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Hinter den Kulissen von Hertha BSC

, Thomas Steinmann

Hertha BSC ist der einzige Bundesligist, an dem ein internationaler Finanzinvestor beteiligt ist. Für eine Analyse über die Allianz von Fußball und Finanzwelt hat sich Capital im Verein umgeschaut. Die besten Bilder

Seit Sommer 2016 vermarktet sich Hertha BSC als ältestes Start-up Berlins. Der Claim „We try. We fail. We win“ war in der vergangenen Saison nicht nur im Stadion zu lesen. Für die Kampagne hat das Hertha-Management mit dem Sportableger von Jung von Matt erstmals eine Werbeagentur ins Haus geholt.

Die Heimspiele im Olympiastadion sind Großveranstaltungen mit bis zu 75000 Zuschauern – und bis zu 2500 Mitarbeitern, vom Ordner bis zur VIP-Hostess. Zweieinhalb Stunden vor Anpfiff gibt Hertha-Organisationschef Thomas Herrich (M.) im Pressekonferenzraum das Sicherheitsbriefing für einen Teil der Ordner.

An Spieltagen laufen alle Fäden bei Herrich zusammen. Als Veranstaltungsleiter hat der ehemalige Manager des Sportvermarkters Sportfive immer den Generalschlüssel für das Olympiastadion dabei – und ein paar „Sakkokarten“: Tickets für den Fall, dass Ehrengäste kurzfristig noch einen Platz brauchen.

Als eine von wenigen Arenen verfügt das Olympiastadion über eine eigene Stadionwache mit 25 Zellenplätzen, die für die WM 2006 eingerichtet wurde. An Spieltagen haben hier bis zu 30 Beamte Dienst, dazu mehrere Staatsanwälte. Wenn sich Fans in der Stadt daneben benehmen, landen sie hier - ohne Fernseher.

Im Kabinentrakt des Olympiastadions begrüßt Hertha-Präsident Werner Gegenbauer seine Spieler. Der Mehrheitseigentümer der Gegenbauer-Gruppe ist einer der einflussreichsten Unternehmer Berlins. Wenn die Clubführung mit potenziellen Investoren aus China oder den USA spricht, ist der Präsident dabei.

In der Hertha-Kabine hängen die Trikots für die Spieler. Einige Profis im Kader haben ihren Marktwert zuletzt gesteigert. Innenverteidiger John Anthony Brooks, den die Berliner in ihrer eigenen Nachwuchsakademie ausgebildet haben, wechselt zur neuen Saison für mindestens 17 Mio. Euro nach Wolfsburg - Vereinsrekord.

Im Olympiastadion ist der Weg von den Kabinen aufs Spielfeld länger als in anderen Bundesliga-Arenen. Vor einigen Jahren wurde auf Wunsch des DFB mit Blick auf die jährlichen Pokalendspiele eine Rolltreppe eingebaut. Kosten: eine halbe Million Euro.

Bei Umsatz und Personaletat ist Hertha ein Bundesliga-Mittelständler. Vergangene Saison gab der Club für seinen Kader um Kapitän Vedad Ibisevic (am Ball) 40 Mio. Euro aus - bei einem Umsatz von 100 Mio. Euro. Beim FC Bayern, der mehr als das Sechsfache umsetzt, reicht das nicht mal für die drei teuersten Stars.

In der neuen Saison, in der die Berliner Europa League spielen, kann Manager Michael Preetz (3. v. l.) mehr in den Kader investieren. Das Personalbudget steigt auf 47 Mio. Euro. Vor allem dank dem neuen Bundesliga-TV-Vertrag kassiert Hertha rund 20 Mio. Euro mehr aus Mediarechten als 2016/17.

Die Ehrentribüne des Olympiastadions: Für die WM 2006 wurde der VIP-Bereich ausgebaut, insgesamt gibt es in der Arena nun rund 5000 Business-Seats. Für den Bundesligaalltag ist das überdimensioniert. Viele der teuren VIP-Tickets wird Hertha nicht los. Auch deshalb verfolgt der Club Pläne für einen Stadionneubau.

Die Nutzung des Olympiastadions kostet Hertha 300000 Euro Miete pro Spiel - mehr als 5 Mio. Euro in der Saison. Der Vertrag mit dem Land Berlin läuft noch bis 2025. Für ein eigenes Stadion hat der Club zwei Standorte im Visier. Denkbar ist aber auch ein Umbau des Olympiastadions zu einer reinen Fußballarena.

Die Auswechselbänke im Olympiastadion sind im Winter beheizt. So sieht es auf der Hertha-Bank nach dem Abpfiff des Spiels gegen den FC Bayern im Februar aus. Kurz zuvor hatte die Mannschaft noch den Ausgleich zum 1:1 kassiert - in der sechsten Minute der Nachspielzeit.

Die Geschichte über den Turnaround bei Hertha BSC und die Rolle des Finanzinvestors KKR lesen Sie in der Juni-Ausgabe der Capital. Hier geht es zum Abo-Shop, wo Sie die Print-Ausgabe bestellen können. Unsere Digital-Ausgabe gibt es bei iTunes, GooglePlay und Amazon


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