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Familienstreit bei Tönnies eskaliert

, Thomas Steinmann und Jens Brambusch

Firmenchef Clemens Tönnies wirft seinem Neffen Robert Verkaufspläne für den Fleischkonzern vor. Unterlagen belegen Gespräche mit Investoren.

Clemens Tönnies (r.) im Gerichtssaal mit seinen Anwälten © Christian Protte
Familienstreit: Clemens Tönnies (r.) im Gerichtssaal mit seinen Anwälten

Für Clemens Tönnies ist die Jagd eigentlich das angenehmere seiner beiden großen Hobbys. Beim Fußball-Bundesligisten FC Schalke 04, wo der westfälische Fleischfabrikant im Nebenberuf den Aufsichtsrat führt, gibt es immer wieder Ärger. Manchmal rufen Fans aus der Kurve sogar „Tönnies raus“. Bei der Jagd in seinem eigenen Revier oder bei prominenten Jagdfreunden aus der deutschen Wirtschaft hat er seine Ruhe.

Im Sommer 2014 war das allerdings anders. Bei einem Jagdevent in Stolberg, einem Städtchen im Südharz, sprach ihn abends ein unbekannter Mann an und wies sich als ranghoher Investment-Spezialist der Privat-Equity-Firma BC Partners aus. Er wolle sich kurz vorstellen, sagte der Jagdkollege, denn sein Haus beschäftige sich gerade mit dem Kauf von Tönnies’ Unternehmen. Es war der Moment, in dem Tönnies – bildlich gesprochen – fast die Flinte aus der Hand gefallen wäre.

Der Firmenchef war zwar darüber informiert, dass sich sein Neffe Robert Tönnies – der wie der Onkel 50 Prozent an Deutschlands größtem Fleischkonzern hält – und dessen Anwälte auf dem Markt umschauten. Sie wollten sondieren, ob ein Teilverkauf oder Verkauf eine mögliche Lösung für den seit Ende 2011 laufenden erbitterten Machtkampf zwischen beiden Gesellschaftern sein könnte. Aber nach dem Erlebnis bei der Jagd hatte Clemens Tönnies das Gefühl, dass sein Neffe das Unternehmen breit auf dem Markt anbiete – und das, obwohl absolute Vertraulichkeit vereinbart worden war.

Unstimmigkeiten über eine Exit-Regelung

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Unterlagen aus dem Familienstreit, die Capital vorliegen, belegen, dass Robert Tönnies und sein Stuttgarter Anwalt Mark Binz im Jahr 2014 mindestens acht potenzielle Investoren kontaktiert haben. Dazu gehörten auch die Private-Equity-Firmen BC Partners und CVC. Bei der Investorensuche war die Hamburger Privatbank M. M. Warburg eingeschaltet. Aus den Unterlagen geht zudem hervor, dass sich die Anwälte von Clemens Tönnies nach dem Jagderlebnis in Stolberg darüber beschwerten, dass die Investorensuche außer Kontrolle geraten und die Zusage absoluter Diskretion verletzt worden sei. Robert Tönnies wollte sich auf Anfrage von Capital nicht äußern.

Bis heute ist das Thema Verkauf einer der Knackpunkte, die einem Frieden zwischen dem Bruder und dem Sohn des 1994 verstorbenen Unternehmensgründers Bernd Tönnies entgegenstehen. Als im Oktober 2015 ein weit verhandelter, mehr als 80 Seiten starker Einigungsvertrag kurz vor den Unterschriften scheiterte, lag dies unter anderem auch an Unstimmigkeiten über eine Exit-Regelung. Geplant war zunächst eine Klausel, wonach die Gesellschafter nach zweieinhalb Jahren gemeinsam entscheiden, ob die vom Neffen eingeforderte gleichberechtigte Führung des Unternehmens funktioniert oder ob nur noch eine Trennung infrage kommt – etwa durch einen Verkauf.

Stattdessen brachte die Seite von Robert Tönnies später eine Auktionsregelung ins Spiel. Für den Fall, dass weitere Gespräche binnen weniger Monate erfolglos bleiben, soll demnach jeder Gesellschafter ein Gebot für den Anteil des anderen abgeben. Wer den höheren Preis bietet, soll alle Anteile übernehmen – der andere scheidet aus. Bereits im Jahr 2012, ganz am Anfang der inzwischen mehr als ein halbes Dutzend Prozesse vor mehreren Gerichten, hatte Robert Tönnies’ Anwalt Binz eine solche Auktion vorgeschlagen. Damals hatte der Onkel den Vorschlag als faire Lösung bezeichnet.

"Ich stimme einem Verkauf an Heuschrecken nicht zu"

Zuletzt waren die Differenzen bei der Exit-Regelung auch einer der Gründe dafür, warum die außergerichtlichen Einigungsgespräche derzeit wieder auf Eis liegen. Nach dem gescheiterten Abschluss im Herbst hatten Onkel und Neffe die Gespräche über Vertraute mithilfe eines Hamburger Notars wieder aufnehmen lassen – ohne Anwesenheit der Anwälte. Ein geplanter Termin Ende Januar wurde nun aber kurzfristig abgesagt.

Mittlerweile wirft der Firmenchef seinem Neffen offen vor, den Verkauf des Unternehmens anzustreben, um Kasse zu machen. „Wir wären uns längst einig, wenn es wirklich um eine gleichberechtigte Unternehmensführung gehen würde“, sagt er Capital. „Ich habe aber schon seit langem den Eindruck, dass hier andere Ziele verfolgt werden.“ Bei 100-Prozent-Übernahmen bezahlen Finanzinvestoren üblicherweise Sonderprämien.

Robert Tönnies © Christian Protte
Robert Tönnies kämpft verbissen gegen seinen Onkel um die Macht im Konzern

Zugleich kündigte Clemens Tönnies an, jeden Verkaufsplan mit seinem Veto in der Gesellschafterversammlung zu blockieren. „Ich stimme einem Verkauf an irgendwelche Heuschrecken nicht zu. Dafür habe ich nicht vierzig Jahre lang zusammen mit meinem Bruder das Unternehmen zu seiner heutigen Größe geführt“, sagte er.

Ein „echter Friede“ mit seinem Neffen sei nur „ohne Verkaufsabsichten und Auktionen“ möglich, sagte Clemens Tönnies, den die Klagen seines Neffen nach eigenen Angaben bislang mehr als 9 Mio. Euro gekostet haben. Der Konzern müsse „in Familienhand bleiben“. Um doch noch zu einer Einigung zu kommen, hat er der Gegenseite nun die Einschaltung eines Schlichters vorgeschlagen. An wen er dabei gedacht, sagte er auch: Prominente Elder Statesmen wie etwa Roman Herzog oder Wolfgang Clement.

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