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Gesetze im Test: Abschaffung des Meisterzwangs

, Capital-Redaktion

Was haben Gesetze bewirkt? Diesmal im Test: die Abschaffung des Meisterzwangs.

© dpa

„Ein Gewerbe ist ein zulassungsfreies Handwerk im Sinne dieses Gesetzes, wenn es handwerksmäßig betrieben wird und in Anlage B Abschnitt 1 zu diesem Gesetz aufgeführt ist.“ (Drittes Gesetz zur Änderung der Handwerksordnung und anderer handwerksrechtlicher Vorschriften vom 24.12.2003)


Existenzgründer sind in Deutschland rar genug. Wie schön also, wenn jemand wie Christiane Schollmayer, Erfinderin von Kuchenklatsch, den Sprung in die Selbstständigkeit wagt. Ihr „1. Deutscher Kuchenlieferservice“ vertreibt in einem Franchise-System selbst gebackene Torten, Tartes und Cupcakes. Das Problem: Die Bäckerinnen haben zwar unternehmerischen Schwung, aber keinen Meisterbrief. Und so landete eine von ihnen auf Initiative der Handwerkskammer vor dem Landgericht Heilbronn. Das urteilte: Konditorei ohne Eintragung in die Handwerksrolle, das darf in Deutschland nicht sein.

Konditoren, Friseure, Klempner, Glasbläser – für viele Berufe besteht „Meisterpflicht“. Das heißt, dass sich in der Regel nur selbstständig machen darf, wer die Meisterprüfung abgelegt hat. 2003 begann die Regierung, die Liste zu entrümpeln. Nur noch solche Handwerke sollten zulassungspflichtig sein, „bei deren Ausübung Gefahren für die Gesundheit oder das Leben Dritter entstehen können“. Gebäudereiniger oder Geigenbauer brauchen seither keinen Meisterbrief mehr, Konditoren und Bäcker aber schon. Während wiederum Sushiköche brieflos rohen Fisch verkaufen dürfen. Logik geht anders.

Geringe Effekte

Was waren die Folgen der Reform, mit der insgesamt 53 Berufe liberalisiert wurden? Mehr Wettbewerb und Jobs, wie die Befürworter hofften? Oder Qualitätseinbußen und weniger Ausbildungsbereitschaft, wie die Handwerkslobbyisten warnten? Eine aktuelle Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung kommt zu dem Ergebnis: weder noch. In der gesamtökonomischen Betrachtung sei der Effekt gering. Zwar gab es neue Beschäftigung, es entstanden aber keine sozialversicherungspflichtigen Jobs.

Der Regierung ist der Reformmut inzwischen ohnehin abhandengekommen. Stattdessen bemüht sie sich nach Kräften, die EU-Kommission auszubremsen, die Reglementierungen für Dienstleister gern abbauen würde.

Doch was ein echter Gründer ist, der lässt sich nicht entmutigen. Unternehmerin Schollmayer baut Kuchenklatsch nun zum „Catering-Unternehmen nach Hausfrauenart“ aus. Das Tortenbacken wird auf diese Weise zum „unerheblichen handwerklichen Nebenbetrieb“ – für den man kein Meister sein muss. Jedenfalls nicht im bürokratischen Sinn.

Testurteil: Ungenügend

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