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Gesetze im Test: Elternzeit für Väter

, von Ines Zöttl

Was haben Gesetze eigentlich bewirkt, nachdem sie verabschiedet wurden? Diesmal im Test: Elternzeit für Väter

© Getty Images

„Erfüllen beide Elternteile die Anspruchsvoraussetzungen
(für das Elterngeld), bestimmen sie, wer von ihnen welche Monatsbeträge in Anspruch nimmt.“ 5 (1) Gesetz zum Elterngeld und zur Elternzeit vom 5. Dezember 2006


Wenn Politiker auf ihre Karriere zurückblicken, dann gemeinhin mit der Haltung „I did it my way“. Umso bemerkenswerter, wofür sich Altkanzler Gerhard Schröder im Rückblick glaubte entschuldigen zu müssen: nämlich seinen Spruch über die „Familie und das andere Gedöns“.

Heute würde kein Politiker, kein Konzernchef mehr wagen, über Familienpolitik zu spötteln. Dass Familie und Beruf miteinander vereinbar sein sollten, ist Konsens. Und Familie beinhaltet: beide Elternteile.

So hat es sich auch im Gesetz zu Elterngeld und -zeit niedergeschlagen, das 2007 in Kraft trat. Danach zahlt der Staat Eltern, die nach der Geburt eines Kindes eine Auszeit nehmen, bis zu 1 800 Euro monatlich; und zwar bis zu 14 Monate lang. Die Eltern können untereinander frei aufteilen, wer wie lange zu Hause bleibt, wobei ein Elternteil allein höchstens zwölf Monate Geld bekommt. Dazu kommen zwei sogenannte Partnermonate.

Die Realität allerdings sieht so aus: Die Frauen gehen in Elternzeit, die Männer arbeiten.

Nur jeder Dritte nimmt Elternzeit

Von den 885 000 Personen, die im dritten Quartal 2015 Elterngeld bezogen, waren 83 Prozent Mütter und bloß 17 Prozent Väter. Nur etwa ein Drittel der Väter nimmt die bezahlte Auszeit überhaupt in Anspruch – und wenn doch, dann lediglich für die Partnermonate: 79 Prozent der Väter der im ersten Vierteljahr 2014 geborenen Kinder blieben maximal zwei Monate am Babybett.

Dabei hat die Politik noch mal nachgelegt, mit dem 2015 eingeführten Elterngeld Plus. Es erlaubt noch mehr individuelle Kombinationsmöglichkeiten, vor allem die Koppelung mit Teilzeitjobs ohne finanzielle Nachteile.

Dafür, dass Väter sich aus der Elternzeit ziemlich raushalten, gibt es viele Gründe, wie die Commerzbank in einer im Herbst 2015 veröffentlichten Befragung ihrer Väter herausgefunden hat: Einkommensverlust, Angst vor dem Karriereknick, eine „hohe Arbeitsdichte“. Immerhin ist der Anteil der Commerzbank-Väter mit Elternzeit von 3,5 Prozent 2003 auf 16,9 Prozent 2015 gestiegen. Wenn das so weitergeht, dürfte es nur noch Jahrzehnte dauern, bis Elternzeit für Väter zur Regel wird.

Dass die Väter nicht ganz so schnell sind, wie die Politik sie gern hätte, kann man dem Gesetz allerdings nicht vorwerfen. 

Testurteil:(eigentlich) Sehr gut


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