• Facebook
  • Twitter
  • Google Plus
  • Wiedervorlage

Gesetze im Test: 1 Euro Jobs

, Capital-Redaktion

Was haben Gesetze eigentlich bewirkt, nachdem sie verabschiedet wurden? Capital setzt sie auf Wiedervorlage. Diesmal im Test: Ein-Euro-Jobs

© dpa

„Erwerbsfähige Leistungsberechtigte können zur Erhaltung oder Wiedererlangung ihrer Beschäftigungsfähigkeit (…) in Arbeitsgelegenheiten zugewiesen werden.“ § 16d Sozialgesetzbuch (SGB II)


Es gibt Gesetze, die erzeugen Liebe auf den ersten Blick. Die Einführung von Ein-Euro-Jobs ist so eines. Es war ein perfekter Plan: Ein Arbeitsloser, der in eine solche „Arbeitsgelegenheit mit Mehraufwandsentschädigung“ vermittelt wird, verbringt seine Zeit sinnvoll. Er verdient etwas dazu (bis zu 2 Euro pro Stunde). Er beweist, dass er bereit ist zu arbeiten. Und im besten Fall dient ihm der Job als Sprungbrett zurück in den regulären Arbeitsmarkt. Auch die Gesellschaft profitiert – die Ein-Euro-Jobber erledigen Aufgaben, für die den Kommunen sonst das Geld fehlt: Parkanlagen pflegen, im Seniorenheim vorlesen, im Freibad aufpassen. Voraussetzung ist laut Gesetz, dass die Arbeiten „zusätzlich sind, im öffent­lichen Interesse liegen und wettbewerbsneutral sind“.

Schnell avancierte das 2005 eingeführte Gesetz zum Renner: 836.000 Ein-Euro-Jobs teilten die Jobcenter im Jahr darauf zu. Knapp zehn Jahre später, 2015, waren es aber nur noch 226.000 – mit weiter abnehmender Tendenz. Die Bundesagentur für Arbeit vergibt die Jobs seltener, weil ihr die Förderung zu teuer wurde. Denn nur jedem zehnten Ein-Euro-Jobber gelingt der Sprung in den regulären Arbeitsmarkt. Eine Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) kam 2010 sogar zu dem Schluss, dass die Integration häufiger bei jenen Langzeitarbeitslosen gelang, die keinen Ein-Euro-Job hatten. Gründe für das überraschende Ergebnis konnten die Forscher allerdings nicht nennen.

Ein-Euro-Jobs sind in Verruf geraten

Zugleich erwies sich die im Gesetz geforderte „Zusätzlichkeit“ als permanenter Streitpunkt. Die Gewerkschaften bemängelten von Beginn an, dass reguläre Beschäftigung verdrängt werde. Das Handwerk klagte, dass Aufträge zu den Billiglöhnern abwanderten. Der Bundesrechnungshof stellte bei einer Prüfung fest, dass in fast einem Viertel der Fälle gegen die Auflagen verstoßen wurde. Angesichts der Kritik sind die Ein-Euro-Jobs auch in der Politik ziemlich in Verruf geraten.

Jedenfalls galt das, bis Arbeitsministerin Andrea Nahles eine Kehrtwende einleitete. Sie hat angekündigt, jährlich 500 Mio. Euro zu investieren, um 100.000 Ein-Euro-Jobs für Flüchtlinge zu schaffen.

Manchmal ist eine Idee anscheinend einfach zu liebenswert, um sich von ihr zu trennen.

Testurteil: Mangelhaft


Artikel zum Thema
Autor
  • Bilderstrecke
Die Top 10 der Konsumgüterriesen

Die großen Konsumgüterkonzerne wachsen kaum noch. Doch viele der Branchenriesen können ihren Platz behaupten - vorerst.MEHR

  • Geldanlage
Die Top-Zinsen für Tages- und Festgeld

Der Capital-Zinsticker: Wir zeigen Ihnen wieder die lukrativsten Angebote für Tages- und Festgeld auf einen Blick.MEHR

LESERKOMMENTARE

 

Kommentare Einblenden

Datenschutz

Die Kommentarfunktion "Disqus" wird von der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Moderation

Die Kommentare werden von Capital moderiert. Das heißt, Kommentare werden von der Redaktion freigeschaltet. Kritik und auch in der Sache harte Diskussionen sind willkommen, Beleidigungen werden wir dagegen nicht zulassen. Näheres hierzu finden Sie in unserer Netiquette.