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Geschäfte mit der Angst der Frauen

, Marina Zapf

Die Nachfrage nach „Social Freezing“ wächst. Frauen, die sich nicht zeitig eine Eizellreserve anlegen, riskieren jedoch eine Fehlinvestition.

Samenspende
Eine Samenspende wird bei Cryos für das Einfrieren aufbereitet

Heute leben, später schwanger werden. Das ist die Devise von „Social Freezing“. Eine Eizellvorsorge soll helfen, den Kinderwunsch nach hinten zu schieben, die biologische Uhr auszutricksen. Doch in der sonst verschwiegenen Branche der Fruchtbarkeitsmedizin regt sich Skepsis gegen den von Apple und Facebook geschürten „Hype“.

Karrierefrauen sollten sich von Werbeslogans, die mit der Prophylaxe spätes Kinderglück verheißen, nicht täuschen lassen, warnt der Leiter des Fertility Center Berlin, Andreas Tandler-Schneider. Denn je nach Alter der Frau bei Entnahme der Reserve, könne sich die Entscheidung schnell als Fehlinvestition erweisen.

Dass Kliniken sich eine Belebung des Geschäfts erhoffen, scheint logisch. Wer zur Vorsorge kommt, leistet schließlich eine Art Anzahlung auf eine spätere künstliche Befruchtung. „Wer die Eizellvorsorge als Geschäftsmodell kommerziell propagiert, will auch doppelt profitieren“, sagt Tandler-Schneider.

Lasse eine Frau aber drei Hormonbehandlungen über sich ergehen, um eine ausreichende Menge an Eizellen zu lagern, kämen bis zu 15.000 Euro zusammen, mahnt der Gynäkologe. Nach rund 300 Euro pro Jahr für die Aufbewahrung schlage eine spätere In-Vitro-Befruchtung mit 2000 bis 4000 Euro zu Buche. Und das pro Versuch. „Da kommen ganz schöne Summen zusammen.“

Zahl der Behandlungen steigt

Capital 03/2015

Ein Luxusproblem? In Deutschland zeigt das als universitäres Netzwerk gestartete Ferti-Protekt-Register einen deutlichen Aufwärtstrend beim „Social Freezing“. Die Zahl der Behandlungen sei von 22 im Jahr 2012 auf 134 im Jahr darauf gestiegen. Da nicht alle Eingriffe erfasst werden, geht man von mindestens 300 Behandlungen aus. 2014 dürften es noch einmal mehr gewesen sein. Reproduktionsmediziner berichten von ein bis zwei Anfragen pro Woche.

Was den Berliner Mediziner Tandler-Schneider, Mitglied des Bundesverbandes Repromed, dabei skeptisch stimmt: Die meisten der erfassten Frauen sind Akademikerinnen zwischen dem 35. und 39. Lebensjahr. „Frauen, die erst mit 35 Jahren anfangen vorzusorgen, gaukeln sich vor, sie haben mehr Zeit“, sagt er. Danach sinken die Chancen, dass eine spätere Befruchtung erfolgreich verläuft.

Nur weil die Gesellschaft sich länger jung fühlt, ist sie also nicht länger fruchtbar. Laut Umfragen glauben viele, dass es für Frauen erst ab 40 schwierig wird, schwanger zu werden. Der Zenit wird dagegen mit 30 überschritten. Dann neigt sich der Lebenshaushalt an Eizellen dem Ende zu.

„Der technologische Fortschritt der Verglasung von Eizellen sollte nicht dazu verleiten, den Kinderwunsch bewusst nach hinten zu schieben“, rät der Mediziner daher. Wenn, dann würde er das „Social Freezing“ eher Frauen in den 20ern empfehlen. Zu diesem „Idealkollektiv“, wie er sagt, gehören aber die wenigsten, die bei ihm anfragen. 

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