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Gebrauchsanweisung für die Kollegen

, Anne Weitzdörfer

Wenn wir klar sagen, wie wir als Menschen funktionieren, wird im Job plötzlich vieles leichter. Von Anne Weitzdörfer

Mennschen mit Stiften und einem Notebook sitzen an einem Tisch
Wer im Kollegenkreis klarstellt, was sie/er mag und was nicht, kann sich das Leben leichter machen

Anne Weitzdörfer begleitet als Beraterin und Coach seit vielen Jahren Unternehmen und Führungskräfte. Hier schreibt sie jeden Monat über Themen aus der BerufsweltAnne Weitzdörfer begleitet als Beraterin und Coach seit vielen Jahren Unternehmen und Führungskräfte. Hier schreibt sie jeden Monat über Themen aus der Berufswelt

 


Neulich saß im Café ein Mann vor mir, der sich eine Gebrauchsanweisung in den Nacken tätowiert hatte. So eine, wie man sie aus Kleidungsstücken kennt. Ich schaute auf das Etikett in seinem Nacken und fragte mich irgendwann, wie das Leben wohl wäre, wenn jeder seine eigene Gebrauchsanweisung mit sich tragen würde. Offen lesbar, für alle, mit einheitlichen Symbolen. Das würde das Leben vermutlich viel einfacher machen. (Und viel weniger spannend.)

Ich bin schnell zu dem Schluss gekommen, dass ich für uns als private Personen bitte keine Gebrauchsanweisung möchte. Aber für die Berufs- und Arbeitswelt? Wir können das ja mal durchspielen. Da ist Michael, der neue Abteilungsleiter. Seine Gebrauchsanweisung lautet wie folgt: Wenn es um Meetings geht, ist er oft unpünktlich, hasst dies aber bei anderen. Genauso wie die Frage: „Haben Sie mal eine Minute?“ Deshalb vereinbaren Sie mit Michael bitte immer einen Termin. Ansonsten ist ihm ein gutes Verhältnis zu seinen Mitarbeitern wichtig, zu privat werden möchte er aber nicht. Wenn er nach Hause fährt, macht er den Blackberry aus. Erwarten Sie also keine Antwort um Mitternacht.

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Wie wäre das, wenn Ihr neuer Chef sich am Anfang so vorstellen würde? Ich fände das gut. Diese zwei Minuten ersparen vermutlich drei Monate und zwölf unangenehme Situationen, in denen man ungefähr auf das gleiche Ergebnis gekommen wäre. Und andersherum? Wenn die Mitarbeiter das genauso machen? Etwa: Dirk arbeitet Teilzeit, seine Frau ist Ärztin, und sie teilen sich die Kinder. Deswegen muss er pünktlich weg und ist schnell genervt, wenn Meetings überzogen werden. Außerdem hasst er unklare E-Mails. Insbesondere solche mit einem Auftrag ohne Deadline und Verantwortlichkeiten. Meetings findet er generell anstrengend, und außerdem redet er nicht gern vor großen Gruppen. Alles klar. Auch das kann man gut zu Beginn einer Zusammenarbeit wissen, finden Sie nicht? In der Realität machen das, glaube ich, die wenigsten.

Kommen wir zu Ihnen: Was wären die fünf wichtigsten Dinge, die Ihre Mitarbeiter von Ihnen wissen sollten? Was ist Ihnen im Umgang wirklich wichtig, was bringt Sie auf die Palme? Schreiben Sie die Punkte auf. Und wenn Sie im neuen Job die flammende Eröffnungsrede gehalten haben, geben Sie Ihren neuen Mitarbeitern in der ersten gemeinsamen Runde eine kurze Erläuterung, wie Sie funktionieren. Wenn Sie das Ganze jetzt noch strebermäßig ausbauen wollen, finden Sie heraus, was Ihren Mitarbeitern wichtig ist. Dauert ungefähr eine Stunde, macht Spaß und verbindet obendrein. Und lässt sich gut mit einem gemeinsamen Bier im Anschluss kombinieren. Auch ohne dass man es neudeutsch „Teambuilding“ nennt.

Der Mann vor mir im Café wollte im Übrigen nur bei 30 Grad gewaschen und getrocknet, nicht jedoch geschleudert werden.

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