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Gesetze im Test: Regionale Produktkennzeichnung

, Capital-Redaktion

Was haben Gesetze eigentlich bewirkt, nachdem sie verabschiedet wurden? Capital setzt sie auf Wiedervorlage. Diesmal im Test: Regionale Produktkennzeichnung

© dpa

„Die Region muss für den Rohwarenbezug eindeutig und nachprüfbar benannt werden (z. B. Landkreis, Bundesland oder Angabe eines Radius in Kilometern) und kleiner als die Bundesrepublik Deutschland sein, sie kann jedoch Staats- oder Ländergrenzen überschreiten.“


Bedingung- Regionalfenster

Ein Novum in dieser Test-Rubrik: ein Gesetz, das keines ist. Und das trotzdem (siehe unten) mit „Gut“ abschneidet.

Zur Grünen Woche im Januar 2012 präsentierte die damalige Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner ihren Plan: die Regionalkennzeichnung für Lebensmittel. Mit einem Blick auf die Verpackung sollte der Verbraucher erkennen können, was an seiner Marmelade „regional“ ist. Die CSU-Politikerin hatte den Zeitgeist erfasst. Während sich die Deutschen einst mit dem Granny Smith den Geschmack der weiten Welt ins Müsli holten, leidet die Globalisierung längst unter dem eigenen Erfolg. Wer ökologisch korrekt is(s)t, verzehrt keine Flugmango mehr, sondern Fallobst vom heimischen Bauern.

Da will auch die Politik nicht beiseitestehen. Also wurde nach einem Testlauf das „Regionalfenster“ für Lebensmittel, Blumen und Zierpflanzen 2014 bundesweit ausgerollt. Für diese Kennzeichnung gelten eindeutige Vorschriften. So müssen „die erste Hauptzutat und die wertgebenden Zutaten bei zusammengesetzten Produkten zu 100 Prozent aus dieser definierten Region stammen“. Bei der Schinkenwurst aus 47 Prozent Schwein und 45 Prozent Rind müssen also 100 Prozent des Schweinefleischs aus der definierten Region stammen. Und weil das Schwein weniger als die Hälfte des Gesamtgewichts ausmacht, muss auch das Rindfleisch zu 100 Prozent regional sein.

Handelsgiganten wie Edeka, Rewe, Lidl und Aldi machen bei der freiwilligen Kennzeichnung mit, mit inzwischen rund 3 500 Produkten. Zwar dürften viele Käufer den Überblick über all die Gütesiegel und Label verloren haben. Aber: Wer es wirklich wissen will, dem hilft die Info. Aigner und auch ihre Nachfolger feierten sich denn auch gern für die erfolgreiche Initiative.

Das Beste daran: Ein Gesetz hat die Bundesregierung nie auf den Weg gebracht. Das Regionalfenster wird von einem Verein gesteuert, in dem vor allem die Lizenznehmer vertreten sind. Finanziert wird er durch die Mitgliedsbeiträge und die Lizenzgebühren. Ganz ohne staatliche Förderung, wie man betont.

Keine Bürokratie, viele Gewinner. Das Regionalfenster könnte geradezu ein Modell für Politik werden.

Testurteil: Gut


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