternehmen dem anderen Netzbetreiber tatsächlich zahlte. Die EU-Verordnung war also ein klarer Fall von Verbraucherschutz.

Inzwischen ist der Tarifwettbewerb in Gang gekommen. Das schlägt auf die Margen der Unternehmen durch. Das Institut Juniper Research erwartet, dass die jährlichen Roamingeinnahmen der Branche weltweit um sieben und in Europa um 28 Prozent schrumpfen.

Schönen Urlaub also. Ein Eis ist auch noch drin.

Testurteil: Gut

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