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Entscheider wenden sich von Draghi ab

, Christian Schütte

Eine knappe Mehrheit der Führungselite sieht den Kurs des EZB-Chefs kritisch. Nach dem Brexit-Votum wächst die Sorge um den Zustand Europas.

Mario Draghi © dpa
EZB-Präsident Mario Draghi hat das Vertrauen der Top-Entscheider verloren

Deutschlands Top-Entscheider wenden sich zunehmend gegen den Kurs der Europäischen Zentralbank. Nachdem die Elite bislang überwiegend der Meinung war, EZB-Chef Mario Draghi mache „gute Arbeit“, ist zuletzt der Unmut gewachsen. Erstmals sieht nun eine Mehrheit von 52 Prozent Mario Draghi kritisch, wie eine Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach (IfD) im Auftrag von FAZ und Capital (Ausgabe 8/2016) unter 506 Führungsspitzen aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung ergab. Für 53 Prozent der Befragten ist der Einfluss der EZB auf die Eurozone mittlerweile zu groß und für 55 Prozent überwiegen beim derzeitigen EZB-Kurs die Nachteile. Vor allem die Wirtschafts-Elite sieht die Geldpolitik der EZB kritisch.

Vor allem in der Wirtschaft Kritik am Einfluss der EZB © IfD-Allensbach
Die Unterstützung für Mario Draghi nimmt ab © IfD-Allensbach

Brexit verschärft die Sorgen um Europa

Nach dem britischen Votum für einen Brexit sehen neun von zehn Top-Entscheidern des „Capital-FAZ-Elite-Panels“ die EU in einem kritischen Zustand. Mehr als drei Viertel (78 Prozent) fürchten, dass die Fliehkräfte in der EU noch zunehmen. Als weitere Folge des Brexit erwarten zwei Drittel der Führungselite einen schwindenden weltpolitischen Einfluss der EU. 80 Prozent halten deshalb auch eine umfassende Reform der EU für notwendig.

Generell große Sorgen um den Zustand der EU © IfD-Allensbach
Breiter Konsens: Um weitere Austritte zu verhindern, muss die EU umfassend reformiert werden © IfD-Allensbach

56 Prozent der deutschen Top-Entscheider rechnen damit, dass der Brexit Großbritannien wirtschaftlich massiv schaden wird. Ebenfalls 56 Prozent plädieren dafür, Großbritannien konsequent alle Vorteile einer EU-Mitgliedschaft zu entziehen, 37 Prozent meinen dagegen, die EU solle Großbritannien entgegenkommen und weiterhin Vorteile gewähren.

Die Führungsspitzen plädieren mehrheitlich für eine konsequente Reaktion der EU © IfD-Allensbach

Mit erheblichen Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft rechnet aber nur eine Minderheit von 15 Prozent. 77 Prozent erwarten lediglich geringe Auswirkungen. Für das eigene Unternehmen sind die Manager deutscher Unternehmen sogar noch optimistischer.

Für die Chefin des Instituts für Demoskopie Allensbach (IfD), Prof. Dr. Renate Köcher, ist die Elite „bemerkenswert kühl. Sie benennt die Probleme, aber sie ist doch im Großen und Ganzen davon überzeugt, dass man sie in den Griff kriegen kann. Bei der Wirtschaftselite wirkt natürlich auch stabilisierend, dass die Auftragslage fast überall gut ist“.

Mit erheblichen Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft rechnet nur eine Minderheit © IfD-Allensbach
Geringe oder gar keine Auswirkungen auf das eigene Unternehmen © IfD-Allensbach

AfD gilt bei Top-Entscheidern als „extreme Partei“

Die AfD wird aktuell von der Elite grundsätzlich neu bewertet. Drei Viertel der Befragten halten die AfD inzwischen für eine „extreme Partei“. Das sind drei Mal so viele wie 2014. Damals meinten noch 71 Prozent, die AfD sei lediglich eine Partei rechts von der CDU.

Verändertes Bild von der AfD © IfD-Allensbach

Weiterhin geht aber eine Mehrheit (57 Prozent) davon aus, dass die AfD keinen dauerhaften Erfolg auf Bundesebene haben wird. Entsprechend halten 61 Prozent der befragten Entscheider die Sorge für übertrieben, dass das Erstarken der AfD Deutschland ernsthaft gefährdet. Nur sieben Prozent der Befragten erklären den Erfolg der AfD mit einem Rechtsruck der Wähler. 84 Prozent sehen darin vor allem eine politische „Ventilfunktion“.

Mehrheit glaubt nicht an dauerhaften Erfolg der AfD © IfD-Allensbach

Ein Interview mit Allensbach-Chefin Renate Köcher lesen Sie in der August-Ausgabe von Capital, die am 21. Juli erscheint. Hier finden Sie eine Vorschau über unsere Themen. Hier können Sie sich die iPad-Ausgabe herunterladen. Hier geht es zum Abo-Shop, wenn Sie die Print-Ausgabe bestellen möchten.


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