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Firmenchef verteidigt Ex‑Gildemeister-Verkauf

, Monika Dunkel

Für DMG Mori Seiki-Chef Rüdiger Kapitza (Ex-Gildemeister) ist die Übernahme durch den japanischen Partner die billigste Variante.

DMG Mori Seiki
Seit 2013 heißt der deutsche Maschinenbauer Gildemeister DMG Mori Seiki

Rüdiger Kapitza steht seit 1996 an der Spitze des deutschen Maschinenbauers, der damals noch Gildemeister hieß. Seit 2009 ist das Unternehmen über Kreuz mit dem japanischen Partner DMG Mori Seiki verbunden. Vier Jahre später folgte die Namensänderung. Rüdiger Kapitza steht seit 1996 an der Spitze des deutschen Maschinenbauers, der damals noch Gildemeister hieß. Seit 2009 ist das Unternehmen über Kreuz mit dem japanischen Partner DMG Mori Seiki verbunden. Vier Jahre später folgte die Namensänderung.


Capital: Herr Kapitza, Mori Seiki wird Gildemeister mehrheitlich übernehmen. Viele hat das Übernahmeangebot der Japaner Ende Januar überrascht. Ursprünglich wollten Sie eine Fusion bis 2020. Woher der Sinneswandel?

Kapitza: Der Zeitpunkt ist nicht überraschend. Seit 2009 arbeiten wir enger zusammen und seit vier, fünf Jahren überlegen wir, wie die beiden Firmen zusammenkommen. Wir haben Millionen in die Rechtsberatung investiert. Konkret geprüft haben wir drei Modelle. Unser Favorit war eine deutsche-japanische Aktiengesellschaft mit Sitz in Tokio und einem Börsenplatz in Frankfurt. Dieses Modell entpuppte sich als zu schwierig und unsicher. Es gibt dafür auch keinerlei Vorbilder. Ende des letzten Jahres haben wir uns dagegen entschieden. Es blieben zwei Varianten: Wir übernehmen Mori Seiki oder die Japaner übernehmen uns. Wir haben uns für letzteres entschieden.

Was ist der Grund?

Es ist einfacher und die Finanzierungskosten sind um ein Vielfaches günstiger.

Kann man das beziffern?

In Europa müssten wir mehr als doppelt so viel für die Transaktion ausgeben.

Sie machen doppelt so viel Umsatz und Gewinn wie Mori Seiki. Ihre Liquidität ist viel höher. Klein übernimmt groß, stört Sie gar nicht?

Ich sehe das nicht so. Beide Unternehmen sind sehr profitabel. Und wir arbeiten wie bisher unter Gleichen, jeden Tag und jede Sekunde. Es gab und gibt da keine Beherrschungs- und Ansagemuster.

"Unsere Kooperation war akut gefährdet"

Und warum die Eile bei der Übernahme?

Bei der letzten Hauptversammlung hatte Mori Seiki aus eigener Kraft keine einfache Mehrheit. Einmal darf das passieren. Unsere Kooperation war akut gefährdet. Wir mussten also rasch handeln. Mit 40 Prozent der Anteile hat Mori Seiki eine klare Mehrheit und wir können die erfolgreiche Zusammenarbeit beider Konzerne absichern.

Sie haben einen neuen Aktionär an Bord: Elliott. Was ist Ihre Strategie gegenüber diesem Investor?

Wir entwickeln keine Strategien gegen unsere Investoren, sondern versuchen, sie langfristig einzubinden. Ich war bei Elliott. Die haben mir versichert, dass sie an einem langfristigen Investment interessiert sind. Sie fanden unsere Story interessant.

Haben Sie keine Angst, dass Elliott Ihre Strategie torpedieren könnte?

Nein. Darauf deutete bei meinem Besuch in London nichts hin.

Mori Seiki hat sein Angebot jetzt von 27,50 Euro auf 30,55 Euro je Aktie erhöht. Sie haben bisher stets gesagt, dass Sie 27,50 Euro für einen fairen Preis halten. Ist Ihr Unternehmen doch mehr wert?

Aus Sicht des Vorstands und des Aufsichtsrat sind 27,50 Euro ein fairer Preis. Höher lag der Kurs nie. Die Wirtschaftsprüfer von KPMG kamen zu einem niedrigeren, die Deutsche Bank hielt diesen Preis für fair und angemessen. Aber letztlich entscheiden Bieter und Markt. Aktuell ist der Unternehmenswert auf 2,4 Mrd. Euro gestiegen. Bei meinem Amtsantritt war die Firma 33 Mio. Euro Wert.

Sie sollen in einer Analystenkonferenz sogar gesagt haben, Sie würden „keinen Cent drauflegen“ und sind dafür sehr kritisiert worden.

Diese Aussage ist falsch. Ich bin ja weder der Bieter, noch verkaufe ich – das alles entscheidet der Markt. Wir haben immer nur vom „fair value“ gesprochen. Dr. Mori hat gesagt, dass er nichts mehr drauflegt.

DMG Mori Seiki Aktie

DMG Mori Seiki Aktie Chart
Kursanbieter: L&S RT

"Ein Beherrschungsvertrag ist nicht angestrebt"

Bei Übernahmen versucht das Management gewöhnlich, das Maximale für die Aktionäre rauszuholen. Warum haben Sie das nicht versucht?

Nochmal: Wir halten 27,50 Euro für einen fairen Preis des Unternehmens. Und auch für einen hohen. Wir haben ja hier keine feindliche Übernahme. Das ist ein freundliches Transaktionsmodell zwischen zwei befreundeten Unternehmen. Im Übrigen steht für uns im Sinne aller Aktionäre die Absicherung unserer erfolgreichen Kooperation im Vordergrund.

Könnte es sein, dass die Übernahme nur ein erster Schritt ist und die Japaner das Unternehmen bald ganz beherrschen?

Das ist reine Spekulation. Es geht jetzt um 40 Prozent der Anteile. Wir werden sehen, wie das weitergeht. Natürlich gibt es immer Veränderungen. Aber in der Angebotsunterlage steht ja klipp und klar, dass ein Beherrschungsvertrag nicht angestrebt ist.

Einen Ausverkauf von Know-How oder Schließungen von Standorten schließen Sie aus?

Alle Werke und alle Arbeitsplätze bleiben bestehen. Es gibt keinen Abfluss, sondern einen Austausch von Wissen. Unser Zusammenschluss ist ein Novum, aber ich bin sicher, dass er beiden guttut.


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