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Dürfen sich Banken freikaufen?

, Hayek/Keynes

Jahrzehntelang stritten Friedrich August von Hayek und John Maynard Keynes über den Konflikt zwischen Staat und Markt. Diesmal: Strafen für Banken

Hayek und Keynes © Jindrich Novotny
Streithähne: Friedrich August von Hayek (l.) und John Maynard Keynes

Sehr geehrter Herr Keynes,
wenn ich mir die Vorgänge in der Bankenlandschaft anschaue, stellt sich nur eine Frage: Warum gibt es eigentlich keine Keynes-Bank?
Ihr F. A. Hayek

Nanu, Hayek,
suchen Sie etwa nach einer Anlagemöglichkeit? Ihr Akademikergehalt war Ihnen wohl zu spärlich …
Herzlichst, John Maynard

Sehr geehrter Herr Keynes,
bis heute halte ich mich lieber an die Rolle des Beobachters. Und da fällt doch auf, dass die Banken eine Sonderrolle genießen, die wie von Ihnen ersonnen scheint: Da kann ein Institut noch so großen Unsinn anstellen – wenn es schiefgeht, kommt der Staat und gibt den Retter. Wenn es sein muss, zahlt die Bank später halt eine willkürlich ausgehandelte „Strafsumme“, wie unlängst die Bank of America oder J. P. Morgan. Das ist moderner Ablasshandel und mir als Agnostiker somit gleich doppelt suspekt.
Ihr F. A. Hayek

Capital 02/2015
Die neue Capital

Langsam, Herr Hayek,
wir wollen nicht alles durcheinanderbringen. Ich bin ja nun kein Freund der Spekulanten. Doch bevor man eine Bank pleitegehen lässt und damit die gesamte Wirtschaft in den Ruin treibt, haben wir doch nun eine vorzügliche Lösung: Die Banken kommen für ihre Fehler auf, und der Staat kann mit dem Geld neue Investitionen tätigen. Schon mehr als 100 Mrd. Dollar hat Amerika damit eingenommen. Ich finde, gut sechs Jahre nach dem Lehman-Crash sieht die Welt gar nicht so schlecht aus.
Ihr John M.

Sehr geehrter Herr Keynes,
dass die Welt nun besser aussieht als ohne Intervention, ist ein Urteil, das wohl nur ein vermeintlich Allwissender wie Sie sich anmaßen kann. Fakt ist, dass Ihre Anhänger ein System geschaffen haben, in dem nicht für alle die gleichen Regeln gelten. Angeblich „systemrelevante“ Institute können sich alles erlauben. Das Ziel jedes rational handelnden Bankers muss es also sein, sich den Anschein der Systemrelevanz zu verschaffen. Die nächste Blase und der nächste Crash sind damit unausweichlich.
Ihr F. A. Hayek

Nun, Hayek,
wir sind uns hier wohl ausnahmsweise einig: Den Banken in der jetzigen Form sollte Einhalt geboten werden. Das kann nur der Staat leisten. Bekomme ich Sie nun ausnahmsweise mal dazu, Regulierung zu befürworten? Dann würde ich sogar Sie für systemrelevant erklären.
Freudig erregt – Ihr John

Sehr geehrter Herr Keynes,
wie kommt es, dass wir uns immer missverstehen? Die Antwort ist nicht das, was Sie mehr Regulierung nennen. Sondern ein Staat, der sich einfach raushält. Und der eine Bank notfalls eben scheitern lässt. So wie alle anderen Unternehmen auch. Und ehrlich gesagt: Meine Systemrelevanz ist ja wohl schon bewiesen. Ganz ohne Rettungsfonds.
Ihr F. A. Hayek

 

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