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Gesetze im Test: Kirchenkapitalertragsteuer

, Capital-Redaktion

Was haben Gesetze eigentlich bewirkt, nachdem sie verabschiedet wurden? Capital setzt sie auf Wiedervorlage. Diesmal im Test: Die Kirchenkapitalertragsteuer

© dpa

„Das Bundeszentralamt für Steuern speichert (…) den Kirchensteuersatz der steuererhebenden Religionsgemeinschaft des Kirchensteuerpflichtigen sowie die ortsbezogenen Daten, mit deren Hilfe der Kirchensteuerpflichtige seiner Religionsgemeinschaft zugeordnet werden kann.“ § 51a, Abs. 2c Einkommensteuergesetz (EStG)


Es war ein Tabubruch, als die damalige Große Koalition beschloss, ab 2009 eine Abgeltungsteuer auf Kapitalerträge einzuführen. Seitdem werden Zinsen oder Dividenden pauschal mit 25 Prozent besteuert. Kritik wies der damalige Finanzminister Peer Steinbrück mit dem Satz zurück: „Besser 25 Prozent von X als 42 Prozent von nix.“ Soll heißen: Während Reiche ihre Erträge zuvor ganz am Finanzamt vorbeigeschleust hätten, kassiere die Bank nun gleich an der Quelle 25 Prozent für den Fiskus ab.

Capital 09/2016
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Diese 25 Prozent hätten eigentlich auch noch kirchenversteuert werden müssen. Normalerweise schlägt die Kirche auf jeden Euro Einkommensteuerschuld 9 Cent (in Bayern und Baden-Württemberg 8 Cent) Kirchensteuer auf. Dieses Prinzip aber fand bei der Quellensteuer nicht statt: Die Banken zogen den Kirchen-Obolus nicht ein – außer wenn der Kunde schriftlich darum bat.

Viele Christen taten etwas ganz anderes: Sie traten aus der Kirche aus. 2014 fast eine halbe Million Menschen – ein Rekord. Vielleicht weil vielen damals zum ersten Mal bewusst wurde, dass die Kirche auch bei Kapitalerträgen einen Anspruch hat. Experten sahen einen Zusammenhang zu der Steuer, die oft als neu missverstanden wurde.

Die Wogen haben sich geglättet

Seit dem 1. Januar 2015 aber geschieht der Steuerabzug ohne Zutun des Bankkunden. Die Institute fragen beim Bundeszentralamt für Steuern die Religionszugehörigkeit ab (außer, der Sparer widerspricht dem) und behalten dann automatisch die 25 Prozent für den Fiskus ein – plus die Kirchensteuer, die wiederum gleichzeitig als Sonderausgabe steuerlich angerechnet wird.

Und so haben sich die Wogen geglättet. 196 Mio. Euro Kapitalertragsteuer hat die Kirche 2015 eingenommen. „Einige wenige Briefe“ zum Thema habe man noch erhalten, heißt es bei der Deutschen Bischofskonferenz. Allerdings: Auch 2015 traten 392.000 Menschen aus, mehr als in jedem Jahr seit 1995 – abgesehen von 2014.

Ohnehin könnte es mit dem Frieden bald vorbei sein. Unter den Parteien wächst der Konsens, die Abgeltungsteuer wieder abzuschaffen. Dann muss jeder Bürger seine Kapitalerträge wieder individuell versteuern – bis zum Spitzensteuersatz von regulär 42 Prozent. Je höher die Steuer, desto höher auch die Kirchensteuer. Aber Zinsen auf Erspartes gibt es ja kaum noch.

Testurteil: Gut

 


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