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Finanzsystem steht nicht vor dem Abgrund

, Hans-Jürgen Möhring

Sal. Oppenheim-Chef Leoni sieht keine Anzeichen für einen Finanzcrash. Die Banken seien robuster gegen Schocks.

Wolfgang Leoni © Gene Glover
Wolfgang Leoni

Wolfgang Leoni, 58, ist seit Januar 2007 für das Kölner Bankhaus Sal. Oppenheim tätig. Davor arbeitete der promovierte Volkswirt bei dem Bankhaus B. Metzler und der Bank in Liechtenstein, 1996 wechselte er in die Geschäftsführung der Deka Investment Management.


Der Chef des Kölner Bankhauses Sal. Oppenheim, Wolfgang Leoni, hält Warnungen vor einem neuen Finanzcrash für übertrieben. Die aktuellen Risiken seien bei Weitem nicht so groß wie während der Banken- und Finanzkrise 2008/2009. „Ich kann zum Beispiel in der aktuellen Situation keine Instabilität im Bankensystem wie bei der Lehmann-Krise erkennen“, sagte Leoni im Capital-Interview (Ausgabe 4/2016; EVT 17. März). Die Banken hätten ihr Eigenkapital gestärkt und im Stresstest der EZB gezeigt, dass sie robuster gegen Schocks seien. „Wir stehen nicht vor einem Abgrund.“

Capital 04/2016
Die neue Capital erscheint am 17. März

Kritik übte Leoni an der Politik der Notenbanken: „Die Notenbanken betreiben eine expansive Politik der Niedrig- und Negativzinsen, die ich mir nie hätte vorstellen können.“ Keiner wisse, was mittel- bis langfristig negative Zinsen wirklich bewirkten, welche Fehl-Allokationen ausgelöst würden. Trotzdem bestünde noch die Chance, dass ein schrittweiser Exit aus dieser Situation gelingen könne, auch wenn das schwierig und langwierig sei. Das Problem sei, dass Politiker „pathologisch lernen“, dass sie nicht schon im Vorfeld das Richtige machten, sondern erst unter dem Druck der Märkte reagierten. „Ich habe wenig Hoffnung, dass sich das ändert“, so Leoni.

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