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  • Western von gestern

Flasche gegen Flasche

, Capital-Redaktion

Die Wirtschaft ist voller Fehden, Pleiten und Skandale. Capital erinnert an die besten. Diesmal: Der Streit um den Namen Budweiser

Budweiser © Illustration: Jindrich Novotny; Foto: Mauritius Images

Der Satz klang freundlich, doch so war er nicht gemeint. „Sie waren meine Feinde, aber ich respektierte sie als Profis“, sagte Jiri Bocek im Sommer 2012 über die Amerikaner, „sie hatten den gleichen Qualitätsanspruch wie wir und hielten die gleichen Brauregeln ein.“ Der Chef der tschechischen Budweiser-Brauerei sprach absichtlich in der Vergangenheitsform. Denn die Zeiten des Respekts waren da endgültig vorbei. 

Den wievielten Prozess Bocek zu diesem Zeitpunkt gegen den gleichnamigen Rivalen in den USA führte, hätte er spontan wahrscheinlich selbst kaum sagen können. Denn über die Frage, wer den wertvollen Biernamen „Budweiser“ und die Abkürzung „Bud“ exklusiv vermarkten darf, hatten sich Tschechen und Amerikaner erstmals 1907 gestritten. Doch erst nach dem Fall des Eisernen Vorhangs und mit dem weltweiten Expansionshunger beider Marken war der Konflikt richtig eskaliert: Allein von 2000 bis 2011 trafen sich die beiden Brauereien weit über 100-mal auf der ganzen Welt vor Gericht.

Cover der neuen Capital
Die aktuelle Capital

Und stets war es dieselbe ungleiche Konstellation: hier das kleine staatliche Traditionsunternehmen, dort der US-Gigant. Gerade mal gut eine Million Hektoliter feinste Braukunst gegen 400 Millionen Hektoliter – na, was eigentlich? –, die das belgisch-brasilianisch-amerikanische Bierkonglomerat Anheuser-Busch Inbev jedes Jahr produziert – und unter 200 verschiedenen Markennamen auf der ganzen Welt verkauft. 

Oft setzten sich die Tschechen durch: Zumindest in Europa ist Budweiser heute eine tschechische Marke. Amerikas Budweiser muss schön in den USA bleiben – als Budweiser. 

Denn ob der Bann auch für die in den USA übliche Abkürzung Bud galt, hatte der Europäische Gerichtshof im letzten großen Verfahren 2012 zu entscheiden. Bocek setzte wie so oft auf die David-gegen-Goliath-­Karte. Managern wie AB-Inbev-Boss Carlos Brito, bekannt als knallharter Kostensenker, gehe es nur ums Geld, ätzte der Tscheche. Mit Marketing wolle Brito sein billiges Bier zu gutem erklären. Für ihn, Bocek, sei Bier dagegen das Resultat exquisiten Hopfens und alter Braukunst. 

Das Gericht entschied diesmal dennoch anders, nämlich zugunsten der Amerikaner: Der US-Konzern habe das alleinige Recht, den Namen Bud in der EU zu verwenden, urteilten die Richter. Damit nicht genug, in diesem Sommer kaufte AB Inbev die kleine tschechische Brauerei Pivovar Samson. Auch in Europa geben sich die Amerikaner nicht geschlagen.

Hauptpersonen

Jiri Bocek und Carlos Brito sind heute die CEOs der seit mehr als hundert Jahren verfeindeten Bierkonzerne. Während der Brauer Bocek in Tschechien darum kämpft, dass die staatliche Brauerei Budweiser Budvar nicht zum Übernahmekandidaten für ausländische Investoren wird, baut Brito als CEO von Anheuser-Busch Inbev die Stellung seines Konzerns als größter Bierbrauer der Welt kontinuierlich aus. Budweiser haben beide im Angebot – den Unterschied schmeckt man aber schnell.

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