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  • Business as Usual

Frau L. macht alles richtig

, Anne Weitzdörfer

Wir lernen von Menschen, nicht von Theorien. Wer also hat Sie das letzte Mal so richtig beeindruckt? Von Anne Weitzdörfer

Besprechung
Abschlussgespräche nach einem Fehlschlag sind kein Vergnügen – doch manchmal läuft alles ganz anders als erwartet

Anne Weitzdörfer begleitet als Beraterin und Coach seit vielen Jahren Unternehmen und Führungskräfte. Hier schreibt sie jeden Monat über Themen aus der BerufsweltAnne Weitzdörfer begleitet als Beraterin und Coach seit vielen Jahren Unternehmen und Führungskräfte. Hier schreibt sie jeden Monat über Themen aus der Berufswelt

 


Die Situation war verfahren, sehr sogar. Dabei hatte es doch so gut begonnen: Ein junges, unerfahrenes Unternehmen beauftragt für ein Projekt ein großes, renommiertes Unternehmen. Ein Thema, von dem das kleine Unternehmen nichts versteht. Alle legen hoch motiviert los, die Aussicht ist super. Dann aber hakt es. Das Projekt macht kaum Fortschritte, der Alltag wird mühsam. Als das berühmte Maß voll ist, kritisiert man aneinander herum – und ruft gemeinsam den Neustart aus. Doch wieder läuft es nicht. Es kommt der Frust. Doppelt so schnell und doppelt so heftig.

Das Projekt soll schließlich abgebrochen werden, und wie zu erwarten gibt es Streit, wie man sich denn nun voneinander trennt. Zähes Ringen. Mit motivierten Anwälten, die hübsche Schriftstücke aufsetzen. Schön kleinteilig und ermüdend.

Wenn Sie selbst bis hierhin noch nicht eingeschlafen sind, dann vermutlich nur, weil Sie die gleiche Situation schon einmal erlebt haben. Und wissen wollen, wie die Geschichte ausgeht. Kommt sofort!

Frau L. hat zugehört

Capital-Cover 07/2015
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Ich saß bei dieser Sache auf der Seite des kleinen Unternehmens. Es sollte dann nach all dem Hin und Her eine Art Abschlussgespräch geben. Jemand aus der Geschäftsleitung des großen Unternehmens wollte das Projekt noch einmal „gemeinsam reflektieren“ und offiziell abschließen. Wir hatten überhaupt keine Lust auf dieses Gespräch. War doch alles schon gesagt. Und wir waren irgendwie auch durch mit dem Thema.

Zu dem Gespräch kam eine Frau, sehr erfahren, offen und herzlich. Um es vorwegzunehmen: Sie hat es geschafft, den Frust und die Wut eines ganzen Jahres innerhalb weniger Minuten aufzulösen. Wie das? Das Wichtigste: Sie hat zugehört. Sehr interessiert und ruhig. Wo nötig, nachgefragt. Weiter sehr aufmerksam zugehört. Und erst als wir fertig waren und sie alles verstanden hatte, hat sie das Projekt aus ihrer Sicht geschildert. Und die Schwierigkeiten und Versäumnisse aufseiten ihres Unternehmens direkt benannt. Sehr klar und auf den Punkt. Und mit einer so ehrlichen und authentischen Entschuldigung geschlossen, dass es danach nicht mehr viel zu sagen gab. Das abschließende Angebot für eine Lösung war extrem fair und wurde mit einem Handschlag besiegelt. Einem, der gilt. Ich habe nie vorher jemanden erlebt, der eine festgefahrene Situation so selbstverständlich und souverän gelöst hat.

Warum ich Ihnen das alles erzähle? Weil ich möchte, dass Sie überlegen, wer Sie zuletzt beeindruckt hat. So, dass Ihnen die Situation bis heute im Gedächtnis geblieben ist. Was genau hat diese Person getan? Oft sind es doch kleine Dinge, die uns ein Beispiel geben – und Menschen, nicht trockene Theorien, von denen wir lernen. Wenn Sie es wissen, drücken Sie bitte innerlich auf „speichern“. Und wenn es das nächste Mal darauf ankommt, erinnern Sie sich und machen den Unterschied. Ich sage Danke, liebe Frau Dr. L.!

Die Kolumne Business as Usual erscheint jeden Monat in Capital. Hier können Sie sich die iPad-Ausgabe herunterladen. Hier geht es zum Abo-Shop, wenn Sie die Print-Ausgabe bestellen möchten.  


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